Wilder Süden

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Deutschlands Süden ist überraschend wild: Dunkle Wälder, rauschende Schluchten und verwunschene Auenlandschaften zeigen die Natur in Baden-Württemberg von ihrer ursprünglichen Seite. Wer sich dort auf eine Expedition begibt, findet Natur- und Kulturlandschaften in ganz unterschiedlicher Ausprägung.


Datum:
26.06.2020
Autor:
Theresa Siedler
Lesezeit: 
9 min

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Rund 14.000 Quadratkilometer und damit etwa 38 Prozent der baden-württembergischen Landesfläche sind von Wald bedeckt. Zwischen Odenwald und Südschwarzwald laden aber auch Fluss- und Weidelandschaften, Streuobstwiesen sowie Moorgebiete zu Erkundungen ein. Besonders viel Natur gibt es in den zehn sogenannten Großschutzgebieten zu entdecken, in denen seit einigen Jahren die Natur und die vorhandene unberührte Wildnis bewahrt und für die Nachwelt erhalten bleiben sollen. Einblicke in diese Welten bekommen Sie hier:

Rein in die Wildnis. Ein echtes Naturjuwel in Deutschlands wildem Süden ist der Nationalpark Schwarzwald, denn die Natur darf hier einfach Natur sein und sich unbeeinflusst vom Menschen entwickeln. Erst seit dem Jahr 2014 erstreckt sich auf den Höhenzügen des Nordschwarzwalds Baden-Württembergs erster Nationalpark. Er ist rund 100 Quadratkilometer groß und verteilt sich auf die beiden Bereiche Ruhestein und Hoher Ochsenkopf/Plättig. Kern des Nationalparks sind zwei Bannwälder, in denen seit Jahrzehnten keine Waldwirtschaft durch den Menschen mehr betrieben wird. So lässt sich bereits heute hier erleben, wie es überall im Nationalpark einmal sein wird, wenn die Natur sich selbst überlassen bleibt. Um den Erhalt des Nationalparks und seinen Weg ganz zurück zur Natur kümmert sich ein Team von haupt- und ehrenamtlichen Rangern. Wer sich einmal ein Bild von deren wertvollen Arbeit machen möchte, kann dies beispielsweise sehr gut am bekannten Lotharpfad machen: Dort wächst über 15 Jahre nach einem großen Sturm nach und nach ein neuer Naturwald heran. Ende 2020 soll zu diesem Thema der Neubau des Besucherzentrums am Ruhestein mit einer spannenden Ausstellung und einem spektakulären Skywalk über den Wipfeln des Nationalparks eröffnen. Vom Skywalk aus erhalten Besucher aus der Vogelperspektive heraus einzigartige Blicke in den an dieser Stelle etwa 120 Jahre alten Tannen- und Fichtenwald.
Das Team des Nationalparks Schwarzwald bietet spezielle Führungen und Angebote für Gruppen, die zu einem einzigartigen Naturerlebnis werden können. Außerdem gibt es spezielle Angebote für Schulen und Kindergärten, deren Inhalte von geschulten Wildnispädagogen konzipiert wurden. Veranstaltungen für Gruppen dauern in der Regel zwischen zwei und drei Stunden. Buchungsanfragen sollten Busunternehmen bis spätestens zwei Wochen vor dem geplanten Besuch stellen. Überschreitet die Gruppengröße die Anzahl von 40 Personen, bittet das Team des Nationalparks sogar um eine frühzeitige Anmeldung von mindestens vier Wochen vor dem geplanten Besuchstermin. www.nationalpark-schwarzwald.de

