Die Verkehrsministerkonferenz hat die Entscheidung über einen Vorstoß von Ländern zur Einführung eines „Deutschlandtickets light“ vertagt. Ein entsprechender Antrag der Länder Nordrhein-Westfalen und Hamburg über einen bundesweiten elektronischen Gelegenheitstarif sei bei der Verkehrsministerkonferenz von der Tagesordnung abgesetzt worden, erfuhr die „Deutsche Presse-Agentur“ aus Länderkreisen. Der Antrag sei zu kurzfristig eingebracht worden. Zuerst hatte darüber der „Bayerische Rundfunk“ berichtet.
Die Idee sieht vor, dass sich der Fahrgast per Smartphone bei Fahrtbeginn und -ende registriert und der günstigste Tarif automatisch berechnet wird. Fahrgäste sollen in einem Monat insgesamt aber nicht mehr als für ein Deutschlandticket zahlen. Der Antrag von NRW und Hamburg für die zweitägige Verkehrsministerkonferenz im bayerischen Hohenschwangau sah vor, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die ein Konzept für das neue Ticketsystem erstellen soll. Entschieden werden solle dann im Herbst 2027.
NRW will Ticketvertrieb weiter vereinfachen
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sagte der „Deutschen Presse-Agentur“, es sei „bedauerlich, dass sich SPD und CDU den Diskussionen zu einem bundesweiten Gelegenheitstarif für den ÖPNV nicht stellen wollten. Das ist eine verpasste Chance für Digitalisierung, Kostensenkung und Komfort für die Fahrgäste“.
Der Antrag sei fristgerecht eingereicht worden und aus Sicht von Hamburg und Nordrhein-Westfalen dringend, sagte Krischer. „Wir setzen uns weiterhin dafür ein, den Ticketvertrieb deutschlandweit zu vereinfachen und den Zugang zum öffentlichen Nahverkehr für noch mehr Menschen attraktiver zu machen.“ Das Thema solle auf die nächste Tagesordnung der Verkehrsministerkonferenz gesetzt werden.
Widerspruch aus Bayern und vom VDV
Zu dem Antrag hatte es Widerspruch aus Bayern gegeben. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), aktuell Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, sagte: „Uns fehlt an allen Ecken und Enden Geld. Es ist nicht die Zeit für immer noch mehr Leistungen.“ Es sei gelungen, das Deutschlandticket an sich zu sichern. „Damit haben wir bereits ein sehr gutes Angebot“, sagte Bernreiter und betonte: „Ich sehe weder die Zustimmung des Bundes noch die notwendige Einstimmigkeit der Länder für ein solches Vorhaben.“
Kritik am Vorstoß kam auch vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV): „Ein solches Angebot verursacht Kosten und rüttelt an der Logik des Deutschlandtickets, das als Deutschland-Flatrate im monatlich kündbaren Abo zum Erfolg geworden ist“, teilte der Verbandsgeschäftsführer für den öffentlichen Nahverkehr, Alexander Möller, mit. „Die Branche hat dafür kein Geld.“
Niedersachsens Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sagte zum Antrag, Niedersachsen sehe das grundsätzlich positiv. „Wir werden ein D-Ticket light konstruktiv diskutieren.“