Bahnfahrten im Paradies

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Die Schweizer Bahnen – kaum ein touristisches Thema ist facettenreicher als dieses. Omnibusrevue berichtet über kühne Zukunftsperspektiven und Nostalgiefahrten ­unter Dampf, über aktuelle Gruppenangebote und die Konsequenzen eines Unfalls.


Datum:
23.05.2011

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Neben den vielfältigen touris­tischen Vorzügen des weltbekannten Glacier Express‘ spricht auch das strukturierte Management der Matterhorn Gotthard Bahnen im Krisenfalle für den Express. Von Anfang an gelang es dem Unternehmen, mit einer beispielhaften Offenheit mit einem Unfall umzugehen. Auch das halten wir für berichtenswert.Was war geschehen? Am 20. Ja­nuar 2011 hat die unabhängige Schweizer Unfalluntersuchungsstelle Bahnen und Schiffe (UUS) den Untersuchungsbericht zum tragischen Glacier Express-Unfall vom 23. Juli 2010 veröffentlicht. Der Untersuchungsbericht bestätigt die zu frühe Beschleunigung des Zuges als einzige Ursache für das Unglück, bei dem im Sommer 2010 ein Todesopfer und 42 Verletzte zu beklagen waren. Der betroffene Zug war bei der Entgleisung mit einer Geschwindigkeit von 56 km/h statt der erlaubten 35 km/h unterwegs. Eine Simulation hat ergeben, dass davon ausgegangen werden kann, dass die Wagen an der Unfallstelle bis zu einer Geschwindigkeit von zirka 52 km/h nicht umgekippt wären. Die Matterhorn Gotthard Bahn bedauert in einer Erklärung zutiefst, dass die zu frühe Beschleunigung des Zuges zu diesem tragischen Unglück geführt hat. Für die weitere Aufarbeitung des Ereignisses innerhalb des Unternehmens und gegenüber den Kunden ist es wichtig, dass die Unfallursache mit Bestimmtheit geklärt wird. Unabhängig von den Untersuchungen der UUS hat das Unternehmen direkt im Anschluss an das Unglück in allen Bereichen interne Abklärungen vorgenommen, alle Ergebnisse dokumentiert und verschiedene Arbeitsgruppen eingesetzt. Diese evaluieren Optimierungsmöglichkeiten und setzen diese im Rahmen des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses um. Unmittelbare Maßnahmen haben sich als Resultat aus der internen Aufarbeitung jedoch nicht als notwendig erwiesen. Zudem hat die Matterhorn Gotthard Bahn den Lokführer, der in den tragischen Unfall involviert war, von Anfang an unterstützt und mehrmals bekräftigt, dass er in einer anderen Funktion weiterhin im Unternehmen tätig sein könne. Der betroffene Lokführer hat dieses Angebot angenommen.
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Glacier Express aktuell

Mit dem Angebot „Winterzauber Glacier Express“ fahren Gruppengäste noch bis zum 30. April 2011 besonders günstig mit dem Glacier Express: Bei der An- und Rück­reise nach Graubünden oder ins Wallis sowie bei der Fahrt profitieren Gruppen von der Winter- Promotion mit bis zu 50 Prozent Ermässigung auf den Normalpreis. Ob zwischen St.Moritz und Zermatt oder zwischen Chur und Brig – der Glacier Express steht auch im Winter für eine exklusive Reise. Entsprechende Angebote sind auch in der Wintersaison 2011/2012 buchbar. Der langsamste Schnellzug der Welt verkehrt mit seinen modernen Panoramawagen in 1. und 2. Klasse täglich. Auf der siebeneinhalbstündigen Zugfahrt begeistern die spektakuläre Albulastrecke, die zur UNESCO Welterbeliste gehört, der 2.033 Meter hohe Ober­alppass, aber auch das Goms mit seinen malerischen Dörfern oder die Kipfenschlucht am Fuße des Matterhorns. Via Kopfhörer werden während der Fahrt in sechs Sprachen zahlreiche Hintergründe über das Leben und die Kultur der Leute entlang der Strecke vermittelt. Zwei Kanäle mit Unterhaltungsmusik ergänzen das ­akustische Angebot. Für Verpflegung am Sitzplatz ist gesorgt. Alle Speisen werden frisch in der Bordküche zubereitet. http://www.glacierexpress.ch Dampfbahn-Erlebnis am Rhonegletscher. Die historische Eisenbahnstrecke über die Furka ist wieder durchgehend befahrbar. Mit der Wiedereröffnung des letzten Abschnitts zwischen Gletsch und Oberwald im August 2010 rollen die Reisezüge der Dampfbahn Furka-Bergstrecke (DFB) erstmals seit mehr als einem Vierteljahrhundert wieder über die gesamte klassische Route des „Glacier Express“ vom Urseren­tal ins Goms. Nach der Inbetriebnahme des Basistunnels zwischen Realp und Oberwald im Jahr 1982 sollte dieses, nur in den Sommermonaten befahrbare, touristische und eisenbahntechnische „Herzstück“ der ehemaligen Furka-Oberalp-Bahn (FO) dem Abbruch und Verfall preisgegeben werden. Eisenbahn-Enthusiasten und Bergbegeisterte vollbrachten in mehr als 28-jähriger, mühsamer Aufbauarbeit das anfänglich von vielen für unmöglich Gehaltene: Sie retteten die Furka-Bergstrecke, holten deren ursprüngliche, nach dem Zweiten Weltkrieg nach Vietnam verkauften Dampflokomotiven in die Schweiz zurück und trotzten der Natur erneut die von Lawinen, Hochwassern, Steinschlägen und Erdrutschen ständig bedrohte, 17,8 Kilometer lange Strecke ab. Tausende freiwillige Helfer aus ganz Europa haben in den letzten Jahren als so genannte „Fron­arbeiter“ an der etappenweisen Wiederherstellung der Gleise und Zahnstangen, an der Revi­sion und am Unterhalt der Lokomotiven und Wagen sowie im jährlichen Betrieb mitgearbeitet. Abertausende unentgeltlich ge­leistete Arbeitsstunden und großzügige Spenden von Freunden und Gönnern ermöglichen es, den Reisenden wieder das ein-malige Erlebnis einer Bahnfahrt über die kontinentale Wasserscheide und entlang des Rhonegletschers zu bieten. Die Furka-Bergstrecke ist inzwischen zu einem echten Publikumsmagne­ten im Tourismusangebot der Schweiz geworden. http://www.furka-bergstrecke.ch
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Brienz Rothorn Bahn