Einst ein Sperrgebiet. Bis vor wenigen Jahren rollten noch Panzer durch das ehemalige militärische Sperrgebiet des Truppenübungsplatzes bei Münsingen. Nun konnte sich die Natur, wo lange kein Mensch Zutritt hatte, in ihrer ganzen Vielfalt ausbreiten. Heute liegt hier mit 6.700 Hektar einer der größten unzerschnittenen Naturräume Baden-Württembergs und das Herz des Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Aus karger, weiter Landschaft erheben sich hier bewaldete Kuppen und einzelne Sträucher. Gefährdete Pflanzen wie das „Gemeine Katzenpfötchen“ und die „Mondraute“ sind mittlerweile hier ebenso zu Hause wie bedrohte Tierarten. Zu ihnen gehört beispielsweise der Steinschmätzer, ein nur rund 15 Zentimeter kleiner Vogel aus der Familie der Singvögel. Um diese „natürlichen“ Besonderheiten zu schützen, zeichnete die UNESCO diese Kulturlandschaft im Jahr 2009 als Biosphärenreservat aus.
Das über 85.000 Hektar große Gebiet gehört seither zu den Modellregionen, in denen das Miteinander von Mensch und Natur beispielhaft gefördert wird. Es schließt die Hochfläche ebenso ein wie den Albtrauf mit seinen besonderen Hang- und Schluchtwäldern und das Vorland mit den ausgedehnten Streuobstwiesen. Durch die jahrzehntelange Sperrung findet sich in dieser Region außerdem auch so manches Kuriosum wie die Überreste eines verlassenen Dorfes, dessen Einwohner erst in den 1930er-Jahren umgesiedelt wurden.
Nach der coronabedingten Schließung hat das Biosphärenzentrum Schwäbische Alb nun seit einigen Wochen wieder – natürlich unter der Einhaltung von speziellen Hygiene- und Schutzkonzepten – für seine Besucher geöffnet. Auf rund 450 Quadratmetern können Gäste hier mehr über das erste Biosphärengebiet in Baden-Württemberg erfahren. Dabei werden Fragen wie „Wie groß ist es?“, „Was sind die Besonderheiten?“ oder „Wieso hat es die UNESCO als besonderes Gebiet ausgezeichnet?“ auf interaktive Weise geklärt. Während eines Besuchs im Biosphärenzentrum lernen Gäste aus Nah und Fern außerdem Menschen aus dem Biosphärengebiet kennen, dürfen einen Blick in deren Arbeit werfen und an ihrer Passion für besondere Tiere, Landschaftsräume und Pflanzen teilhaben.
Gruppen, die das Informationszentrum besuchen möchten, können sich über vergünstigte Eintrittspreise freuen. Geöffnet hat das Biosphärenzentrum Schwäbische Alb im baden-württembergischen Münsingen in den Monaten April bis Oktober täglich – außer dienstags – von 10.00 bis 18.00 Uhr. In den Wintermonaten gelten verkürzte Öffnungszeiten von 11.00 bis 17.00 Uhr. www.biosphärengebiet-alb.de

Mystisch sehen die Felsformationen an einigen Wasserfällen der Region aus
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Geformt von Natur und Mensch

Dort, wo in grauer Vorzeit insgesamt sechs Gletscher aufeinandertrafen, findet man heute in Baden-Württemberg eine besonders arten-
reiche Natur, die unter anderem seltenen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause bietet. Einige Spuren der letzten Eiszeit lassen sich im Südschwarzwald nach wie vor im Landschaftsbild ablesen. So sind beispielsweise mehrere Karseen – das sind kesselförmige Eintiefungen an Berghängen, die von sehr kurzen Gletschern ausgeschürft wurden – ein erdgeschichtliches Überbleibsel dieser Epoche. Darüber hinaus ist die Region um das Biosphärengebiet Schwarzwald vor allem eine Kulturlandschaft, die von einem einzigartigen Wechsel von Waldflächen und offen gehaltenen Hochtälern geprägt ist. Eine Besonderheit dieser Region sind außerdem die sogenannten Allmendweiden. Unter ihnen versteht man die seit Jahrhunderten gemeinschaftlich genutzten Weideflächen, die hier zu finden sind. Neben der hier weitverbreiteten Tradition der gemeinschaftlichen Bewirtschaftung haben sie auch nachhaltig das Landschaftsbild und Ökosystem dieses Biosphärengebiets geprägt.
Diese vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft ist eines der Ziele des Biosphärengebiets. www.biosphaerengebiet-schwarzwald.de

