20.09.2017Gereifter Allrounder

Scania Touring HD

Seit gut sieben Jahren rollt der Scania Touring nun schon durch Europa. Die schwedisch-chinesische Kooperation sorgte bei ihrem Bekanntwerden für teils hektisches Aufhorchen beim Wettbewerb. Mittlerweile haben sich die Wellen beruhigt. Das Prinzip funktioniert, vieles wurde verbessert, die Verkaufszahlen haben aber noch Luft nach oben.

Scania im Fernbusmarkt
Als es den ADAC/Postbus noch gab, da erhoffte sich auch Scania den einen oder anderen Auftrag im Fernbus-Segment. Doch leider hat die Geschichte gezeigt, dass manche Idee von eher kurzlebiger Natur ist. Und dazu zählte eben auch das Fernlinien-Abenteuer der beiden gelben Riesen. Auch Scania war mit etlichen Bussen mit von der Partie, die stehen nun zum Verkauf. Dabei kann sich das Reisebus-Portfolio der Schweden durchaus sehen lassen, gerade erst hat Scania mit der Interlink-HD-Baureihe die Reihen sinnvoll geschlossen. Der Interlink HD (OMNIBUSREVUE ist ihn Anfang des Jahres gefahren und hat den Bus hier vorgestellt) ist ein Bus der gehobenen Wirtschafts-Klasse, er lässt sich reichlich üppig konfigurieren und nach eigenem Gusto ausstatten. Natürlich haben Extras und eine hohe Flexibilität bei der Fertigung ihren Preis. Knapp über 300.000 Euro musste beispielsweise für den dreiachsigen Interlink HD in Fernbus Ausstattung auf den Tisch gelegt werden. So viel Geld möchte nicht jeder Unternehmer ausgeben und genau für den hat Scania seit 2010 den Touring im Programm. Der hier vorgestellte Zweiachser schlägt mit gerade mal 230.000 Euro zu Buche. Ist das ein Schnäppchen oder eine Mogelpackung? Zu Beginn seiner Bus-Karriere wäre „Schnäppchen“ übertrieben gewesen, denn es gab noch zu viel, was für Ärger sorgte. Insbesondere das chinesische Selbstverständnis in Sachen Verarbeitungsqualität war für westeuropäische Geschmäcker deutlich zu lässig. Kein Wunder, dass sich die etablierten Hersteller hierzulande in Folge wenig Sorgen um die „Billig-Konkurrenz“ eines namhaften Nutzfahrzeugherstellers machten. Doch der Wind dreht sich langsam. Langsam auch aus dem Grund, da sich die Verkaufszahlen für 2016/2017 noch bescheiden lesen: Zehn Mal wurde ein Dreiachser verkauft und 15 Mal ein Zweiachser. Dennoch, was in Fernost funktioniert, kann hierzulande gründlich in die Hose gehen, zumal ein Ruf auf dem Spiel steht. Aber nicht bei Scania. Was im Jahr 2017 gezeigt wird, ist ein gereiftes Produkt, ein Bus, der bereits in der Serienausstattung üppig ausgerüstet ist, bei dem in Sachen Qualität mehr als nur eine Schippe draufgepackt wurde und der nach wie vor mit einem vorzüglichen Antriebsstrang vorfährt.

