Nachgehakt – Was macht eigentlich ...

23.01.2013 09:04 Uhr
Tiefensee
© Foto: Achim Melde/Lichtblick

... Wolfgang Tiefensee, von 2005 bis 2009 Bundesminister Verkehr, Bau und Stadtentwicklung?

OMNIBUSREVUE: Was machen Sie heute?
Wolfgang Tiefensee: Seit Herbst 2009 bin ich Bundestagsabgeordneter für Leipzig und seit ein paar Monaten wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.

OR: Haben Sie noch Verbindungen in die Branche?
WT: Viele Akteure, die ich als Bundesverkehrsminister kennen gelernt habe, schätze ich auch heute als wertvolle Gesprächspartner. Denn für mich als Wirtschaftspolitiker und ehemaligem Bundesverkehrsminister ist klar, dass Mobilität eines der Schlüsselthemen für unsere Wirtschaft ist.

OR: Was war für Sie die größte Errungenschaft im Busbereich?
WT: In meiner Zeit als Verkehrsminister gab es seitens der EU-Kommission in Brüssel Bestrebungen, das Vergaberecht für gemeinwirtschaftliche Leistungen neu zu gestalten und die PSO, die sogenannte Public Serivce Obligation, neu zu fassen. Die Kommission wollte dabei die Struktur der Busbranche in Deutschland mit mehr als 5.000 Unternehmen zentralisieren und das bewährte Vergabesystem Deutschlands zerschlagen. Ich bin stolz, mit meinem Haus in Brüssel erreicht zu haben, dass unser Nahverkehr als Leistung der staatlichen Daseinsvorsorge mit hoher Angebotsqualität erhalten bleibt. Einer erzwungenen Umstrukturierung wären auch viele Arbeitsplätze der 170.000 Beschäftigten der Branche zum Opfer gefallen.

OR: Was sehen Sie als größte Herausforderungen der nächsten Jahren an?
WT: Wie die SPD-Bundestagsfraktion in ihrem Zukunftsprogramm Deutschland 2020 festhält, ist es wichtig, eine gut ausgebaute Infrastruktur zu sichern. Bürgerinnen und Bürger profitieren von einem funktionierenden und verlässlichen Netz an öffentlichem Nah- und Fernverkehr. Allerdings wächst die Kluft zwischen Boom- und Randregionen, nicht zuletzt auch durch den demografischen Wandel. Das stellt uns vor regional sehr unterschiedliche Herausforderungen. Auf der einen Seite müssen wir Infrastruktur an eine verringerte Nachfrage anpassen. Dabei sollen natürlich grundlegende Angebote der öffentlichen Daseinsvorsorge gewährleistet bleiben. Andererseits müssen wir in Boomregionen die öffentliche Infrastruktur für eine wachsende Bevölkerung ausbauen.

OR: Wo sehen Sie die Branche in zehn Jahren?
WT: Auch in zehn Jahren soll die Busbranche eine bezahlbare und sichere Mobilität bieten. Doch es muss noch viel mehr bekannt werden, wie umweltfreundlich Busverkehr heute schon ist. Ein Beispiel: Dank technischer Innovationen sehen wir in einigen Städten Nahverkehr, der auf Hybridtechnologie beruht. Da besteht noch viel Potenzial, um auch in Zukunft mit gutem Gewissen Bus fahren zu können. Zusätzlich wird auch die Liberalisierung des Busverkehrs ab 2013 Impulse bringen. Das eröffnet der Branche ganz neue Möglichkeiten.

OR: Was ist heute Ihre Lieblingsbeschäftigung?
WT: Ganz in der Tradition meiner Heimatstadt Leipzig bin ich ein Anhänger klassischer Musik. In freien Stunden bemühe ich gern mein Cello oder die Gitarre. Auch Besuche im Gewandhaus oder in der Oper Leipzig bieten Kultur und Genuss auf höchstem Niveau.

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