Der Tourismo M/2 im Test

Mercedes-Benz Tourismo M/2, Supertest

Wer mit der aktuellen Setra-Baureihe vertraut ist, kann sich nun auch beim Tourismo über das Absenken der Karosserie ab etwa Tempo 90 km/h freuen, das verringert die Stirnfläche. Bedeutet weniger Bus, der sich gegen den Fahrtwind stemmen muss, auch weniger Wind­geräusche? Wenn der Wind nicht allzu ungünstig steht, dann stimmt das. Denn auch die neuen Spiegel, die übrigens aus der Setra-ComfortClass bekannt sein dürften, wurden strömungs- und damit windgeräuschoptimiert gestaltet. Überhaupt ist die Sicht in den Spiegeln gut, sowohl links als auch rechts wurden Rampen­spiegel verbaut, das erleichtert das Rangieren ungemein.

Der Fahrerarbeitsplatz kann als gelungen bezeichnet werden. Zumindest bei der Comfort-Plus-Version. Bei der Basis-Variante befinden sich leider einige Geräte in ungünstigen Positionen, auch ist die Optik weniger wertig gehalten. Ganz klar, ein solches Cockpit richtet sich in erster Linie an Einsätze, die vorwiegend im Kombiverkehr zu finden sind, beziehungsweise an kostenbewusste Unternehmer. Sein komplettes Potenzial jedoch kann der Tourismo erst mit der höherwertigen Cockpit-Version ausspielen, dieses war auch im Testbus verbaut. Ablagen gibt es ausreichend, allerdings wäre links ein Fach mit Klappe für sensible Utensilien sinnvoll. Absolut unverständlich ist die Position der USB-Ladebuchse für den Fahrer. Sie befindet sich versteckt unten links vor dem Federspeicherhebel und kann lediglich ertastet werden. Ansonsten gilt: Einsteigen, Sitz einstellen und wohlfühlen. Sämtliche, zu Bediengruppen zusammengefassten Schalter befinden sich an logischen Positionen, abgesehen von den beiden Tür-Tastern, die sitzen zu weit unten. Das ist aber möglicherweise bei der Fahrzeugkonfiguration entsprechend zu ändern.

Im Tourismo haben auch zahlreiche neue Assistenzsysteme Einzug gehalten. Schön dabei ist, dass das Cockpit dennoch nicht überfrachtet wirkt. Kein Wunder, die Entwickler haben die meisten Assistenz- und Sicherheitssysteme schier unmerklich in das Fahrzeug integriert, das bedeutet, man bekommt erst dann mit, dass sie an Bord sind, wenn sie in Aktion treten. Das gilt beispielsweise für den aktuellsten Notbrems­assistenten, ABA 4. Dieser machte sich selbst beim Supertest nicht bemerkbar, was aber auch gut so ist, denn ABA 4 bremst den Bus auch bei Fußgängererkennung ab. Dass ABA 4 funktioniert, zeigte übrigens der Supertest des Setra-Doppeldeckers S 531 DT, hier wurden vom Testredakteur entsprechende Versuche durchgeführt.

Dafür machte sich aber ein weiteres Sicherheitssystem, nämlich der von Mercedes-Benz genannte „Side Guard Assist“, recht häufig bemerkbar. Dabei handelt es sich um Radar­sensoren, die in Höhe des rechten Vorderrades verbaut sind. Sie informieren in einem ersten Schritt und warnen den Fahrer in einem zweiten, wenn sich etwas neben dem Bus befindet. Grundsätzlich ist das eine gute Sache, denn neben einer haptischen Warnung im Fahrersitz leuchten gelbe beziehungsweise rote Warnleuchten im Spiegel und im Zentraldisplay, allerdings besteht durchaus die Gefahr der Gewöhnung, falls zu häufig gewarnt wird. Eventuell wäre hier eine Kombination mit Kameras überlegenswert. Was allerdings während der Testfahrt positiv auffiel, war das Arbeiten des „Side Guard Assist“ während der Autobahnfahrten. Ab zirka Tempo 35 km/h wird das System nämlich zum Spurwechsel-Helfer. Die Funktionsweise ist recht einfach: Überholt der Bus beispielsweise einen Lkw und zieht zu früh, was im Übrigen auch einen fehlenden Sicherheitsabstand betreffen kann, wieder auf die rechte Spur, kommen entsprechende optische und haptische Warnungen. Das geschieht, da die Radar-Überwachungszone auf bis zu 15 Meter nach hinten ausgeweitet wird. In der Praxis hat das gut funktioniert.



 

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