Tourismuswerkstatt des bdo: Wie der Bustourismus die Wirtschaft stärkt

09.10.2026 12:05 Uhr | Lesezeit: 3 min
Tourismuswerkstatt des bdo: Wie der Bustourismus die Wirtschaft stärkt
Preisverleihung des Wettbewerbs "Top Bus Destination" anlässlich der Tourismuswerkstatt des bdo
©Foto: bdo

Ganz im Zeichen der Bustouristik stand eine Veranstaltung des bdo diese Woche Dienstag in Berlin, die gleich zwei Premieren auf einmal feierte: das neue Tagungsformat „Tourismuswerkstatt“ und die erste Preisverleihung des Wettbewerbs „Top Bus Destination“. Wie Busfreundlichkeit in Zeiten von Zufahrtsbeschränkungen aussehen kann und welchen bedeutenden ökonomischen Stellenwert die Bustouristik hat.

Eine eigene Veranstaltung für die  Buswirtschaft wollte der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) ins Leben rufen, so wurde aus dem bisherigen „Tag der Buswirtschaft“ in diesem Jahr die „Tourismuswerkstatt“ -  Premiere Nummer eins am 6. Oktober im Berliner Colosseum. „Einen ganzen Tag lang bekommt der Tourismus die Bühne, die ihm auch zusteht“, sagt bdo-Präsident Karl Hülsmann zur Eröffnung

Welche wirtschaftliche Bedeutung der Bustourismus hat, zeigt die aktuelle Studie „Wirtschaftsfaktor Bustourismus in Deutschland“ des dwif, die dwif-Vorstand Bernhard Harrer vorstellte: 14,5 Milliarden Euro beträgt der Bruttoumsatz durch die touristische Nutzung von Bussen. Daraus ergeben sich laut Studie 6,7 Milliarden Euro touristische Wertschöpfung sowie ein Beschäftigungsäquivalent von rund 175.000 Personen.

Starke Multiplikatorwirkung des Busses

Besonders bemerkenswert: Fast die Hälfte des Umsatzes, nämlich 45,6 Prozent, entsteht durch Ausgaben der Reisenden direkt im Zielgebiet. Weitere 33,1 Prozent entfallen auf Pauschalreisen. Damit profitieren nicht nur Busunternehmen, sondern auch Hotels, Gastronomie, Einzelhandel, Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie zahlreiche weitere touristische Leistungsträger.

Die Studie zeigt zudem, dass sich die wirtschaftliche Wirkung des Bustourismus weit über die Reisebranche hinaus erstreckt. Nach den Berechnungen des dwif lösen die Vorleistungen der direkt profitierenden Unternehmen zusätzliche Umsätze bei Handwerk, Handel, Energieversorgern, Banken, Versicherungen oder Werbeagenturen aus. Für den Gelegenheitsverkehr ermittelt. das dwif eine Multiplikatorwirkung von 5,8  Das bedeutet: Ein Euro Wertschöpfung, der unmittelbar bei einem Busunternehmen entsteht, bewirkt insgesamt nahezu sechs Euro Wertschöpfung bei direkten und indirekten Profiteuren.

Gleichzeitig verweist die Untersuchung auf die Folgen der Corona-Pandemie. Im Gelegenheitsverkehr wurden 2024 rund 46,1 Millionen Fahrgäste gezählt, gegenüber 77,2 Millionen im Jahr 2019. Das entspricht einem Rückgang von 40,2 Prozent. Dennoch liegt der wirtschaftliche Beitrag des Bustourismus laut Studie leicht über dem Niveau der Vorgängeruntersuchung von 2015 und unterstreicht damit die anhaltend hohe Bedeutung der Branche für Tourismus und regionale Wirtschaftskreisläufe.