Sieben auf einen Streich. Sie zeigen die ganze landschaftliche Vielfalt im Süden und bieten zahlreiche attraktive Angebote für Besucher: Sieben Naturparks mit einer Fläche zwischen 160 und 3.800 Quadratkilometern machen auf besonders interessante Weise Kultur- und Naturlandschaften im Süden erlebbar. Zwei von ihnen finden sich alleine im Schwarzwald: der Naturpark Südschwarzwald und der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, der den Nationalpark umgibt und ihn ergänzt. Ein weiterer Naturpark erschließt die felsigen Landschaften der Oberen Donau mit ihren Klöstern und Flusstälern. Im Naturpark Schönbuch hat ein alter Laubwald mitten im dicht besiedelten Mittleren Neckarraum überlebt. Die tiefen Einkerbungen des Ne­ckar­tals kennzeichnen den Naturpark Neckartal-Odenwald, in dessen Herzen zahlreiche Burgen und die bekannte und beliebte Universitätsstadt Heidelberg liegen. Noch weiter in die Geschichte zurückreisen können Besucher des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald, auf dessen Gebiet einst der Grenzwall des Römischen Limes verlief. Heute gehört er zum Weltkulturerbe der UNESCO. Schließlich bietet der Naturpark Stromberg-Heuchelberg Besuchern die Gelegenheit, eine besonders reizvolle Mischung aus Wald-, Wein- und Wiesenlandschaften zu genießen, mit zahlreichen regionalen Produkten, von denen es in allen Naturparks eine große Vielfalt gibt.
Alle sieben Naturparks bieten eine große Auswahl an Aktivitäten und Abwechslung vom Alltag. Besonders nach der langen Zeit des coronabedingten Lockdowns könnte ein Besuch dieser Naturparadiese den „Akku“ der Menschen wieder aufladen. Informationen zu Veranstaltungen in den Regionen oder zu besonderen Gruppenerlebnissen erhalten Busunternehmer bei den zuständigen Touristik-Büros. www.tourismus-bw.de

Baden-Baden. Ein echtes Naturjuwel mitten in der Stadt, die trotz der engen städtischen Bebauung nichts von ihrem Reiz verloren hat, ist die Schlossruine in Baden-Baden. Hoch über der Stadt am Westhang des Battertfelsens thront majestätisch die Ruine des Schlosses Hohenbaden, das unter den Einheimischen auch liebevoll „Altes Schloss“ genannt wird. Gruppenreisende, die die vielen Stufen über Mauervorsprünge und Aussichtsterrassen hinauf zu der Ruine erklommen haben, werden für ihre Mühen vom ehemaligen Stammsitz der Markgrafen von Baden aus mit einem faszinierenden Rundblick auf die Stadt, den Schwarzwald und die Rheinebene belohnt. Doch nicht nur außerhalb der alten Mauern gedeiht das grüne Leben. Auch innerhalb der Ruine erobert sich die Natur ihren Platz zurück: Ein großer Baum hat inmitten des oberen Burghofs Wurzeln geschlagen.
Wem die Treppenstufen zur Ruine noch nicht wild genug sind und wer es lieber ein wenig actionreicher mag, der kann die Battertfelsen auch kletternd erklimmen. Denn seit Jahren ist der Battert unter Kletterern deutschlandweit für Aufstiege in allen Schwierigkeitsgraden bekannt. www.baden-baden.de

Im Großstadtdschungel. 1.000 Hektar Parkanlagen und 6.000 Hektar Waldfläche machen die Fächerstadt Karlsruhe zu einem wahrhaften Großstadtdschungel. Eine der beliebtesten Grünflächen liegt mittendrin: der Botanische Garten. Neben seltenen Zitrusarten, Kakteen und einer Zimtpflanze beherbergt er seit Kurzem einen ganz besonderen botanischen Schatz: Kaffeepflanzen. Sogar eine erfolgreiche Ernte hat es schon gegeben. Am Rande des Schlossgartens ge-legen, versetzt der Botanische Garten seine Besucher in eine tropische Pflanzenwelt und Blütenpracht. Im Freiland sind noch seltene Gehölze der fürstlichen Pflanzensammlung des 19. Jahrhunderts erhalten. Hier lässt sich das meist herrliche und sonnige Karlsruher Wetter in vollen Zügen genießen. www.karlsruhe-tourismus.de

Wild und geheimnisvoll. Ganz besonders ist auch die Wolfsbrunnen-Anlage in der bekannten und beliebten baden-württembergischen Stadt Heidelberg. Um den dort befindlichen Wolfsbrunnen herum wachsen nicht nur Wiesen, Moos und Wälder – nein, um dieses Bauwerk ranken sich um Heidelberg herum auch lebhafte Legenden. Während hier einstmals eine hungrige Wölfin die Zauberin Jette in Stücke gerissen haben soll, können heutige Besucher die besondere romantische Stimmung der im 16. Jahrhundert unter Kurfürst Friedrich II. entstandenen Anlage genießen. Das beliebte Ausflugsziel, das durch einen Biergarten ergänzt wird, ist dennoch ein Stück wilde Natur geblieben, wo sich unterschiedliche Amphi­bien-Populationen zu Hause ­fühlen. www.heidelberg-marketing.de

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