Stadtgeflüster

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Barocke Weinstadt, lebendige Biertraditionen oder ein Puppenspiel, das weltweit berühmt ist – die Städte Bayerns bieten Gruppenreisenden eine riesige Auswahl an interessanten und spannenden Erlebnissen. Sightseeing direkt vor der eigenen Haustür ist im Freistaat auf besondere Weise möglich.


Datum:
28.05.2020
Autor:
Theresa Siedler
Lesezeit: 
10 min

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Kleinstadt, Großstadt, Altstadt, Weltstadt – Bayern hat sie alle. Und alle präsentieren sich absolut sehenswert und überaus abwechslungsreich. Egal, ob bei einem Tagesausflug oder einem Kurzurlaub, in den bayerischen Städten gibt es für Gruppenreisende viel zu entdecken.

Bocksbeutel, Bratwurst und Barock – diese drei Worte beschreiben die Weinstadt Würzburg, die auch Unterfrankens Regierungssitz beherbergt, wohl am treffendsten. In keiner anderen bayerischen – oder genauer gesagt fränkischen – Stadt liegen (Wein-)Genuss und Geschichte so nah beieinander. Als ehemaliger Sitz der Fürstbischöfe und monumentales Bauwerk ist die Würzburger Residenz unbedingt einen Besuch wert. In diesem Jahr 2020 hätte sich der Besuch der Residenz besonders gelohnt, denn 2020 sollte eigentlich ein ganz besonderes Residenz-Jubiläum gefeiert werden: die 300-jährige Grundsteinlegung. Obwohl die Corona-Pandemie dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung machte, sollten Interessierte dennoch nicht verzagen, denn die Feierlichkeiten werden im kommenden Jahr 2021 einfach nachgeholt. Aufgeschoben bedeutet in diesem – wie in vielen anderen Fällen – bei Weitem noch nicht aufgehoben. Deshalb dürfen sich Würzburgs Gäste in 2021 auf ein buntes und abwechslungsreiches Jubiläumsprogramm freuen. Bereits gekaufte Karten, beispielsweise für die Residenznächte, behalten deshalb auch ihre Gültigkeit.
Hoch über der Stadt thront die Festung Marienberg. Erste Belege einer Ansiedlung auf dem Marienberg gehen auf das achte Jahrhundert zurück. Damals soll an dieser Stelle ein Kastell errichtet worden sein, das im Jahr 741 zur ersten Würzburger Bischofskirche erhoben wurde. Ab dem Jahr 1200 entstand an dieser Stelle dann eine ungewöhnlich große Burg, die im Spätmittelalter und in der Renaissance ausgebaut und erweitert wurde. Auch danach erlebte die Festung Marienberg, auf die Besucher Würzburgs von der Mainbrücke aus einen hervorragenden Blick haben, einige Umwälzungen, Umbauten und Machtverschiebungen. So veranlasste beispielsweise die Erstürmung der Burg im Jahr 1631 durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg Johann Philipp von Schönborn dazu, den Marienberg mit einem Kranz gewaltiger Bastionen zu umgeben, die das Erscheinungsbild der Burg maßgeblich prägen. 
Ein weiterer Einschnitt folgte durch den Zweiten Weltkrieg. Bei der Bombardierung der Stadt Würzburg im Jahr 1945 brannte die Festung fast ganz nieder, der Wiederaufbau dauerte fast 50 Jahre.
Die Marienkirche, deren Ursprünge auf das Jahr 706 nach Christi zurückgehen, der 40 Meter hohe Bergfried und das Brunnenhaus mit der über 100 Meter tiefen Zisterne sind noch heute eindrucksvolle Zeugnisse der über 1.000-jährigen Geschichte der Festung Marienberg. Vom Burghof aus ist außerdem der 1.300 Qua dratmeter große Fürstengarten zugänglich, der in den Jahren 1937 und 1938 nach Plänen des frühen 18. Jahrhunderts wiederhergestellt wurde. Von hier haben Besucher einen einzigartigen Blick über die unterfränkische Stadt. Die Festung, den Fürstengarten sowie das Museum, das sich im Innern befindet, können Gruppenreisende besichtigen. Kostenpflichtige Busparkplätze sind in direkter Nähe vorhanden. www.wuerzburg.de

