JAHRE OMNIBUSREVUE Zinssenkung macht Hoffnung

Dazu trägt die Investitionszulage, auch wenn sie im Prinzip nicht mehr als einen Ausgleich der Hochzinsen darstellt, und eine doch merkliche Zinssenkung ebenso bei, wie eine im großen und ganzen verhältnismäßig zufriedenstellende Reisesaison 1982. Von einer Belegung zu sprechen, ist sicherlich verfrüht, aber, wenn auch eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, die Schwalbe scheint ihr Flattern begonnen zu haben. Wie der Omnibusindustrie im Inland Aufträge aus dem VÖV-Bereich fehlen, so fehlen auf der anderen Seite die großen Impulse aus dem Export. An dieser grundsätzlichen Feststellung ändern so sensationelle Erfolge im Ausland wie der 1000-Busse-Auftrag für Neoplan in USA nichts. Wie eingangs erwähnt, bringen die Rabatt-Feilscherei und das „großzügige" Konditionen-gewahren der Industrie langfristig weder den Herstellern noch dem Gewerbe insgesamt Erfolg. Es ist zwar schwerer, aber langfristig erfolgversprechender, man wohl, wenn man die politische Feilscherei in Bonn und die Länderhaushalte betrachtet, nicht glauben. Was bleibt, ist der Bereich des privaten Omnibusgewerbes. Folgerichtig hofft die Omnibusindustrie auch darauf, „daß sich der private Omnibusbereich zuerst wieder normalisieren wird, denn der Wunsch nach einem modernen Beförderungsmittel, gerade für die Touristik, wird nicht zurückgehen, sondern zunehmen", wie Wilfried Lochte es ausdrückte.

In der Tat scheinen die Zulassungszahlen für das erste Halbjahr 1982 zu beweisen, daß die Talsohle 1981 erreicht wurde und 1982 keine weitere Verschlechterung eingetreten ist. Nach den Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes wurden im ersten Halbjahr 1981 mit 2568 Omnibussen über neun Tonnen Gesamtgewicht zwar 3,86% mehr zugelassen als in der ersten Hälfte dieses Jahres (2470). Doch muß man dabei berücksichtigen, daß Magirus in diesem Jahr die Busproduktion in Mainz eingestellt hat. So nimmt ein Zulassungsrückgang der Mainzer Busse um fast 58% nicht Wunder, schlägt aber in der Statistik natürlich zu Buche. Nimmt man die Magirus-Zahlen für das erste Halbjahr 1981 wie 1982 aus der Statistik heraus, dann ergibt sich zwar noch keine Steigerung, aber das Ergebnis geht Plus-Minus-Null auf. Die Talsohle scheint also wirklich erreicht wenn sich beide Seiten der zugegeben sehr schwierigen Aufgabe unterziehen, nach Konzepten zu suchen, wie Busse billiger produziert werden können und dennoch nichts an Sicherheit und Komfort einzubüßen haben. Beispiele dafür gibt es. Um nur zwei zu nennen: Der Setra 215 HDMU und der neue Neoplan 117/11 weisen gegenüber ihren Vergleichstypen im jeweiligen Programm doch erhebliche Preisvorteile auf, und brauchen sich Abstriche an Technik, Sicherheit und Komfort nicht nachsagen zu lassen.

Wenn gegenwärtig von Industrieseite geklagt wird, daß noch nie so viele Wechsel zu Protest gegangen sind, wenn viele Busbetriebe in den letzten zwölf Monaten den Weg zum Konkursrichter antreten mußten, dann sind dies zweifellos die Folgen der unvernünftigen Politik fast aller Hersteller, die Busse in den Markt gepumpt haben auf Teufel komm raus. Grundsätzlich kann also eine Normalisierung nur begrüßt werden. Daß sie auf einem etwas höheren Niveau stattfinden könnte, ist sicherlich wünschenswert, aber es gibt eine Reihe von Anzeichen dafür, daß sich der Inlandsmarkt geringfügig belebt. Bereits jetzt zu investieren, kann für den Omnibusunternehmer unter verschiedensten Aspekten durchaus sinnvoller sein, als auf den nächsten Boom zu warten. Denn dann sind die Busse mit Sicherheit wesentlich teurer.(tt)

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