Rund 170 Stände breiten sich in Bremen vor dem 600 Jahre alten Rathaus und dem Roland aus. Die Cranach-Höfe in der ehrwürdigen Lutherstadt Wittenberg locken derweil mit hochwertigem Kunsthandwerk, und die Frankenmetropole Bamberg wird kurzerhand zu einer Krippenstadt. Einmal im Jahr vollziehen sich in deutschen Städten zauberhafte Verwandlungen. Überall liegt Weihnachtsduft in der Luft, und doch hat jede Region ihre eigenen Bräuche und Traditionen. Der Advent ist ein lebendiges Mosaik – facettenreich wie die 38 deutschen Welterbestätten selbst.
In Lübeck eröffnet eine ganz besondere Lampionprozession das vorweihnachtliche Treiben. Kurz vor dem ersten Adventwochenende strömt das Licht von St. Marien aus und ergießt sich auf die vielen Kunsthandwerker- und Weihnachtsmärkte der Stadt. Dieses „Adventsleuchten“ scheint wie ein Fanal zeitgleich Hunderte Orte zu erfassen. In Quedlinburg bilden 2.000 Fachwerkhäuser die romantische Kulisse für das vorweihnachtliche Erlebnis, zu dem viel Musik – auch Swing und Dixi – gehört, gewürzt mit einer unvergleichlichen Vielfalt von mehr als 40 verschiedenen Sorten Glühwein, Feuerzangenbowle und Glögg. Auch in der Moselmetropole Trier weiß man fröhlich zu feiern, und so erschallen zwischen Dom und mittelalterlichem Markt die Gesänge von Liedermachern, Chören und Tenören. Selten klingt es so stimmungsvoll wie in der Adventszeit: Unter den vielen schönen Konzerten ist das „Weihnachtsoratorium zum Mitsingen“ ein besonderes Ereignis, das am 7. Dezember nicht nur die Fans von Johann Sebastian Bach in die Wittenberger Schlosskirche zieht.
Jeder Weihnachtsmarkt wirkt durch sein ganz spezielles Ambiente. Während im Roeder-Stollen des historischen Bergwerks Rammelsberg Kunsthandwerker ihre Arbeiten unter Tage ausstellen, wandelt der Besucher im nahen Goslar durch einen festlich beleuchteten Weihnachtswald. In Lorsch erlebt er gar ein „Blaues Weihnachtswunder“, denn die Klosterstadt, unmittelbar neben dem Weltkulturerbe gelegen, präsentiert sich mit blauen Holzbuden und ansonsten „poetisch, märchenhaft und leise“.
Die Bamberger haben sich im Advent der Krippenkunst verschrieben. An 36 Stationen in der Stadt gibt es große, kleine, traditionelle und moderne Varianten zu bestaunen, mal aus Holz und Stein, mal aus Papier oder Kunststoff. Wer da ein ähnlich ausgefallenes Exemplar sucht, muss sich auf der Limes-Straße nach Aalen begeben. In dem Museum auf dem Gelände des ehemals größten antiken Reiterkastells nördlich der Alpen ist ab 15. Dezember eine römische Krippe zu bewundern, die die Weihnachtsgeschichte auf 16 Quadratmetern authentisch darstellt: Gebäude und die Kleider der Figuren entsprechen dem 1. Jahrhundert. Weitere Informationen zu den UNECSO-Stätten in Deutschland unter http://www.unesco-welterbe.de. (ah)