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Klimaneutraler Busverkehr: Teuer aber machbar

In Sachen CO2 haben Busse beim "Pro-Kopf-Ausstoß" auf den Fahrgast gerechnet noch immer die Nase vorn. Damit das so bleibt, lastet Handlungsdruck auf der Busbranche. Der WBO plädiert für eine kluge Transformation ohne unnötigen Zeitdruck, um eine Kostenexplosion zu vermeiden.
© Foto: WBO

„Wir fahren, was ihr wollt. Jemand muss es halt bezahlen.“ Ein Satz, der mehr Wahrheit birgt, als manchem Klima-Aktivisten lieb sein wird – doch er bringt zutreffend das Ergebnis einer Studie, die der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) in Auftrag gegeben hat, auf den Punkt. Die Studie unter dem Titel „Transformationsprozess zu emissionsfreien Bussen im Kontext der Clean Vehicles Directive (CVD)“ wurde gerade veröffentlicht.


Datum:
11.05.2022
Autor:
Judith Böhnke
Lesezeit: 
9 min
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Das Ergebnis der Studie, die vom baden-württembergischen Ministerium für Verkehr (VM) gefördert wurde, könnte kaum eindeutiger sein: den ÖPNV in Baden-Württemberg bis 2040 komplett klimaneutral zu machen, kann gelingen, bedarf aber erheblicher, auch finanzieller Anstrengungen. Die Studie gibt dabei konkret Aufschluss über die Machbarkeit und die möglichen Umsetzungspfade hin zu klimaneutralen Busverkehren im ÖPNV.

Die gute Nachricht: Nimmt man sich bei der Transformation die Zeit, die derart tiefreifende und umfassende Veränderungen zum Wachsen brauchen, werden die Kosten nicht – wie von vielen Seiten befürchtet – explodieren. Eine Kostenexplosion ist jedoch ziemlich sicher zu erwarten, wenn die Dinge forciert und unter zeitlichem Druck bis 2032 durchgepeitscht werden. Dann müssten laut Studie mit jährlichen Mehrkosten zwischen 90 und 280 Millionen Euro gerechnet werden – wenn man das ÖPNV-Angebot nicht noch erweitern will. Finanziell milder würde sich eine Streckung der Transformation bis zum Jahr 2040 auswirken. Unter Berücksichtigung, dass der CO2-Preis weiter steigt, es eine Förderung bis 2030 gibt, Kostanparität ab 2035 zu erwarten wäre und nicht zuletzt auch ein weiterer Technologie-Fortschritt, reduzierten sich die Mehrkosten laut Studie auf rund 35 Millionen Euro pro Jahr. Die Zahl integriert keine weitere Förderung und geht von der Annahme aus, dass ab 2030 die Förderung linear zurückgefahren wird.

Klimaneutraler Busverkehr: Infrastruktur fehlt – und ist kurzfristig nicht herbeizuzaubern

Die Strategie, den Busverkehr innerhalb der kommenden zehn Jahre klimaneutral umzukrempeln, ohne Mehrkosten in dreistelliger Millionenhöhe in Kauf zu nehmen, scheitert bislang in erster Linie an den erforderlichen Stromnetzen und am Fehlen „grünen“ Wasserstoffs. Auch harren belastbare regionale Umsetzungskonzepte noch ihrer wohlbedachten Planung und Realisierung innerhalb des weiten Feldes aller denkbaren Möglichkeiten. Die vieldiskutierte „Energiekrise“, in die Deutschland derzeit zunehmend tiefer hineinschlittert, leistet einen weiteren Beitrag, wurde in der Studie aber außen vorgelassen.

Erschwerend komme hinzu, so die Macher der Studie, dass momentan die Reichweiten von batterieelektrischen Bussen im Winter noch keine eine 1:1-Umsetzung der Klimaschutz-Ideen gewährleisten – zumal zusätzlich im Bus auf Dieselheizungen verzichtet werden soll. Es gibt keine ausreichenden Flächen für neue Betriebshöfe und auch das erforderliche Fahrpersonal fehlt. Deshalb plädiert der WBO dafür, den Transformationsprozess behutsam einzuleiten und die vollständige Umsetzung im Zieljahr 2040 zu verwirklichen.

Klimaneutraler Busverkehr: Transformation bleibt herausfordernd

Der Transformationsprozess, dem ein klimaneutraler Busverkehr unter allen Umständen unterworfen bleibt, gestaltete sich auch ohne zeitlichen Druck herausfordernd genug: Anfang des nächsten Jahrzehnts sollen (Stand jetzt) endgültig keine Fahrzeuge mit Diesel-Verbrennungsmotoren für den ÖPNV mehr beschafft werden. Das bedeutet nach Überzeugung des WBO, dass bis dahin so oder so alle infrastrukturellen und systemischen Voraussetzungen für den Wandel geschaffen worden sein müssen. Die CVD- Quoten gelte es mindestens einzuhalten, und dabei keine Schlupflöcher zuzulassen. Denn je früher mit der Umsetzung begonnen und entsprechend geplant werde, desto weniger herausfordernd werde sich die Situation zum Ende des Jahrzehnts gestalten.

Entsprechend betont Verkehrsminister Winfried Hermann, MdL: „Die Studie des WBO hat uns ein großes Stück weitergebracht. Als Verkehrsministerium leiten wir aus der Studie das Ziel ab, dass bis 2030 rund 50 Prozent der Busse in Baden-Württemberg klimaneutral fahren können. Bis 2040 dann 100 Prozent.“ Minister Hermann ergänzt: „Um dies zu erreichen, müssen Bund und Land aber weiter mit der passenden Förderkulisse unterstützen.“

Der Bund fördert den Transformationsprozess mit 1,255 Milliarden Euro bis 2024. Bislang ist davon nur wenig in Baden-Württemberg angekommen – generell stünden Länder und Kommunen ebenso in der Pflicht. „Die gute Botschaft ist“, so MBO-Geschäftsführer Dr. Witgar Weber, „dass jetzt die Verkehrsunternehmen in Baden-Württemberg wissen, was wie schnell auf sie zukommt“. Nichtsdestotrotz stünden die Omnibusunternehmen vor immensen Herausforderungen, die nur gemeinsam mit viel gutem Willen gemeistert werden können.“

Wer sich für die Details der Studie interessiert kann sie auf der Homepage des WBO im Volltext oder als Kurz-Präsentation herunterladen.

Klimaneutraler Busverkehr: die Clean Vehicles Directive (CVD)

Die EU-Beschaffungsrichtlinie für saubere Fahrzeuge (CVD – „Clean Vehicles Directive“) gibt die Marschroute für den Abschied vom Dieselbus im ÖPNV vor. Seit 2. August 2021 sind die Mindest-Quoten der CVD national im „Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungsgesetz“ umgesetzt. Es enthält Regelungen für Vergabeverfahren der öffentlichen Hand und für Beschaffungsvorgänge hinsichtlich neuer Fahrzeuge. Ziel der Richtlinie und der nationalen Umsetzung ist es, ÖPNV-Straßenverkehre dem Klimaschutz zu verpflichten und den CO2-Ausstoß über einen verbindlichen Anteil „sauberer“ und „emissionsfreier“ Fahrzeuge bis 2030 zu senken. Das Land Baden-Württemberg strebt im Gegensatz zu anderen Bundesländern an, mehr als diese Mindestziele umzusetzen. Es will die Vorgaben im kommenden Landesmobilitätsgesetz fest verankern.

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