01.06.2018„E“ wie erfinderisch

K-Bus, E-Solar City

Ein Elektro-Minibus auf Nissan-Basis. Genau das Richtige für den Nischenhersteller K-Bus, besser bekannt als Kutsenits.
Bei einem Besuch im slowenischen Murska Sobota , wo die Produktionsstätte liegt, schaute sich die OMNIBUSREVUE das Fahrzeug genauer an. Eine Testfahrt zeigte die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen des E-Busses auf.

Schon mal vom Nissan e-NV 200 gehört? Bei vielen wird das sprichwörtliche „Bild vor Augen“ wohl schwarz bleiben. Kein Problem, wir helfen gerne weiter. Der e-NV 200 ist wohl der meistverkaufte Elektro-Transporter Europas. In der Evalia-Ausführung gibt es ihn auch als Siebensitzer. Dass man ihn trotzdem kaum kennt, liegt an den vergleichsweise bescheidenen Stückzahlen. Und mit seinen knapp 4,6 Metern Länge ist er auch nicht gerade auffällig. Doch darum geht es dem österreichischen Busbauer K-Bus auch gar nicht. Was zählt, ist der E-Antrieb in Großserientechnik. Denn wer einen elektrisch angetriebenen Bürgerbus auf die Straße bringen will, der muss erst einmal nach einem geeigneten Basisfahrzeug suchen. Nissan hatte die passende Antwort – zumindest bis knapp zur A-Säule. Der Rest ist ein Eigenbau von K-Bus. Und da die 3,5-Tonnen-Variante bei der TÜV-Abnahme noch Luft nach oben bot, ist im slowenischen Werk jetzt der große Bruder mit 4,45 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht fertiggestellt worden. Die OMNIBUSREVUE war exklusiv vor Ort.

Ein ganzer Roman ließe sich über den E-Solar City schreiben, verlangt doch die Idee eines E-Minibusses nach technischen Sonderlösungen. Doch zunächst zum Grundgerüst: Front, Antriebseinheit samt Batterie sowie der Fahrerarbeitsplatz stammen von Nissan. Das Fahrzeuggerippe aus Vierkantrohren besteht ebenso wie die Beplankung aus korrosionsfestem Edelstahl. Beim Heck und bei Anbau-teilen kommt GFK zum Einsatz. Die Rückleuchten und Seitenspiegel sind aus dem VW Regal. So weit, so gewöhnlich bei K-Bus. Auch eher Tagesgeschäft als Ausnahme bei den Österreichern: die Verpflanzung von Fahrwerksteilen. So kommt die Hinterachse des Nissan NV 400, ein Transporter der Sprinter-Klasse, beim E-Minibus zum Einsatz. Generell haben die Entwickler die Vor- und Hinterachse den Achslasten entsprechend angepasst. Auch bei ABS und ESP waren Eingriffe nötig – kein geringer Aufwand angesichts der neuen Radgröße hinten.Um das Leergewicht möglichst niedrig zu halten, verwenden die Österreicher ein Dach in Sandwichbauweise. Das spart vor allem Gewicht. Kleiner Nachteil: Im Innenraum ist die weiße Decke damit vorgegeben. Zur optischen Aufwertung durchzieht aber eine Bahn aus dem verwendeten Sitzstoffbezug das Deckenteil. Als gewichtsparend wirkt sich auch der neue Boden aus, der klassische Sperrholzplatten ersetzt. Auch hier muss der Kunde bei der Individualisierung Abstriche machen – das Leichtbaufundament gibt es so nur in Schwarz. Dass es aufgrund seiner Wabenstruktur ein wenig nachgibt, ist im ersten Moment ungewohnt, mehr aber auch nicht. Und am Ende zahlen sich die gewichtsreduzierenden Maßnahmen aus: Leer kommt der 4,45-Tonner auf 2.580 Kilogramm. Ein beachtlicher Wert. Und ein Wert, der sich natürlich auch auf die Fahrgastkapazität positiv auswirkt. 25 Fahrgäste finden im 4,45-Tonner mit 6.685 mm Länge Platz, beim 3,5-Tonner mit 5.795 mm und M1-Zulassung sind maximal acht Fahrgastplätze möglich, alternativ sieben Fahrgastsitze und ein Rollstuhl. 

Der in Slowenien vorgestellte niederflurige Prototyp verfügt über sechs Klappsitze aus Eigenproduktion und neun Sitze des türkischen Herstellers GRL. Die zwei Sitze über den Radkästen stehen jeweils auf einem zweistufigen Podest. Das sieht im ersten Moment unkomfortabel aus – ist es aber nicht. Wer die Sitzprobe macht, merkt schnell, dass das zweite, aufgesetzte Podest kaum stört. Die weit nach unten gezogenen, einfachverglasten Seitenscheiben schaffen einen hellen Fahrgastraum, als Verkleidung kommen innen Filz und Kunstleder zum Einsatz. Kein Hingucker und dem E-Bus-Konzept geschuldet sind die zwei Querverstrebungen an der Decke. Auch der seitliche Luftkanal mit Service-Sets sticht ins Auge. Vor allem in einem Citybus. Er dient vor allem als Durchführung für die Hochvolt-Kabel, die neu verlegt werden mussten. Denn im Original ist die Batterie unter dem Fahrzeugboden angebracht. Mit dem Segen von Nissan und im Sinne der Niederflurigkeit wanderte sie aufs Dach. Zurück zum Luftkanal: Licht und Soundboxen funktionieren zwar, die Luftdüsen sind Attrappe. So stellt sich schnell die Frage nach der Klima-anlage und der Heizung. Vor allem bei E-Bussen die Achillesferse, da sie den so wichtigen Strom fressen. Neben der aus dem Nissan übernommenen Fahrerklimaanlage ist im E-Solar City neben zwei Schiebefenstern im Heck eine kraftstoffbetriebene Luftheizung von Webasto bzw. Eberspächer vorgesehen. Im Prototyp war außerdem ein mobiles Kühlsystem von Eberspächer zu sehen – ein Verdunstungskühler mit integriertem Wassertank. Ein Gerät, das für den Haus- und Wohnmobilgebrauch konzipiert ist. Ob diese Komponenten dem Einsatz im Minibusbereich gerecht werden, bleibt abzuwarten. Eines wird jedoch jetzt schon sichergestellt: Dass diese und andere Nebenverbraucher nicht an der Reich-weite knabbern. K-Bus hat dafür einen zweiten Stromkreis installiert. Für Energie sorgen eine Heavy-Duty-Batterie (12 V/230 Ah), die über Nacht geladen werden kann, sowie ingesamt fünf Solarmodule mit einer Leistung von 750 Watt. Eins befindet sich am Heck, vier auf dem Dach.




 

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