King Long – Der 1. Test!

Nun ist es also soweit: Die Chinesen sind da. Endgültig und ziemlich unwiderruflich. Der erste Reisebus rollt auf deutschen Straßen und die OMNIBUSREVUE sah als erste Zeitschrift genauer hin.
Noch hat er nicht seine endgültige Zulassung, noch muss die Homologierung absolviert werden, doch an eine Verweigerung glaubt ernsthaft niemand mehr, selbst wenn sich die zuständigen Behörden teilweise etwas sperrig anstellen. Es wirkt wie das letzte, verzweifelte Aufbäumen eines alten, schwerfälligen Löwen, der sich um seine Jagdgründe sorgt. Egal. King Long ist es, gewaltiger Bushersteller aus Xiamen, einer aufstrebenden Industriestadt auf halben Weg zwischen Shanghai und Hongkong, der nach Malta und Italien nun auch den deutschsprachigen Raum in Angriff nehmen will. Wobei, Angriff klingt so sehr nach Kampf, nach unschönen Dingen und das kann man vom XMQ6127EU4 nun wirklich nicht behaupten. Auch wenn der Name in der Tat Aufhübschungspotenzial besitzt. Der King Long Reisebus präsentiert sich äußerlich gefällig, mit einem metallischen Hüftschwung, der keck an der Front beginnt, um aufstrebend dem Bus Form zu geben – typisch asiatisch, sozusagen. Das Heck wirkt bullig, stimmig und irgendwie auch ein wenig bekannt. Vielleicht ließen sich die Designer aus dem Land des Lächelns vom Irizar PB inspirieren, wie auch beim kleinen Fahrerfenster, das eigentlich mehr eine Luke ist. Aber wer weiß das schon genau.
Genau weiß man nur, dass die äußerliche Verarbeitung sehr ordentlich ausgeführt ist. Die Spaltmaße sind korrekt und die langen Seitenlinien verlaufen gerade und nicht etwa wellig. Und hier wird’s spannend: Denn die Außenhaut des XMQ6127EU4 besteht, abgesehen von den Kofferraumklappen – die sind aus Aluminium – aus Kunststoff. Dach, Front, Heck und die gesamte restliche Verkleidung also. Das ist bemerkenswert, zeugt diese Herangehensweise doch von einem hohen Niveau in der Kunststoffverarbeitung. Leider bringt bekanntermaßen Kunststoff nur wenig in Sachen Gewichtsreduzierung, auch der King Long kommt leer auf etwa 13,7 Tonnen. Das ist eigentlich die Schmerzgrenze und das sieht auch der Generalimporteur für Deutschland, Österreich und die Schweiz, Georg Eitenmüller aus dem hessischen Michelstadt, so. Der äußerst erfahrene Mann, im übrigen Berufsleben Chef eines mittelständischen Busunternehmens mit einer Flotte von 55 Fahrzeugen, kann sich einen Reisebus mit einer etwas geringeren Höhe und damit verbundenem Abspeckpotenzial, etwa in Anlehnung an einen Bova Futura, vorstellen. Und genau in dieser „Futura-Klasse“ sieht Eitenmüller auch den XMQ6… angesiedelt, nur halt preiswerter. Doch dazu später mehr.(tt)
Bilder
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(Foto: OMNIBUSREVUE)
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