Bierstadt in Oberfranken. Bamberg, seine Keller und das Bier – eine Kombination, die eng miteinander verbunden ist. In die Bamberger Bierkultur tauchen Interessierte am besten im Rahmen einer der spannenden und kulinarischen Bier-Erlebnisse ein, die in der oberfränkischen Stadt angeboten werden. Zu ihnen gehört beispielsweise die „BierSchmecker-Tour“. Sie ist eine erlebnisreiche Wanderung von Braugaststätte zu Braugaststätte. Eines der Highlights dieser Tour ist außerdem das Rauchbier-Menü, das für alle Beteiligten einen geselligen und gemütlichen Abend verspricht.
Auch architektonisch ist Bamberg sehr sehenswert, denn es vereinen sich denkmalgeschützte Gebäude, mittelalterlicher Charme und eine barocke Prachtarchitektur. Die „Alte Hofhaltung“ beispielsweise zählt zu den eindrucksvollsten Gebäuden der Stadt. Vorläufer der „Alten Hofhaltung“ waren das „Castrum Babenberg“ und die ehemalige Pfalz Kaiser Heinrichs II. Seit der Bistumsgründung im Jahr 1007 diente der Gebäudekomplex wohl auch als Wohnsitz des Bischofs.
Nach dem Dombrand von 1185 entstand an dieser Stelle ein eingeschossiger Palas, der im 16. Jahrhundert durch einen prächtigen Bau im Stil der deutschen Renaissance ersetzt wurde. Insbesondere die „Schöne Pforte“, die von Bildhauer Pankras Wagner gestaltet wurde, lockt regelmäßig ihre Bewunderer an. Heute beherbergt die „Alte Hofhaltung“ das historische Museum der Stadt Bamberg und die Katharinenkapelle. In der Kapelle wird seit dem Jahr 2004 die zum Kultstück avancierte 1.000-jährige Stadtgeschichte unter dem Titel „Licht und Schatten“ jährlich an allen Wochenenden von Mai bis Oktober aufgeführt.
Auch die Neue Residenz in Bamberg ist absolut einen Besuch wert. Bis in das Jahr 1802 diente das Bauwerk als Sitz der Bamberger Fürstbischöfe. Daher sind die über 40 Prunkräume auch mit Stuckdecken, Möbeln und Wirkteppichen des 17. und 18. Jahrhunderts ausgestattet. Besonders sehenswert sind in der Neuen Residenz der Kaisersaal, dessen Fresken vom berühmten Freskenmaler Melchior Steidl stammen, die Kurfürstenzimmer und das fürstbischöfliche Appartement. Außerdem beherbergen die „Altdeutsche Galerie“ und die „Barockgalerie“ heute bedeutende Werke der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Wer einen besonders schönen Blick über Bamberg sucht, der sollte den Rosengarten im Innenhof der Residenz aufsuchen. www.bamberg.info

Die Fuggerstadt Augsburg vereint Geschichte und Moderne auf ganz besondere Weise
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Bekanntes Puppenstädtchen