Umsatz der Busunternehmen in neun Jahren um 77 Prozent gestiegen

Der Umsatz pro steuerpflichtiges Unternehmen im Omnibus-Gelegenheitsverkehr hat sich zwischen 2015 und 2024 um 77,6 Prozent positiv entwickelt. „Das ist eigentlich eine Hammerzahl“, kommentierte Harrer. Das Manko sei jedoch, dass dieses Wachstum mit einem deutlichen Rückgang der steuerpflichtigen Unternehmen verbunden sei. Dieses Problem betreffe nicht nur Busunternehmen, sondern auch Gastgewerbe und Reisebüros. „Die kleinen Unternehmen können sich oft nicht halten, die großen Unternehmen sind meistens leistungsfähiger und erwirtschaften natürlich einen deutlich größeren Umsatz“, so seine Erklärung.

Dr. Bernhard Harrer, Vorstand dwif
Hatte neben handfesten Zahlen zur Stärke der Bustouristik auch wertvolle Tipps für Busunternehmen dabei: dwif-Vorstand Bernhard Harrer
©Foto: OMNIBUSREVUE/Mireille Pruvost

Tipps für Busunternehmen

Neben Zahlen hatte der Marktforscher Harrer auch ein paar handfeste Tipps für die Bustouristiker dabei. „Optimieren Sie Ihr Angebot mit spektakulären Ideen, Ihre Marktpositionierung braucht ein klares Profil“, wandte er sich an die anwesenden Busunternehmerinnen und Busunternehmen. Der Gast sei der beste Unternehmensberater und fülle im Bus gerne mal einen Fragebogen aus. Die Produkt- und Servicequalität müsse sich permanent verbessern, so sein Appell. „Ohne innovative Lösungsansätze und ohne Investitionen in zielgruppengerechte Angebote und auf Basis belastbarer Zahlen lassen sich heute kaum mehr Einkommenszuwächse erzielen“, so seine Prophezeiung.

Premiere Nummer zwei: Wettbewerb „Top Bus Destination“

Zielgruppenspezifische Angebote für Busreisende – die neun nominierten Städte, Erlebniswelten und Sehenswürdigkeiten, die es ins Finale des neuen Wettbewerbs „Top Bus Destination 2026“ geschafft hatten, haben sie schon umgesetzt. Drei der neun Nominierten haben die Auszeichnung „Top Bus Destination“ gewonnen:

  •  Bremerhaven setzte sich in der  Kategorie Städte gegen Essen und die Lutherstadt Wittenberg durch. Die Jury überzeuge die zentralen Busausstiege der Seestadt mit kurzen Wegen zu den maritimen Attraktionen, der eigene Ansprechpartner für Busreisen mit engem Netzwerk vor Ort und maßgeschneiderte Busprogramme rund um Hafenleben, Kultur und Genuss.
  • Das Europa-Park Erlebnis-Resort behauptete sich im Finale in der Kategorie Erlebniswelten gegen die Autostadt Wolfsburg und Oskarshausen und punktete u.a. mit eigenem Busfahrerhaus, flexiblen Gruppengrößen und digitale Anmeldung.
  • In der Kategorie Sehenswürdigkeiten ging die Leuchtenburg hervor. Die Jury überzeugte der barrierefreie Schrägaufzug, die moderne Talstation mit Servicepunkt, Sanitäranlagen und Aufenthaltslounge und die Zehn kostenfreie Busparkplätze ohne erforderliche Vorausbuchung zehn kostenfreie Busparkplätze ohne erforderliche Vorausbuchung. Nominiert in der Kategorie Sehenswürdigkeiten waren auch Marksburg und die Welterbestätte Corvey.

„Busfreundlichkeit entsteht, wenn man den Reisebus von Anfang an in seine Gedanken mit einbezieht“, sagte bdo-Präsident Hülsmann. Doch die Realität sieht anders aus. Immer häufiger werden Zufahrten beschränkt, Haltemöglichkeiten  und Busparkplätze gestrichen. Deshalb ist es wichtig mit Auszeichnungen wie dieser hervorheben, dass es auch anders gehen kann und anders gehen sollte. Gerade wenn zugleich deutlich wird, was für ein bedeutender Wirtschaftsfaktor der Bustourismus für Deutschland darstellt.

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