Das gab Jan Wawrzyniak, Direktor des Polnischen Fremdenverkehrsamtes, anlässlich des RDA-Workshop in Köln bekannt. Bereits vor einigen Wochen hat das polnische Parlament entsprechende Änderungen im Umsatzsteuergesetz verabschiedet. Danach können sich ausländische Busunternehmen im Gelegenheitsverkehr nach einem vereinfachten Verfahren für die Umsatzsteuer anmelden und diese auch einfacher abrechnen. Voraussetzung: Die Busunternehmer wollen keine Umsatzsteuer-Verrechnung in Polen vornehmen und auch keine Steuer Rückzahlungen beantragen. Die ausländischen Busunternehmen können sich künftig beim zuständigen Finanzamt in Warschau online für das vereinfachte Verfahren anmelden und erhalten dort ihre Ident-Nummer. Damit können sie ihre Umsatzsteuererklärungen quartalsweise online abgeben und danach die fällige Steuer entrichten. Nach diesem vereinfachten Verfahren entfällt die Pflicht, sich nach dem allgemeinen Besteuerungsverfahren anzumelden. Das neue Verfahren gilt ab 1. Januar 2012. Einen Vorteil erhofft sich Wawrzyniak durch die Neuregelungen vor allem für den Gelegenheitsverkehr. Für Veranstalter, die nur gelegentlich eine Reise nach Polen organisieren, stellte die bisher erforderliche Anmeldung nach dem allgemeinen Besteuerungsverfahren eine Hürde dar. „Wir hoffen, dass diese jetzt einfach und unkompliziert eine Busreise veranstalten können“, so Wawrzyniak. Das Fremdenverkehrsamt werde auf der Website www.polen.travel ausführlich über die neue Regelung informieren. Die Polnische Tourismusorganisation hatte sich in der Vergangenheit für die Erleichterungen bei den Busreisen eingesetzt. Bereits seit dem 1. Juli 2011 hat Polen ein neues Mautsystem viaTOLL, das auch für alle in- und ausländischen Reisebusse mit mindestens neun Plätzen auf Autobahnen und ausgewählten Schnellstraßen gilt. Die Gebühren richten sich nach der Zahl der gefahrenen Kilometer sowie der Größe und Schadstoffklasse des Fahrzeugs. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten funktioniere das System jetzt relativ problemlos, betonte Wawrzyniak in Köln. Die für das System erforderliche viaBOX könne man unkompliziert gegen einen Pfandbetrag von 120 Zloty, umgerechnet 30 Euro, in mehreren Hundert Stationen erhalten. Solche Kontaktstellen gibt es unter anderem im Bereich der wichtigsten Grenzübergänge, aber auch an zahlreichen großen Tankstellen überall in Polen. Mittlerweile wurden bereits 350.000 viaBOX-Geräte ausgegeben. Wawrzyniak wies darauf hin, dass bislang nur rund 1.500 Kilometer der polnischen Straßen und Autobahnen mautpflichtig seien. Für viele Busunternehmen bringe die neue Regelung Vorteile gegenüber den bisherigen Vignetten, die unabhängig von den gefahrenen Strecken erforderlich waren. „Wer zum Beispiel von Görlitz aus ins Riesengebirge und das Hirschberger Tal fährt, muss dazu keine mautpflichtigen Straßen benutzen und braucht überhaupt keine viaBOX. Nach der bisherigen Regelung hätte man auch für eine solche Tagestour eine Vignette für etwa fünf Euro benötigt.“ Nur auf sehr wenigen Routen, unter anderem in Richtung Krakau, könne es zu Mehrbelastungen Wawrzyniak verwies darauf, dass die Mautgebühren in Polen unter denen in vergleichbaren anderen Ländern lägen. In Polen fielen für Busse je nach Schadstoffklasse zwischen vier und zehn Cent pro Kilometer an. In Italien lägen die Gebühren zwischen 6,3 und 9,9 Cent pro Kilometer, in Österreich zahle man zwischen 14,6 und 37,4 Cent. (ah)
Polen vereinfacht Steuersystem
Um Polen für Bus-Reiseveranstalter attraktiver zu machen, werden ab Anfang 2012 die steuerlichen Regeln vereinfacht.