Augsburg im Herzen von Bayern ist vor allem für die Augsburger Puppenkiste und die Fuggerei bekannt. Beides können Gäste bei einem Besuch der Stadt hautnah erleben. Das Gebäude, in dem die Augsburger Puppenkiste ihr Zuhause hat, wurde bereits im Jahr 1623 durch den Stadtwerksmeister Elias Holl errichtet. Seit dem Jahr 1948 werden hier aber erst regelmäßig Puppenspiele aufgeführt. Die Puppenkiste zeigt Märchen, Schauspiele und Kabarette. Berühmtheit – weit über die Grenzen Augsburgs, Bayerns und Deutschlands hinaus – erlangte die Augsburger Puppenkiste jedoch erst mit den ersten Fernsehformaten, die ab 1953 produziert wurden.
Neben den Theateraufführungen können Groß und Klein seit 2001 auch das Museum „Die Kiste“ besuchen. Hier erfahren sie alles über die Geschichte und Entwicklung der Augsburger Puppenkiste. Zudem können sie die Puppen in ihrer „natürlichen Umgebung“ erleben. Zu den Stars an den Fäden, die mittlerweile zu echten Kult­objekten geworden sind, gehören unter anderem die Figur des Kater Mikesch, das Urmel aus dem Eis, Jim Knopf, Lukas – der Lokomotivführer oder Kalle Wirsch. Neben diesen Persönlichkeiten locken auch regelmäßig interessante Sonderausstellungen in das Museum „Die Kiste“ nach Augsburg.
Auch für die Fuggerei ist Augsburg, Deutschlands älteste Stadt, bekannt. Die Fuggerei ist die älteste Sozialsiedlung der Welt. Zurück geht sie auf den berühmtesten Sohn der Stadt, Jakob Fugger, der sie im Jahr 1521 stiftete. In ihren 140 Häusern leben noch heute 150 katholische Augsburger Bürger. Sie bezahlen für eine rund 60 Qua­dratmeter große Wohnung eine jährliche (Kalt-)Miete von 0,88 Euro. Dafür mussten sie seit Anbeginn der Sozialstiftung versprechen, täglich drei Gebete für die Stifterfamilie zu sprechen – ein fairer Preis. Heute erklären mehrere Museen und der Weltkriegsbunker die Geschichte dieser einzigartigen Reihenhaussiedlung in Augsburg.
Kaiserlich geht es in Augsburg mit der sogenannten Sisi-Straße zu. Diese Kulturroute wurde vor mehreren Jahren eingeweiht. Sie fußt auf den vielen Reisewegen der berühmten österreichischen Kaiserin Elisabeth und ist gleichzeitig eine kulturelle Reiseroute zu ausgewählten Städten, Schlössern, Parks und Orten, die mit dem Leben dieser Kaiserin untrennbar verbunden sind. Augsburg gilt unter allen Orten, die auf der Sisi-Straße liegen, als die „Skandal-Stadt“ im Leben Sisis. Warum dies so ist und welche Spuren die berühmte österreichische Kaiserin in Augsburg hinterlassen hat, können Gruppenreisende bei einem Besuch der Fuggerstadt herausfinden. www.augsburg-tourismus.de