Langlebigkeit wird hier großgeschrieben
Der Touring soll ein langlebiges Produkt sein. Um das zu gewährleisten, besteht die Fahrzeugstruktur selbst aus galvanisiertem Stahl, versehen mit Rostschutz. Die Galvanisierung erfolgt erst nach dem Schweißen des Gerippes. Der vordere und hintere Bereich der Karosseriestruktur wird durch Eintauchen in ein elektrolytisches Bad (E-Coating) mit Epoxidharz behandelt. Die Hohlräume in der Struktur des Gepäckraumes sind mit Wachs gefüllt. Dies soll Kondensation und Rostbildung von innen vermeiden. Nach der Montage des Gerippes auf das Fahrgestell werden der ­vordere und der hintere Teil des Unterbodens mit rostschützender Gummifarbe versehen. Eine besondere Rostvorsorge erhält die ­Gepäckraumstruktur, zuerst besprüht mit ­antikorrosivem Wachs und anschließend mit antiseptischem Gel, welches ein besseres Haftvermögen auf Holz als auf rostschützender Gummifarbe besitzt. Die Übergänge ­zwischen Struktur und Boden sind mit ­Silikon abgedichtet. Die Seitenverkleidungen oberhalb der Gepäckraumklappen bestehen aus galvanisiertem Stahl. Der Stoßfänger ist mit Glasfaser verstärkt, der Mittelteil des Dachaußenblechs besteht aus Alumi­nium.

International wird Hand angelegt
Beim Scania Touring handelt es sich um einen Bus, bei dem an mehreren sehr unterschiedlichen Orten Hand angelegt wird. So erfolgt der Bau des Busses selbst mit Original-Scania-Bauteilen, wie Motor, Getriebe und Achsen, in China bei Higher. Anschließend wird er nach Belgien verschifft, wo die Sitze montiert werden. Im deutschen Willich, dem Buszentrum von Scania, werden dann letzte Arbeiten wie beispielsweise die Montage der Küche erledigt. Die Vorbereitungen für die Küche, also die Verlegung von Kabeln und Schläuchen, werden bereits in China, im neuen Buswerk in Suzhou, durchgeführt. Hier erfolgt auch  bereits die komplette Montage der WC-Kabine. Im Grunde geht es um die Reduzierung der Arbeitskosten, schließlich entsteht der Bus selbst bisher in absoluter Handarbeit – die kostet Zeit und in China eben nicht ganz so viel Lohn. Dass sich mit diesem Prinzip keine komplette Range für Westeuropa aufstellen lässt, weiß auch Scania. Deswegen handelt es sich beim Touring auch um eine Ausnahme. Und um den Kostenvorteil nicht gleich wieder zu verlieren, sind aufwendige Extras nicht vorgesehen. Im gewissen Rahmen natürlich lässt sich der Bus individualisieren. Dazu zählen wie erwähnt die Bordküche, USB-Anschlüsse oder 220-Volt Steckdosen.




 

« Zurück › An die Redaktion › Artikel empfehlen › Drucken
 



Kommentare verfassen

Regelmäßig werden online verfasste Kommentare in der OR veröffentlicht.
Um sich für eine Veröffentlichung zu qualifizieren, geben Sie bitte Ihren vollen Namen und unter den Kommentar Ihren Wohnort an. Herzlichen Dank!

* Pflichtfeld

› Aktuelles Heft

OMNIBUSREVUE 3/19


Mehr zu den Inhalten!

Aktuelles Heft

Frage des Monats

Bilder
MAN, Lion's City, Premiere 2018
Premiere MAN Lion's City
Mercedes-Benz Sprinter/Modell 2018
Mercedes-Benz Sprinter/Modell 2018


AKTUELLE VIDEOS

Neuer Mercedes-Benz Tourismo - Der Bus im Detail

Neuer Mercedes-Benz Tourismo - Der Bus im Detail

Mit dem Bus durch Patagonien

Kleiner Bus ganz groß: Temsa MD9

Der Mercedes-Benz eCitaro

Kamera läuft, Bus fährt: VDL Futura FHD mit neuem Kraftstrang

ADVERTORIALS

Innsbruck Tourismus

Innsbruck Tourismus

Neu: Weihrauchmuseum in Altötting

Swarovski Kristallwelten

Innsbruck Tourismus

Therme Erding: The Big Wave

› EU-BKrFQG

Aus- und Weiterbildung

Sie suchen eine Aus- und Weiterbildungsstätte zum EU-BKrFQG? Dann sind Sie hier richtig!

Weiterbildung nach EU-BKrFQG
Logo Omnibusrevue Test und Technik