05.10.2015Was für Möglichkeiten

Setra hat die ComfortClass gestaucht: 20 Zentimeter niedriger ist der S 515 MD. Das bringt Vorteile beim Verbrauch und Nachteile beim Kofferraumvolumen. Taugt der Bus dennoch für Fahrten in die Ferne? OMNIBUSREVUE hat den Test gemacht.

"Liebling, ich habe den Bus geschrumpft". Was im Original aus der Feder eines Hollywood-Drehbuchautors stammt, ist im vorliegenden Fall eher die schlaue Idee findiger Busentwickler. Denn der Setra MD ist im Grunde eine vollwertige ComfortClass, wenn da nicht …

Was für ein Verbrauch! 23,61 Liter im Durchschnitt auf der 600 Kilometer langen Superteststrecke der OMNIBUSREVUE. Das ist für einen ausgeladenen 12-Meter Bus ein phänomenal geringer Wert. Sieht man sich dazu die einzelnen Etappen an, wird klar, der geringe Kraftstoffverbrauch wird unter sämtlichen Bedingungen erreicht. So ist der S 515 MD in der Stadt genauso ein Sparfuchs wie auf der schweren Landstraße und erst recht auf den Autobahnen, wo Durchschnittsverbräuche zwischen 17 und 19 Litern die Normalität sind. (Siehe Testtabelle auf Seite 25). Dabei war der Bus auf 17,6 Tonnen ausgeladen und wie sich anhand der Durchschnittsgeschwindigkeiten belegen lässt, auch im üblichen ­Geschwindigkeitsbereich unterwegs.

Zwei wesentliche Aspekte dürften für den niedrigen Durchschnittsverbrauch verantwortlich sein. Da wäre auf der einen Seite die gerin­gere Fahrzeughöhe. 20 Zentimeter niedriger ist der MD im Vergleich zum HD. Und die ComfortClass HD ist ja bekanntermaßen aerodynamisch fortschrittlich unterwegs: Es gibt eine strömungsoptimierte Abrisskante am Heck, die Seitenbereiche wurden windschlüpfriger konstruiert, das gilt ebenso für die Scheibenwischer und die Türverkleidungen. Außerdem senkt sich die ComfortClass ab Tempo 95 um einige Zentimeter ab. Nur noch mal zur Klarstellung: All das hat auch die MD-Baureihe. Somit handelt es sich im übertragenen Sinne nicht mehr um eine rollende Schrankwand, sondern eher um eine Kommode. Wer also viel auf langen, schnell zu fahrenden Strecken unterwegs ist, für den könnte sich das sogenannte Mitteldeckerkonzept rechnen. Zumindest, wenn man mit einem Kofferraumvolumen von 7,3 Kubikmetern auskommt (mit normalem WC müssen noch einmal 1,2 Kubikmeter abgezogen werden). Denn hier ist das Geheimnis, wo an der Höhe gespart wurde. Von außen gibt es übrigens zwei markante Merkmale, an denen man einen Mitteldecker erkennt. Nämlich die im Heck gerade verlaufende Seitenlinie und die fehlenden kleinen Staufächer über den ­Rädern. Die Fahrer wird das sicherlich ein ­wenig ärgern, denn nichts ist so wichtig wie jede Menge Stauraum – nicht nur für Koffer. Auf der anderen Seite ist klar, dass man nicht alles haben kann.

Dafür aber bleibt der Fahrgastraum unangetastet. Die Stehhöhe im Mittelgang beträgt beachtliche 2.100 Millimeter. Da muss man sich bei Mitteldeckern des Wettbewerbs schon eher bücken. In der Basisausführung sind die Servicesets eher einfach gehalten, gegen Aufpreis gibt es dann auch die aus der HD-Reihe bekannten Bauteile. Dennoch bietet auch die Grundversion bereits die bekannten Gepäckablagen mit den seitlich nach oben gezogenen Luftkanälen.

Gesessen wird im Testbus auf 48 Setra-Route-Sitzen, bei diesen sind die Kopfteile in Leder gehalten, die gangseitigen Armlehnen sind schwenkbar ausgeführt, das gilt auch für die Verstellung der Rückenlehne. Im Heck befindet sich das Bord-WC. Der Grund dafür ist die optional erhältliche Heck- statt Mitteltür. Das WC ist typisch für eine ebenerdige Toilette groß geschnitten. Direkt daran seitlich ­anschließend befindet sich eine kleine Steh­küche. Die Idee dahinter ist grundsätzlich gut, denn dadurch lassen sich im 515 MD mit seinen knapp über zwölf Metern Länge immer noch 48 Fahrgastsitze in Drei-Sterne-Klassi­fizierung unterbringen. Ob allerdings die ­Fahrgäste, die tatsächlich unmittelbar neben Boiler, Würstchenkocher und Kaffeemaschine sitzen, davon auch so begeistert sind, darf bezweifelt werden. Es sei denn, der Fahrer spendiert Freimahlzeiten. Aber – und das ist auch kein Geheimnis: Wie war das doch gleich mit der eierlegenden Wollmilchsau? Genau, die gibt es nicht. Was es jedoch bei der MD-Reihe gibt, ist eine stattliche Zahl von Bestuhlungsvarianten. So gibt es den 515 MD in Fünf-­Sterne-Ausführung immer noch mit 40 Sitzen, beim S 516 MD erhöht sich diese Zahl auf 44. Auch kann der Mitteldecker mit einem ebenen Boden ausgestattet werden! Dann wäre Raum für eine 2+1-Bestuhlung. Wie wär’s mal mit einer Businessclass auf MD-Basis?

Spannend ist übrigens das Thema Kofferraumvolumen in Verbindung mit den unterschiedlichen Türkonzepten. So kommt der S 515 MD mit ­Mitteltür und WC auf ein Volumen von 6,1 Kubikmetern, wird eine Hecktür verbaut, ­beträgt das Kofferraumvolumen inklusive Heck-WC beachtliche acht Kubikmeter (beim S 516 MD sind es 9,7).


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