Busunter­nehmer profitieren 2011 von günstigen Preis-Leistungs-Angeboten bei der Brienz Rothorn Bahn AG unter dem Motto „noch nie war ein Ausflug auf das Brienzer Rot-horn so attraktiv wie 2011“. Die Brienz Rothorn Bahn verbindet 119 Jahre Tradition, Nostalgie und Pioniergeist. Die einstündige Fahrt ist einzigartig und abwechslungsreich zugleich. Die „alten Damen“ der Brienz Rothorn Bahn überwinden die 7,6 Kilometer lange Strecke, mit 1.678 Höhenmeter Differenz, ohne nur einmal „aus dem Schnauf“ zu kommen. Die urtümliche Kraft der Dampfmaschinen, die Fahrt durch den heimischen Laubwald und über hohe Felswände sowie traumhafte Ausblicke auf den See oder das berühmte Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau garantieren einen großen Erlebniswert für Jung und Alt. Der „Bus-Hit“ bietet sich ideal für einen Tagesausflug an. Vom 4. bis 19. Juni und 8. bis 23. Oktober 2011 offeriert die Brienz Rothorn Bahn AG den Bus-Hit inklusive Fahrt und Drei-Gang-Mittagessen bereits für 56,00 Franken pro Person. Vom 20. Juni bis 7. Oktober kostet dieses Arrangement 72,00 Franken pro Person. Optional ist auch ein Blick hinter die Kulissen bei der Brienz Rothorn Bahn möglich. Die Gäste können live miterleben, welche Bemühungen eines Lokomotivführers von Nöten sind, um täglich mit Volldampf das Brienzer Rothorn zu erobern. Während dieses 45-minütigen Rundgangs erfährt und sieht man viel Spannendes über die Entstehung und die Geschichte dieser nostalgischen Dampf(zahnrad)bahn. Ein Besuch der Dampfbahn eignet sich auch ideal an einem Nachmittag und kann übrigens mit ­einer Schifffahrt auf dem Brienzersee oder anderen umliegenden Sehenswürdigkeiten kombiniert oder ergänzt werden. http://www.brienz-rothorn-bahn.ch Der Wilhelm Tell Express führt nicht nur über die europäische Wasserscheide zwischen Mittelmeer und Nordsee, er verbindet auch zwei der attraktivsten Gegenden der Schweiz, die Zentralschweiz und das Tessin. Neu bestehen jetzt je zwei Verbindungen pro Tag von der Zentralschweiz ins Tessin und auch in umgekehrter Richtung. Als Kombination mit der Bahn geht die Reise an Bord eines Raddampfers oder ­Salon-Motorschiffes zunächst von Luzern in rund dreieinhalb Stunden über den Vierwaldstättersee nach Flüelen. Bei einem gepflegten Tagesteller im Salon ziehen an Backbord und Steuerbord gemächlich verträumte Buchten, schmucke Dörfer und so geschichtsträchtige Orte wie das Rütli und die Tellsplatte vorbei. In Flüelen – nur wenige Schritte von der Schiffslände entfernt – nehmen die Gäste dann in den komfortablen und klimatisierten Erstklass-Panoramawagen der Schweizerischen Bundesbahnen Platz. Weiter geht es durch das naturgewaltige Urner Reusstal mit seinen tiefen Schluchten und schroffen Felsen. Rasch windet sich die weltbekannte Gotthard-Bahnlinie von 470 Meter auf 1.100 Meter über dem Meeresspiegel und mündet schließlich in Göschenen in den 15 Kilometer langen Gotthardtunnel, die wichtigste Nord-Süd-Verbindung Europas. Unzählige Kehrtunnels, Galerien und Brücken legen Zeugnis ab von den Meisterleistungen der Konstrukteure. Nach der Tunneldurchfahrt heißt es „Willkommen im Tessin“. Durch die Leventina schlängelt sich der Wilhelm Tell Express über kühn geschwungene Brücken hinunter ins Tal nach Bellinzona. http://www.wilhelmtellexpress.ch
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Golden Pass

