The american way of ÖPNV

Auf zwei Informationsreisen durch die USA hatte OR mit Auwärter-Neoplan und mit MAN Gelegenheit, einige wichtige öffentliche Verkehrsbetriebe in den Vereinigten Staaten kennenzulernen: in Denver, Los Angeles und Chicago.

Neben ungemein eindrucksvollen Fuhrparks, was die Zahlen der Busse angeht, und entsprechend voluminösen Betriebshöfen erweckte etwas, was man „Unternehmensphilosophie" nennen möchte, das meiste Erstaunen. Kurz zusammengefaßt arbeiten die Unternehmen in den USA so, daß sie mit dem geringstmöglichen Aufwand für die meist nicht sehr verwöhnte Gesellschaftsschicht, die in Amerika den Linienbus frequentiert, doch ein Optimum an Verkehrsdichte, Schnelligkeit und Haltestellenabstand anzubieten vermögen. Der eigentliche Buskomfort zählt in dieser Rechnung wenig, denn auch die übrigen öffentlichen Verkehrsmittel bieten praktisch keinen. Dennoch bricht auch in den USA für den ÖPNV eine neue Ära an.

Ein MAN-Gelenkbus rollt durch Chicago. Zwei Jahre ist er alt. Er hat rund 80 000 Meilen (ca. 128 000 km) auf dem Buckel. Er ist sauber, offensichtlich gut gewartet, und der dunkelhäutige Mann am Steuer handhabt das 18-Meter-Fahrzeug wie Amerikaner einen Pkw zu bewegen pflegen: Er fährt, bremst, beschleunigt sehr angepaßt - trotzdem ist der Bus außerordentlichen Strapazen ausgesetzt. Haltestellenabstände von 200 bis 300 m sind die Regel - manchmal geht's an einer Kreuzung nur um die Ecke, und schon wird wieder angehalten. Fahrgäste benützen den Bus meist nur drei, vier Haltestellen weit. Die Hochbahn fährt 200 m parallel. Alles scheint darauf ausgerichtet, nur nicht zu Fuß gehen zu müssen. Die Vorortstraßen, aber auch die Hauptstraßen Chicagos, wie die anderer amerikanischer Großstädte, New York an der Spitze, sind schlecht. Man hat manchmal das Gefühl, auf einer Teststrecke für Nutzfahrzeuge unterwegs zu sein. Von Grüner Welle ist schon überhaupt keine Rede. So kommt es zum Ruck-Zuck-Verkehr - „stop an go" genannt -, denn Haltestellen liegen sehr häufig unmittelbar hinter Kreuzungen. Die Erkenntnisse, die Bushersteller aus den Rückmeldungen der Kundendienst-Leute in den USA ziehen können, dürften ungemein wertvoll sein.(tt)

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