14.09.2011Fürstliches Erbe

Gruppenreisen nach Ungarn sind wieder gefragt. Nicht erst seit Sisi haben Schlösser und Burgen in Ungarn Konjunktur. Heute laden landauf, landab mehr als 700 davon zu einer Reise in die Geschichte des Landes und seines Adels ein – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Nach Jahren der Krise spürt der Ungarn-Tourismus wieder Rückenwind.

Sie gilt noch immer als die meistbesuchte ­Attraktion Ungarns – die Budaer Burg. Und niemand möchte bestreiten, dass sich ein Besuch des mächtigen Komplexes lohnt. Doch auch jenseits der stolz auf dem Felsenberg über der ­Donau thronenden Burg gibt es reichlich Möglichkeiten, die Resultate aristokratischer und geldadeliger Bauwut kennenzulernen: Manch römische Festung wurde im Mittelalter mit einer stolzen Burg überbaut, mancher barocke Fürst ­unterstrich seine Bedeutung mit prächtigen Schlossbauten. Und so erlauben die steinernen Zeugen adligen Lebens Zeitreisen in die Welt der Ritter, Eintauchen ins ­Leben und die Geschichte der Hocharistokratie, ein Nickerchen in einem romantischen Baldachin-Bett oder das Schmökern in einer Schlossbibliothek. Wenn auf der Burg Eger die Rüs­tungen scheppern, Böllerdonner ertönt und marodierende Söldnerbanden die Stadt unter der Burg unsicher machen, dann wissen alle Einheimischen, dass es wieder mal etwas zu feiern gibt: Denn jedes Jahr am 17. Oktober wird der Befreiung der Burg und der Stadt Eger von den Türken im Jahr 1652 gedacht – ein Spektakel nicht nur für die unzähligen Teilnehmer, sondern auch für Besucher aus Nah und Fern. Diese können nicht nur dem bunten Treiben zusehen, bei dem Interessierte auch zum Mitmachen animiert werden, sondern auch Bereiche Egers kennenlernen, die an den anderen Tagen des Jahres für die Öffentlichkeit für gewöhnlich nicht zugänglich sind – so den türkischen Garten und das Grab von König Imre in St. Emmerich. Wer den jährlichen Burgtag im Oktober verpasst, hat auch in der letzten Juliwoche die Gelegenheit, auf seine Kosten zu kommen. An vier Tagen wird die Grenzburg Eger gefeiert – und niemand darf sich wundern, wenn er von Festivalteilnehmern geweckt wird, die singend durch die Straßen der Stadt ziehen.

Die erste Festung Ungarns entstand in Esztergom – eine gute Wahl, schließlich wurde die Festung auf dem malerischen Burghügel über der Donau später Sitz des Staatsgründers König Stephan. Auch an diese Zeit erinnert eine Ausstellung im Burgmuseum zu „Esztergoms Jahrhunderten“. Unter dem Motto „Eisen und Gold“ erwartet den Besucher eine Schau über his­torische Schmuckwaffen. Außerdem wird in den weitläufigen Räu­men der Burg die facettenreiche Geschichte der Münzprägung aufgearbeitet.

Ein Theater der besonderen Art erwartet die Besucher des Barockschlosses Gödöllö. Denn zwar empfängt das im Auftrag eines mächtigen ungarischen Magnaten nach 1735 als riesige Barockins­zenierung konzipierte dreiflügelige Schloss seine – natürlich auch auf den Spuren von Sisi wandelnden – Besucher mit Prunk und Pracht und wird dabei selbst zur riesigen Bühne. Doch dem nicht genug: Im Südflügel des Schlosses wartet das Kleinod ungarischer ­Barockkunst mit einer eigenen Bühne auf – das 2003 rekonstruierte Barocktheater. Dieses Kuriosum der Theatergeschichte kann entweder auf Führungen besichtigt werden – oder es steht für anspruchsvolle Aufführungen von Theaterstücken für bis zu 95 Personen zur Verfügung. Dabei wird dem Zauber des Barocks ebenso gehuldigt, wie während einer Reihe von Veranstaltungen, die im Zeichen des Barockjahres auf Schloss Gödöllö anstehen. So ist seit neuestem die Ausstellung „Schatzkirchen – Antal Grassalkovich I. der herrschaftliche Mäzen“ über den Erbauer des Schlosses zu sehen, am 24. September findet der Jägerfesttag statt, während von 6. bis ­
9. Oktober zum Harfenfestival ­geladen wird. Im Winterhalbjahr steht eine Reihe von Konzerten unter anderem mit Werken des­ ­Barocks auf dem Programm.



 

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