24.08.2009Starkes Ding, Setras Power-Decker

Zum ersten Mal schickt die OMNIBUSREVUE einen Doppeldecker auf ihre schwere Teststrecke. Kommt der Bolide auch auf engen Wegen, steilen Straßen und beschaulichen ­Stadtdurchquerungen nicht ins Schwitzen?

Mit Spannung hat die OMNIBUSREVUE den Ausgang dieser Testfahrt erwartet. Wie würden sich die neuen Sicherheitsfeatures im überholten Setra-Doppeldecker S 431 DT bewähren und vor allem, wie würde das konzerneigene automatisierte Schaltgetriebe GO 240/8 PowerShift in einem derart schweren Fahrzeug agieren? Reichen acht Gänge, um einen Bus mit einem Gewicht von bis zu 26 Tonnen wirtschaftlich betreiben zu können? Fragen, die sich sicherlich nicht nur interessierte Unternehmer sondern auch so mancher Marktbegleiter stellen.

Bevor jedoch diese Fragen aus Sicht der OMNIBUSREVUE beantwortet werden sollen, zuerst ein kurzer Rückblick: Seit Anfang 2008 gibt es die runderneuerte TopClass. Äußerlich sieht man den La Linea-verzierten Flaggschiffen der Ulmer Busspezialisten die Veränderungen kaum an. So behutsam wie nur irgend möglich wurde die Optik den neuen Features angepasst. Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich, schließlich ging es bei der Modellpflege hauptsächlich um das Thema Sicherheit. Nach dem Motto, was ein Mercedes-Reisebus kann, beherrscht Setra schon lange, wurde auch in den Bussen der TopClass der Front Collison Guard FCG verbaut, ein Modul, das im Crashfall den Fahrerarbeitsplatz nach hinten, aus der Gefahrenzone heraus, verschiebt, zusätzlich wurde eine so genannte Absorberstruktur integriert, die die kinetische Energie aufnimmt.

Leider jedoch beherrscht ausgerechnet der Doppeldecker nicht diese Disziplin. Hier fehlt es schlichtweg an Platz, um diese Sicherheits-Features an Bord unterzubringen. Ob FCG in dieser Generation noch integriert werden wird, darf bezweifelt werden, zu groß wären die strukturellen Eingriffe, die im Gesamtfahrzeug-Konzept vorgenommen werden müssten. Doch aufgeschoben heißt nicht aufgehoben: Wie Setra auf Anfrage der OMNIBUSREVUE erklärte, ist der Front Collison Guard mit Einführung einer TopClass 500 dann auch in einem Doppeldecker durchaus vorstellbar.

Kein Platzmangel herrscht dagegen rund um das Cockpit. Hier kann der Fahrer nun auch über das neue Kombiinstrument sämtliche relevanten Daten und Betriebszustände abrufen. Das Kombiinstrument hat sich mittlerweile sowohl in den normalen Bussen der neuen TopClass als auch im Travego bewährt.
Eine zwar auf den ersten Blick unscheinbare, aber dennoch wirkungsvolle Neuerung verbirgt sich in der Segmentumschaltung der Scheibenwischer. Durch die Anpassung der Wischergeschwindigkeit wird ein Abheben der Wischerblätter verhindert. Dadurch werden nicht nur die Wischergeräusche, sondern auch der Verschleiß der Wischermechanik deutlich reduziert. Der Fahrersitz ist drehbar ausgeführt, das ist praktisch – wie auch die Fahrertür, die es heutzutage nur noch in sehr wenigen Reisebussen gibt. In ihr ist zudem jede Menge Platz für Dokumente und sonstigen Fahrerkram. Großgewachsene Fahrer haben nur eine suboptimale Sicht in die oberen Außenspiegel. Tiefer hängen geht aber nicht, so bleibt nur die Kompromisslösung, dass sich der Fahrer beim Rangieren nach vorn beugen muss. (tt)

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