Mehr als ein Menschenleben hat so mancher ausgestellte Bonsai erlebt. Zwischen den kostbaren Miniatur-Preziosen ragen mannshohe Gartenbonsai unter lackroten Japanschirmchen hervor und entführen die Besucher noch bis zum 7. Juli in fernöstliche Gartenwelten. Sieben Aussteller sind angetreten, um mit ihren anspruchsvollen Zimmer- und Gartengehölzen zu glänzen. In der sehenswerten Ausstellung kommen Bonsai-Liebhaber auf ihre Kosten und können überaus beeindruckende Exemplare der asiatischen Formschnittkunst bewundern. Lärchen, Zirbel-Kiefern und Hainbuchen thronen in flachen Pflanzschalen auf schlichten Schemeln in Augenhöhe der Ausstellungsbesucher und zeigen, wie vollkommen sie in ihrer Miniaturgestalt „natürlichen“ Bäumen nachempfunden sind. Die Kunst der Bonsai-Erziehung, einst in China entwickelt und später in Japan zur höchsten Gartenkunst verfeinert, erfordert regelmäßige Schnittmaßnahmen von Fachleuten an Ästen und Wurzeln. Die gewünschte Wuchsform wie „Kaskadenform“ oder „Waldform“ unterliegt strengen Stilregeln.
Neben den lebenden Baumskulpturen in Miniformat verweisen die größeren Gartenbonsais ebenfalls auf japanische Gartenkunst-Traditionen. In Fachbetrieben werden die zwergwüchsigen Gartengehölze über Jahrzehnte erzogen und geformt. Buchs, Eiben und Thujen erhalten durch jährliches Stutzen eine perfekte dichte Oberfläche, wie die in der Hallenschau gezeigten unverwechselbaren Unikate zeigen. Ergänzt wird die Bonsai-Ausstellung mit einem Sortiment ausgewählter zwergwüchsiger Ginkgo-Sorten.
Die hohe Qualität der präsentierten Gehölze in der 11. Hallenschau zeigt sich im Ergebnis. 124 Medaillen vergab die Jury an die sieben teilnehmenden Fachbetriebe der „Kyoto Connection“ insgesamt, darunter vier Große Goldmedaillen der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft mbH (DBG) und einen Ehrenpreis. Die hohen Auszeichnungen gehen nach Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. (ah)