Ein Traum wird wahr: Direkte Züge zwischen der Waadtländer Riviera und dem Berner Oberland. Das innovative Projekt TransGoldenPass ermög­licht in Zukunft umsteigefreie Fahrten auf unterschiedlichen Spurbreiten zwischen Montreux und Interlaken. Dies mit den touristischen Zügen des GoldenPass auf der Meterspur (1,0 Meter) zwischen Montreux und Zweisimmen sowie der Normalspur (1,435 Meter) zwischen Zweisimmen und Interlaken. Die damit verbundene Angebotsverbesserung und Attraktivitätssteigerung festigt diese Bahnlinie und dürfte sich positiv auf den Tourismus des Berner Oberlandes und der Waadtländer Riviera auswirken. Ab 2015 brauchen die Bahnreisenden zwischen Montreux und Interlaken in Zweisimmen nicht mehr umzusteigen. Ein über 100-jähriger Traum von durchgehend verkehrenden Zügen wird dann Realität. Durch die Qualitätsverbesserung dürfte sich der Bekanntheitsgrad der bereits weltberühmten Bergbahnstrecke steigern. Auch die nachhaltige Entwicklung des Tourismus wird durch dieses Projekt gefördert. Nebst den direkt betroffenen ­Eisenbahngesellschaften (MOB und BLS) werden zudem die touristischen Regionen der Waadtländer Riviera und des Berner Oberlandes wirtschaftlich profitieren. Studien lassen eine starke Zunahme von Freizeitreisenden aus der Schweiz und dem Ausland erwarten. Aufgrund der zu erwartenden Nachfrage, soll die Transportkapazität gegenüber heute um 50 Prozent erhöht werden, von aktuell maximal sechs Wagen auf neu maximal neun Wa­gen pro Zug. Das Gesamtprojekt sieht den Einbau der neuen Fahrgestelle unter 20 existierende GoldenPass Panoramic- und Classic­wagen vor. Um der zukünftigen Nachfrage gerecht zu werden und veraltete Wagen zu ersetzen, ist der Kauf von 24 neuen, zusätzlichen Wagen geplant. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 80 Millionen Schweizer Franken. Wenn alles planmäßig verläuft, werden die ersten direk­ten Züge von Montreux nach Interlaken im Jahr 2015 verkehren. http://www.transgoldenpass.ch
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Bernina Express

Von den Gletschern zu den Palmen. Die ­Albula- und Berninastrecke der Rhätischen gehört zu den spektakulärsten Alpenquerungen. Ein besonderer Hochgenuss ist die Panoramafahrt im Bernina Express – vorbei an Gletschern, hinunter zu den Palmen. 55 Tunnel, 196 Brücken und Steigungen von bis zu 70 Promille meistert der Zug mit Leichtigkeit. Auf 2.253 Metern über dem Meer thront das Dach der Rhätischen Bahn, der Ospizio Bernina. Der Bernina Express führt über die höchste Bahnlinie der Alpen. Er verbindet den ­Norden mit dem Süden Europas, schlägt Brücken zwischen Sprachregionen und Kulturen. Seit dem Sommer 2008 gehört die Strecke von Thusis bis Tirano zum ­UNESCO Welterbe. Noch mehr südländisches Ambiente erleben Gruppengäste mit dem Bernina Express Bus. Von Tirano fahren sie entlang des Comersees nach Lugano im Kanton Tessin – vorbei an den Veltliner Weinbergen und durch malerische, mediterrane Dörfer. Ein idealer Ausflug, wenn der eigene Bus mal eine Pause braucht. http://www.rhb.ch Brig Belalp – eine gruppentaugliche Ferienregion im Zentrum verschiedener Schweizer Bahnen. An bevorzugter Lage ist Brig Belalp das Gletschertor am Fuße des großen Aletsch Gletschers. In den Städten Brig und Naters treffen die Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn und die Rhonetal-Linie aufeinander. Gleichzeitig beginnt hier die Bahnfahrt nach Zermatt und über die Furka mit dem ­Glacier Express. http://www.brig-belalp.ch

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www.omnibusrevue.de ist das Online-Portal der monatlich erscheinenden Zeitschrift OMNIBUSREVUE aus dem Verlag Heinrich Vogel, die sich an Verkehrsunternehmen bzw. Busunternehmer und Reiseveranstalter in Deutschland, Österreich und der Schweiz richtet. Sie berichtet über Trends, verkehrspolitische und rechtliche Themen sowie Neuigkeiten aus den Bereichen Management, Technik, Touristik und Handel.