Promi-Dinner in sechs Gängen

Alle zwei Jahre trifft sich die Crème de la Crème der Reisebusbranche. Denn dann lädt die international besetzte Jury zum Coach Euro Test, dem Test, der die wichtigsten Neuheiten europäischen Busbaus unter einem gemeinsamen Vorzeichen vereint: zu zeigen, wer es würdig ist, die Trophäe der Profis zu erhalten.
s ist frisch an diesem Morgen auf dem kleinen Flugplatz im schweizerischen Birrfeld. Nur langsam verzieht sich der Nebel, doch die Stars des Tages wärmen sich bereits auf. Denn es steht ein Bremstest auf dem Programm. In Zeiten, in denen die Hersteller ihre Busse voll mit Sicherheitstechnik packen, ist eine solche Disziplin ein Muss. Die Spannung ist greifbar, denn eine Blöße will sich keiner der anwesenden sechs Herstellervertreter mit seinem Fahrzeug geben. Sogar das Fernsehen ist gekommen. Reisebusse beim Bremstest aus Tempo 80 sieht man schließlich nicht alle Tage. Genauso wenig wie die versammelte Neuheiten-Spitze der Branche. Automobil Revue TV moderierte vor der Coach Euro Test-Kulisse einige Beiträge der aktuellen Sendung, der Testchef der Sendung, sonst mit Maserati, Porsche und Golf unterwegs, führte mit modernster GPS-Technik die Messungen durch. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Die Anhaltewege betrugen zwischen 32 und 37 Metern, was laut seinem erstaunten Kommentar nur unwesentlich über dem moderner Mittelklasse-Pkw lag. Dabei spielte es keine so große Rolle, ob es sich um einen Zwei- oder einen Dreiachser handelte. Aufatmen auch bei der internationalen Jury aus 15 Ländern. Denn die Grundlage für den nun folgenden harten Testtag war gelegt. Es ging rund um das schweizerische Baden, über den Bözberg und typische Autobahnen.
Auf rund 2.500 Kilometern hatte die Jury ausreichend Gelegenheit, die unterschiedlichen Charaktere der Fahrzeuge kennenzulernen.
Der Noge Titanium gefiel durch seinen außergewöhnlichen optischen Auftritt, allerdings ließ das Finish etwas zu wünschen übrig. Der Volvo 9700, in Polen gefertigt, überzeugte durch seinen neuartigen Front-Unterfahrschutz, der verhindern soll, dass sich ein Pkw unter den Bus schieben kann. Toll auch die Abstimmung von Motor und I-Shift-Zwölfgang-Getriebe. Der Irisbus Magelys wiederum, der Überraschungskandidat schlechthin, beeindruckte die Jury durch sein neuartiges Reisekonzept, bei dem die Sicht nach außen oberste Priorität besitzt. Der VDL Jonckheere strahlte nicht nur äußerlich technische Eleganz aus, er bewies auch unter dem Blech, dass seine Entwickler ihr Handwerk verstehen. Interessant ist, dass er zahlreiche Baugruppen mit Bova teilt, was sowohl aus technologischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht etliche Vorteile ergibt. Die Ruhe und die Kraft eines Alt-Stars strahlte der Tourismo aus. Nur nicht so viele Experimente, mögen sich die Entwickler des sehr solide wirkenden Busses gesagt haben. Entsprechend vorsichtig fiel der Relaunch der Optik aus. Dennoch wirkt der neue Tourismo filigran und zeigt eindeutig, dass er ein vollwertiges Familienmitglied ist. Sehr sicher und entspannt wirkte das Fahren. Obwohl er der einzige Bus im Feld mit manueller Schaltung war, konnte der Tourismo intuitiv bedient werden, was für das herausragende Zusammenspiel aller Komponenten spricht. Ganz anders im Gesamtpaket wirkte der Cityliner. Typisch Neoplan, stellte die Jury fest, immer Mut zur Innovation und keine Angst vor neuer Technik. Den anspruchsvollen Testkurs meisterte der Cityliner mit Abstand am elegantesten, eine exzellente Fahrwerksabstimmung in Verbindung mit dem neuen Stoßdämpfersystem CDS hielten ihr Versprechen.
Lesen Sie heute die Kurzeindrücke über die ersten drei Kandidaten, im nächsten Heft folgt die zweite Runde. Der Sieger steht bereits fest, doch er wird erst auf der Busworld 2007 in Kortrijk bekannt gegeben – bleiben Sie also schön neugierig. (tt)
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