Insbesondere die zweite Hälfte des „Krisenjahres“ 2010 war nach Berichten der Reedereien von Wachstum geprägt. Für das Jahr 2011 zeichnen sich teilweise sehr kräftige Zuwächse ab. Die Reederei DFDS Seaways etwa, die mehr als 60 Schiffe in Nord- und Ostsee betreibt, erwartet rund 15 Prozent Wachstum im Privatkundengeschäft und ein Buchungsplus von bis zu 30 Prozent im Gruppen-Geschäft. Entsprechend sind einzelne Hochsaison-Termine bereits heute komplett ausgebucht. Besonders gefragt: die Routen von Deutschland nach Litauen. Stena Line prognostiziert ebenfalls weiteres Wachstum, denn Großereignisse wie die Hochzeit des britischen Prinzen und die Olympischen Spiele 2012 würden das Reisevolumen nach England erhöhen. Im Finnlandverkehr erwartet Finnlines aufgrund günstiger Preisstrukturen einen Zuwachs beim Passagieraufkommen für 2011.
Die Zuversicht der Fährbranche findet ihren Niederschlag unter anderem in einer Reihe neu in Dienst gestellter und bei Werften georderter Schiffe. So lässt beispielsweise Scandlines derzeit auf der Volkswerft Stralsund zwei neue Fähren für die Strecke Rostock-Gedser (Dänemark) bauen. Sie sollen Anfang 2012 fertiggestellt sein und Kapazitäten für 460 Pkw oder 90 Lkw sowie für 1.500 Passagiere bieten. P&O hat zu Jahresbeginn die „Spirit of Britain" in Dienst gestellt – einen von zwei neuen Fähr-Giganten auf der Strecke Calais-Dover. Im September soll dann das Schwesterschiff „Spirit of France" folgen. Gebaut in Finnland, sind die je 180 Millionen Euro teuren und 213 Meter langen Schiffe die derzeit größten Fähren im Ärmelkanal. Fjord Line lässt im norwegischen Bergen zwei Kreuzfahrt-Fährschiffe mit je 303 Kabinen und Suiten bauen. Die erste der für 1.500 Passagiere ausgelegten Cruise-Fähren soll im April 2012 ihren Dienst auf der Fjord-Linie zwischen Dänemark und Nord-Norwegen aufnehmen; die zweite wird planmäßig im November desselben Jahres folgen. (ah)