"2.066 Aussteller aus 45 Ländern präsentieren auf der weltweit wichtigsten Leitmesse für Mobilität, Transport und Logistik die Innovationskraft dieser Industrie. Sie wollen ‚Zukunft bewegen‘. Kein anderes Verkehrsmittel hat in den vergangenen Jahren solche Quantensprünge vollbracht wie das Nutzfahrzeug – es ist ein wahres Technologiepaket auf Rädern", betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf der Eröffnungsfeier der 65. IAA Nutzfahrzeuge in Hannover vor rund 700 hochrangigen Gästen aus Politik und Wirtschaft.
Eröffnet wurde die 65. IAA Nutzfahrzeuge von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Er unterstrich: "Die IAA Nutzfahrzeuge ist die weltweit bedeutendste Messe dieser Art. Fahrzeughersteller und Zulieferindustrie zeigen eindrucksvoll, welche Innovationen und Trends die Nutzfahrzeugbranche bietet. Besonders interessant sind die technischen Entwicklungen in den Bereichen Vernetzung, Effizienz und Fahrzeugsicherheit. Hier liegen Wachstumspotenziale, die wir für den Standort Deutschland nutzen müssen."
Die Zahl der Aussteller ist erneut um 9 Prozent gestiegen und liegt nur knapp unter dem Rekordniveau des Jahres 2008. Dies ist die zweitstärkste Beteiligung, seit es eine eigenständige IAA Nutzfahrzeuge gibt, also seit 22 Jahren. Auch mit der erneut größeren Ausstellungsfläche (knapp 265.000 Quadratmeter) wird nahezu ein Höchststand erreicht. Der Anteil der internationalen Aussteller (1.216) ist mit 59 Prozent so hoch wie nie zuvor.
Mit dem "China-Day", dem "Indien-Tag" und dem "Türkei-Tag" habe diese IAA drei Länderschwerpunkte. "Rund 30 Fachveranstaltungen und Kongresse machen das Messegelände zu einem eindrucksvollen Konferenzsaal. Gemeinsam wollen wir die neuesten technologischen, wirtschaftlichen und konjunkturellen Entwicklungen analysieren", sagte der VDA-Präsident.
Auch im öffentlichen Personenverkehr sei der Verkehrsträger Straße nicht wegzudenken, betonte der VDA-Präsident: "Jährlich bringen Busse über 5 Milliarden Fahrgäste ans Ziel – das sind 43 Prozent des Gesamtaufkommens von Bussen und Bahnen." Eine "außerordentliche Erfolgsstory" schreibe der Fernbus: In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden bereits über 10 Millionen Fahrgäste gezählt, bis zum Jahresende seien über 15 Millionen Fahrgäste möglich. Zugleich sei der Bus ein wahrer CO2-Champion: Voll besetzt verbrauche er weniger als einen Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer und Fahrgast.
Dieser Fortschritt sei vor allem das Ergebnis massiver Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) umweltfreundlicher Technologien. Nahezu ein Drittel der deutschen F&E-Ausgaben gehe auf das Konto der Automobilindustrie, so Wissmann.
Ein moderner Euro-VI-Lkw stoße heute bis zu 98 Prozent weniger Schadstoffe aus als ein LKW vor 25 Jahren. Gegenüber dem bisherigen Euro-V-Standard werden die Stickoxid-Emissionen um 80 Prozent gesenkt, bei Feinstaubpartikel sind es rund zwei Drittel weniger.
Auch die EU-Kommission habe erkannt, dass starre CO2-Grenzwerte im Nutzfahrzeugmarkt nicht sinnvoll umzusetzen seien: "Sie hat die große Vielfalt des Nutzfahrzeugmarktes berücksichtigt und setzt auf mehr Transparenz im Markt", sagte Wissmann. Vor allem von alternativen Antriebsarten verspreche er sich weitere CO2-Einsparungen. So sei etwa Erdgas für Busse, leichte Nutzfahrzeuge und Trucks geeignet. Bei leichten Nutzfahrzeugen würden Hybrid- oder reine Elektroantriebe immer interessanter – gerade für den Verteilerverkehr. Für schwere Lkw im Langstreckenverkehr werde hingegen der effiziente und saubere Dieselmotor vorerst die überzeugende Antwort bleiben.
Mindestens so wichtig wie die Umweltfreundlichkeit sei die Sicherheit im Straßengüter-verkehr, betonte der VDA-Präsident und nannte als Beispiele die adaptive Geschwindigkeitsregelung, den Abstandswarner, den Bremsassistenten oder den Spurhalteassistent.
"Unsere Unternehmen wollen die bestehenden Assistenzsysteme konsequent erweitern und ausbauen. Der nächste Schritt wird das teil-automatisierte Fahren sein. Der Fahrer wird bei Routineaufgaben entlastet, er wird vor Gefahren gewarnt. Das bedeutet weniger Stress für den Fahrer, auch die Unfallzahlen werden damit weiter nach unten getrieben. Auch in der Logistik bietet die Vernetzung enorme Chancen. Die Lieferkette und Transportprozesse werden noch transparenter“, sagte Wissmann. Insbesondere beim Stichwort „Vernetzung“ könne der Besucher auf der IAA weit vorausblicken – passend zum IAA-Motto „Zukunft bewegen."
Auch Bundesverkehrsminister Dobrindt ging auf die Vernetzung ein: "Die Digitalisierung wird das Autofahren revolutionieren. Beim automatisierten Fahren sind die deutschen Hersteller mit führend und gestalten die Zukunft des Fahrens ganz maßgeblich mit. Intelligente Verkehrstechnologien können den Fahrer entlasten und Fahrfehler auffangen. Sie können z. B. den Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen regulieren oder dafür sorgen, dass das Fahrzeug die Spur hält. Das Bundesverkehrsministerium hat zum Automatisierten Fahren bereits einen Runden Tisch mit allen Beteiligten eingerichtet - mit dem Ziel, rechtliche, wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragen zu diskutieren und zu klären. Wir erwarten bis Ende des Jahres erste Ergebnisse. Wir wollen den Prozess der Digitalisierung aktiv gestalten – im Sinne der Verkehrssicherheit, der Verbraucher und des Wirtschafts- und Innovationstandorts Deutschland."