Welterbe Regensburg. Längst kein Geheimtipp unter Bayernbesuchern mehr, aber dennoch zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert, ist die viertgrößte Stadt des Freistaats: Regensburg. Der beste Weg, dem Herzen und dem Wesen Regensburgs näherzukommen, führt über eine Stadtführung: Altes Gemäuer und historische Ereignisse, bewegte Geschichte und amüsante Geschichten, versteckte Hinterhöfe und abgelegene, schmale Gassen, all das wird den Besuchern in einem kurzweiligen, gut eineinhalbstündigen Rundgang vermittelt. Gleichzeitig ist das der beste Einstieg, der jungen, dynamischen Stadt hinter die Kulissen zu schauen, um sie dann auf eigene Faust und mit vielen Anregungen versehen noch intensiver erleben zu können. Der ideale Einstieg aber auch, um zu begreifen, was die alte Stadt so jung macht und wie die Regensburger und die vielen „Zugereisten“ es verstehen, die Stadt und das Leben zu genießen.
Zu den schönsten Sehenswürdigkeiten in Regensburg zählt sicherlich die Steinerne Brücke. Neben dem Regensburger Dom ist sie das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt und war auch ein Grund für die Aufnahme Regensburgs in die UNESCO-Welterbeliste. Die Steinerne Brücke, die den altbayerischen Stadtteil „Stadtamhof“ mit der Regensburger Altstadt verbindet, galt im Mittelalter als ein echtes Weltwunder. Sie wurde innerhalb von nur elf Jahren erbaut. Der Grund für diese Eile und das bauliche Meisterwerk war die Tatsache, dass der rege Handelsverkehr des im Mittelalter bedeutenden Wirtschaftszentrums Regensburg den dauerhaften Flussübergang schlichtweg erforderte. So entschlossen sich Rat und Bürgerschaft zur Errichtung des Bauwerks. Nahezu 800 Jahre lang, bis in das Jahr 1935, blieb sie die einzige Brücke, die in Regensburg und im weiten Umkreis als zuverlässiger Donauübergang diente. In steinernen Rundbögen überspannt das beeindruckende Bauwerk noch heute auf etwa 300 Metern den Fluss. Die Brücke selbst steht auf 16 Fundamentfüßen, auf denen die Tonnengewölbe des eigentlichen Brückenbauwerks ruhen. Als Eingang zur Stadt war die Brücke ursprünglich von drei Türmen bewacht. Heute steht nur noch der Brückturm, der Gruppenreisenden gleichzeitig einen hervorragenden Aussichtspunkt über die Stadt bieten kann.
Die Geschichte der Stadt Regensburg wird zudem in einer weiteren Sehenswürdigkeit lebendig, die sich Regensburg-Besucher auf keinen Fall entgehen lassen sollten. Die Rede ist vom Alten Rathaus mit seinem imposanten Turm. In dem leuchtend gelben Gebäudeteil des Alten Rathauses fanden ab dem Jahr 1594 die vom Kaiser einberufenen Reichsversammlungen statt. Von 1663 bis 1806 tagte dort außerdem im ehemaligen Tanzsaal aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts der Immerwährende Reichstag. Hier entstanden die bekannten deutschen Redewendungen „etwas auf die lange Bank schieben“ und „am grünen Tisch sitzen“. Geschichte zum Anfassen – das ist in Regensburg möglich. www.tourismus.regensburg.de

Hoch über der mittelfränkischen Stadt Nürnberg thront die bekannte Nürnberger Kaiserburg
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Kulturelle Metropole

Nürnberg – wer denkt bei diesem Namen nicht sofort an die berühmten Bratwürstchen, Lebkuchen und den Christkindlesmarkt? Dabei hat Nürnberg viel mehr zu bieten. Vor allem auf kultureller Ebene verzaubert die mittelfränkische Stadt mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Möglichkeiten.
Im Nürnberger Kulturleben ist der Spagat zwischen Tradition und Moderne kein mühsamer Kraftakt, hatte die Stadt doch bereits mit ihrem größten Sohn Albrecht Dürer einen ausgesprochen innovativen Vordenker in Sachen Kultur. Die Geschichte Nürnbergs lassen auch die städtischen Museen mit ihren insze­nierten Führungen und Museumstheaterstücken aufleben, in denen Dürers Leben und Arbeiten ebenso anschaulich vermittelt wird wie der Alltag in einem Patrizierhaushalt. Nürnbergs große Tradition als Spielzeugstadt und als Industriestandort ist vielen nicht unbedingt bekannt. Dennoch wird diese im Spielzeugmuseum und im Museum Industriekultur durchaus auch im wörtlichen Sinne greifbar, und auf Kunst und Design der Gegenwart dürfen sich Besucher im Neuen Museum freuen. In den Bereichen Oper, Konzert, Schauspiel und Ballett prägt das Staatstheater Nürnberg das Theaterleben der Stadt, das außerdem durch zahlreiche freie Bühnen bereichert wird. Auch Puppenspieler, die jährlich anlässlich des Internationalen Figurentheaterfestivals aus aller Welt nach Nürnberg kommen, haben darin ihren festen Platz. Dieses Spektakel und das besondere Zusammenspiel der vielen kulturellen Angebote machen unter anderem den Reiz der mittelfränkischen Metropole aus. www.tourismus.nuernberg.de

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