10.11.2016Kommentar der Woche

Ich würde meinen Töchtern aktuell nicht vorschlagen, später einmal Verkehrsplaner zu werden", sagte Christiane Leonard, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer, am Montag in Berlin.

Warum? Nicht weil Leonard den ÖPNV am Ende sieht. Sondern weil sich der Verkehrsmarkt im Aufbruch befindet. Die Digitalisierung treibt neue Mobilitätskonzepte voran, und vielleicht steuern bald keine Menschen mehr den Verkehr, sondern clevere Algorithmen. Genau diesen Herausforderungen will sich die neue Messe BUS2BUS stellen, die am vergangenen Montag in Berlin im Mittelpunkt stand. Busunternehmer sollen hier am 25. und 26. April 2017 zusammen mit Herstellern, Zulieferern, Serviceanbietern und Visionären neue Ideen entwickeln und Lösungsansätze für den Busverkehr von morgen finden. Ob dies gelingt, wird die Messe erst beweisen müssen. Aber es ist der richtige Ansatz in einer sich schnell verändernden Welt. "Es geht darum, die Digitalisierung nicht zu verpassen", machte Mark Hoffmann von Vertical Media deutlich. Hoffmann wird die Umsetzung des Future Forum betreuen, das neben dem bdo-Kongress und dem Marktplatz einen der drei Pfeiler der BUS2BUS darstellt.

"Digitalisierung? Ich habe ganz andere Probleme", könnte jetzt manch ein Busunternehmer sagen. Das wurde am Dienstag deutlich, als ebenfalls in Berlin das bdo-Experten-Forum ÖPNV stattfand. VO 1370 und PBefG lauteten die zentralen Themen. Der Mittelstand beklagt die hohe Zahl an kommunalen Direktvergaben und wehrt sich mit eigenwirtschaftlichen Anträgen. Am Ende bleibt der Evaluierungsbericht der Bundesregierung zum PBefG abzuwarten, der Anfang 2017 vorgelegt werden soll. Eine Änderung des PBefG ist derzeit nicht ausgeschlossen - erste Vorschläge von verschiedenen Vertretern gibt es bereits. Doch auch während des bdo-Experten-Forum kam keiner um das Thema Digitalisierung herum. Das zeigte schon die Keynote von Tom Kirschbaum, der mit der App Ally und Shuttlebussen den Stadtverkehr revolutionieren will. Auch mussten sich die Beteiligten die Frage stellen, wie sich bei Vergaben der Wandel in den Mobilitätsformen berücksichtigen lässt. Wer weiß schon, ob der Nahverkehr, wie er heute funktioniert, in zehn Jahren noch zeitgemäß ist. Ob die bisherigen Geschäftsmodelle dann überhaupt noch funktionieren. Wo wir wieder bei der BUS2BUS wären. "Nächster Stop Zukunft" lautet das Motto der Messe. Man sollte es sich zu Herzen nehmen - damit das eigene Geschäft nicht zur Endhaltestelle wird.

Andreas Heise


 

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