14.03.2016Ein Bus fürs Geschäft

Der Setra S 415 LE business ist stark auf das Thema Wirtschaftlichkeit getrimmt. Der Hersteller setzt bei diesem Fahrzeug weniger auf Emotionen als auf den angedachten Einsatzzweck: die Überland-Linie. Dabei basiert der Bus zwar noch auf der Baureihe 400, einem grundsätzlichen, guten Funktionieren steht das aber nicht entgegen.

Testfahrt mit dem Setra S 415 LE business. Auf den ersten Blick ist es ein unscheinbares Fahrzeug, je genauer man sich ­jedoch damit beschäftigt, desto spannender wird dieser Bus. Bei ihm handelt es sich ja um den Nachfolger des Niederflurbusses NF, den es aber im Zuge der Konzernausrichtung nicht mehr gibt. Die reinen Niederflurfahrzeuge bleiben der Konzerntochter Mercedes-Benz mit dem Citaro beziehungsweise in anderen Märkten mit dem Conecto vorbehalten. Ja, auch Mercedes-Benz hat einen Low Entry im Programm und doch unterscheiden sich die beiden Fahrzeuge gründlich, zum Teil auch in ihrer Philosophie.

Dazu zählt bei Setra die Fokussierung auf den Überlandbereich. Auffälligstes Merkmal hierbei ist die 100-Prozent-Bereifung. Die 195er Räder erhöhen ohne Frage gerade auf den häufig nicht so guten Landstraßen deutlich den Fahrkomfort für die Fahrgäste. Interessant an dieser Stelle ist die Tatsache, dass sowohl Vorder- als auch Antriebsachse mit dem Citaro LE identisch sind. Die Mercedes-Benz-Antriebsachse findet ­übrigens 1:1 auch im Setra UL Verwendung. Im Unterschied zum Citaro handelt es sich jedoch beim LE ­business nur um eine teilweise Neu­entwicklung. Während Mercedes-Benz mit dem Citaro eine neue Generation eingeläutet hat, basiert der Setra auf der Baureihe 400. Deshalb wird der Bus zwar bisher in Deutschland gefertigt, doch es dürfte nicht mehr lange dauern, bis nennenswerte Stückzahlen dieses Busses aus dem Werk im türkischen Hosdere kommen. Von dort stammen auch der Intouro, der UL ­business, die meisten Travego sowie der Tourismo.

Als Setra seine Baureihe 500 vorstellte, war das Erstaunen der Fachwelt groß, denn was in technologischer Hinsicht auf die Räder gestellt wurde, war beeindruckend. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an die Überlandfahrzeuge der MultiClass. Mittlerweile ist klar, vorerst bleibt – zumindest strukturtechnisch – alles auf der alten Plattform 400. Natürlich wurden die Fahrzeuge mit den Euro 6-Motoren und der dazugehörigen Peripherie ausgestattet. Was aber fehlt, sind die weitergehenden Optimierungen und Feinheiten an der technischen Basis. Sicherlich hat das auch mit konzernstrategischen Überlegungen zu tun. Aktuell erfüllt dieser Bus sämtliche gesetz­lichen Anforderungen und gut arbeiten lässt es sich auch mit ihm. Dass die Optik nicht der der Baureihe 500 entspricht, dürfte in diesem Segment absolut verschmerzbar sein. Doch der Tag wird kommen, an dem sowohl ein ­Setra UL/LE oder ein Mercedes-Benz Intouro frische Gene benötigen. Doch bis das so weit ist, zählt dieses Fahrzeug nach wie vor zu den Bussen, die gesamtwirtschaftlich betrachtet eine ernst zu nehmende Größe darstellen.

Äußerlich hat sich beim LE business nicht viel getan, das ist aber nicht weiter tragisch, denn in dem Segment, in dem sich der Bus bewegt, zählt er immer noch zu den optisch attrak­tiven Fahrzeugen. Betritt man den Bus, kommt man leicht ins Staunen, denn die Innenstehhöhe im Mittelgang vor dem Hochbereich im Heck beträgt stolze 2,62 Meter. Das ist ordentlich, zum Glück aber wirkt der Bus deswegen nicht hallenartig. Möglicherweise liegt das auch an den optionalen Gepäckablagen, die den weiten Raum durchbrechen. Eingestiegen wird vorn durch eine einfach breite Tür. Die ist allerdings nicht nur einfach breit sondern besonders breit. Stolze 1.150 Millimeter misst die Durchgangsöffnung. Eine ein­flügelige Tür 1 ist beim Überlandbus ­sicherlich Standard, dennoch muss man sich ­daran erst einmal gewöhnen. Auch Einstieg 2 war mit dieser Türvariante ausgerüstet, optional ist hier aber eine zweiflügelige und 1.380 Millimeter ­breite Tür zu bekommen. Während der Testfahrt fielen die relativ langen Öffnungs- und Schließzeiten auf, die ein wenig an einen Reisebus erinnern, Welten von einer elektrischen Außen-Schwenk- Schiebetür entfernt. Aber fairerweise muss gesagt werden, auf der Überlandlinie mit ihren meist weit auseinanderliegenden Haltestellen ist dieser Punkt eher ­vernachlässigbar.


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