04.11.2016Die Diesel-Alternative

Wie modern beziehungsweise zeitgemäß sind heutzutage eigentlich Omnibusse, die mit Erdgas oder Biogas betrieben werden? Mercedes-Benz ist der Meinung, dass dieser Antrieb noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Die OMNIBUS­REVUE konnte jetzt den Test machen. Herausgekommen ist eine durchaus spannende Geschichte.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Supertests der OMNIBUSREVUE kam ein mit einem Gasmotor angetriebener Bus nach Berlin. Natürlich ausgestattet mit modernster Verbrauchsmesstechnik und ausgeladen auf etwa 70 Prozent des maximal zulässigen Gesamtgewichtes. Warum ausgerechnet ein Gasbus in Zeiten, in denen es zumindest gefühlt nur noch um das Thema Elektrobusse geht? Nun genau darum! Denn bis es tatsächlich so weit ist, bis in den Städten nur noch Elektrobusse verkehren, dürfte es allen Beschwörungen zum Trotz noch ein ganzes Weilchen dauern. Und da ist das Thema „Wer soll das bezahlen?" nur eines von vielen. Ladeinfrastruktur, Um- und Aufrüstung in den Verkehrsbetrieben, Versorgung mit Energie, Gewährleistung einer hohen Fahrzeugverfügbarkeit – all das gehört dazu und eben nicht nur der so wunderbar leise und vordergründig saubere Bus selbst.

Denn auch das ist nach wie vor ein Thema, mit dem die Gesellschaft ehrlich umgehen muss: Wo kommt denn der Strom eigentlich her? Ja, mittlerweile gibt es sie auch, die gut funktionierenden Elektrobusse großer Hersteller – in wenigen Tagen wird beispielsweise Solaris den Preis „Bus of the Year 2017" für seinen Elektrobus erhalten, und zwar zu Recht. Doch bis solche Busse in nennenswerten Stückzahlen zu sehen sein werden, wird es noch dauern. Und solange sind Alternativen gefordert. Dabei geht es übrigens gar nicht so sehr um Hybrid-Busse. Zumindest dann nicht, wenn sie noch auf den Diesel als Zusatz-Antrieb setzen. Der Gasmotor ist längst eine mehr als vernünftige Antwort auf die Frage, wie wir die Metropolen sauberer bekommen.

Den Citaro NGT erkennt man äußerlich bereits auf den ersten Blick. Grund dafür ist die recht groß ausfallende Haube auf dem Dach. Darunter befindet sich die Gasversorgung in Form von sechs Flaschen. Das Fassungsvolumen von insgesamt rund 1.360 Litern soll für eine hohe Reichweite sorgen. In der Praxis soll der Citaro NGT die gleiche Reichweite wie ein Citaro mit Dieselmotor erreichen. Der Test in Berlin hat diese Aussage im Ansatz bestätigen können, wenngleich die Teststrecke natürlich zu kurz für eine genaue Aussage ist. Aus Gründen der Gewichtsverteilung sind die Gasflaschen beim Solobus über der Vorderachse und beim Gelenkbus über der mittleren Achse angeordnet. Die Abdeckung besteht aus dem Kunststoff Polyurethan mit einem innen montierten Aluminiumrahmen. Sie ist über ein Schienensystem auf dem Dach befestigt, verfügt über seitliche Serviceklappen und ist zusätzlich komplett aufschwenkbar. Unter der Abdeckung befinden sich neu entwickelte Gasflaschen. Sie bestehen aus einem Compositmaterial mit Kunststoffkern, einer Ummantelung aus Kohlefasern sowie zusätzlich aus Glasfasern. Diese Werkstoffkombination ist leicht und hoch­stabil. Gleichzeitig wurde das Tankvolumen der Gasflaschen in der neuen Generation von jeweils 190 auf 227 Liter erhöht. Vorteil: Bei gleichem Gesamtvolumen kann deshalb die Zahl der Behälter reduziert werden. Im Vergleich zum Vorgängermodell kommt der Citaro NGT bei unveränderter Reichweite daher jeweils mit einer Gasflasche weniger aus. Daraus resultiert ein Gewichtsvorteil von 15 bis 45 kg, abhängig von der Zahl der Gasflaschen. Das vor allem durch die Gasflaschen verursachte Mehrgewicht eines Gasbusses wird im Vergleich zum Vorgänger-Citaro reduziert. Es beläuft sich bei einem Solowagen auf nun rund 485 kg.

Neben der neuen Flaschen-Aufdachanlage ist dafür auch der kompaktere Motor verantwortlich. Aufgrund der Gewichtsersparnis steigt die Fahrgastkapazität des Citaro NGT im Vergleich zum Vorgängermodell ein wenig an. In Serienausstattung befördert der Solobus Citaro NGT nun bis zu 96 statt bisher 93 Passagiere. Der Gelenkbus Citaro G NGT nimmt maximal 153 statt bislang 149 Fahrgäste auf. Betankt wird der Bus über einen Anschluss im Motorraum, optional gibt es eine Tankklappe in der Motorraumklappe. Auf Wunsch wechselt der Einfüllstutzen über den Radlauf vorne rechts.




 

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