17.06.2015Erste E-Buslinie Sachsens nimmt Betrieb auf

Am 17. Juni startete der Fahrgastbetrieb auf der ersten rein elektrisch betriebenen Buslinie in Sachsen, die von der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) AG betrieben wird.

Die Quartierbuslinie 79 Mickten–Übigau ist 5,2 Kilometer lang und bedient in einem Umlauf 16 Haltestellen in einer Fahrzeit von 16 Minuten. Der Bus verkehrt im 20-Minuten-Takt und hat somit am Endpunkt eine Wendezeit von maximal vier Minuten. Diese Zeit reicht aus, um die Akkus mit einem Hochstromladegerät teilweise wieder aufzuladen und bei Bedarf den Fahrgastraum vorzuheizen. Die Staugefahr auf der Strecke ist gering. Hinzu kommt, dass der Endpunkt am Dreyßigplatz von drei Straßenbahnlinien tangiert wird und somit elektrotechnisch ideal mit Bahnstrom versorgt ist. Die „79“ eignet sich damit laut DVB perfekt für die Umrüstung auf Elektrobetrieb. Deshalb kommt hier der erste DVB-Elektrobus des Typs Solaris Urbino 12 electric zum Einsatz. Bei einer Tagesfahrleistung von bis zu 300 Kilometern einschließlich emissionsfreier Heizung benötigt er keine zusätzlichen Ladezeiten außerhalb der planmäßigen Wendezeiten.

Auf dem Wagendach des Busses befindet sich ein ausklappbarer, fünfpoliger Stromabnehmer zum Nachladen. Am Endpunkt Dreyßigplatz in Mickten eingangs der Lommatzscher Straße wurde dafür eine barrierefreie E-Bus-Musterhaltestelle mit Hochstrom-Ladestation errichtet. Ihre Energie bezieht sie aus der Straßenbahnfahrleitung mit einer Nennspannung von 600 Volt. Beim Anfahren der Bahnen und Rückspeisen des Stroms beim Bremsen schwankt die Eingangsspannung jedoch zwischen 500 und 1.000 Volt. Die Akkus benötigen für die Ladung aber eine stabile Spannung von rund 748 Volt. Deshalb kommt hier ein Trafo zum Einsatz. Aufgrund dieser Herausforderung hat der Hersteller ein völlig neuartiges Ladegerät entwickelt. Auf dem Bus sind fünf Lithium-Ionen-Akkumulatoren mit einem Gesamtenergiegehalt von 200 Kilowattstunden montiert, zwei auf dem Dach und drei im Heck. Zwei Elektromotoren mit einer Spitzenleistung von je 100 Kilowatt Leistung sitzen direkt an den Rädern in der Antriebsachse. Damit kann der Bus die gesamte Strecke sowie alle nötigen Wege vom und zum Betriebshof zurücklegen. Auch die Nebenaggregate werden voll elektrisch betrieben. Über Nacht wird der Akku auf dem Betriebshof Trachenberge aufgeladen und die Zellen der Batterie ausbalanciert.

Das Gemeinschaftsprojekt der DVB und der Technischen Universität Dresden (TUD) ist Bestandteil des Bundesprogramms „Schaufenster Elektromobilität“. Die Kosten der DVB für die dreijährige Projektlaufzeit einschließlich der Beschaffung des Elektrobusses und des Ladegerätes für den Betriebshof sowie des Baus der Ladehaltestelle in Mickten belaufen sich auf 890.000 Euro. Hinzu kommen die Kosten der Technischen Universität Dresden (TUD) für die Beschaffung der Akkumulatoren, ihre wissenschaftlich fundierte Auslegung und die Untersuchungen zu deren Verhalten im Linienbetrieb in Höhe von 680.000 Euro. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beteiligt sich mit einer Fördersumme von 1,14 Millionen Euro.

Der Traktionsspeicher wird bei dem geplanten Einsatz voraussichtlich nicht die Lebensdauer des Fahrzeugs erreichen. Von einer gealterten Batterie spricht man, wenn nur noch 80 Prozent der Nennkapazität zur Verfügung stehen oder der Innenwiderstand der Zellen einen definierten Wert überschreitet. Die Wissenschaftler des Instituts für Automobiltechnik Dresden – IAD der TUD stehen nun vor der Aufgabe, die Lebensdauer der Energiespeicher durch einen möglichst effizienten Einsatz zu maximieren. Hierzu werden einzelne Zellen in Labortests künstlich gealtert, um zu erkennen, welche Faktoren signifikante Alterungserscheinungen hervorrufen. Daraus leiten die Wissenschaftler optimale Ladestrategien ab. Die Ergebnisse werden maßgeblich Einfluss auf betriebswirtschaftlich tragfähige Lösungen für den Einsatz von Elektrobussen haben und damit auf innovative Mobilitätsangebote der Zukunft. (ah)



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