„Patrick Schnieder hat wichtige Reformen und Modernisierungsschritte für unsere Branche angestoßen. Dafür danken wir ihm ausdrücklich“, sagte Christiane Leonard, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) anlässlich des Wechsels an der Spitze des Bundesverkehrsministeriums. Sie bedankte sich bei Patrick Schnieder für die „konstruktive Zusammenarbeit der vergangenen Monate und die Umsetzung wichtiger Reformen“ für die Busbranche.
Reform der Berufskraftfahrerqualifikationsverordnung
Unter Patrick Schnieder hätten insbesondere im Bereich des Führerscheinerwerbs und der Berufskraftfahrerqualifikation bedeutende Fortschritte erzielt werden können, so der bdo. „Mit der jüngst verabschiedeten Reform der Berufskraftfahrerqualifikationsverordnung wurden langjährige Forderungen der Busbranche umgesetzt. Unter anderem wird die praktische Prüfung deutlich verkürzt und praxisgerechter ausgestaltet. Zudem kann die Prüfung der beschleunigten Grundqualifikation künftig in zahlreichen Fremdsprachen abgelegt werden“, schreibt der Branchenverband in einer Mitteilung.
"Gerade die Verbesserungen beim Berufszugang für Busfahrerinnen und Busfahrer sind ein wichtiges Signal für unsere mittelständischen Unternehmen."
Christiane Leonard, bdo-Hauptgeschäftsführerin
Verbesserungen beim Berufszugang
Gleichzeitig habe das Bundesverkehrsministerium zugesagt, weitere noch offene Forderungen des bdo, insbesondere den sogenannten 2-in-1-Vorschlag zur Verzahnung der praktischen Führerscheinprüfung mit dem praktischen Teil der Grundqualifikation, aktiv weiterzuverfolgen. „Gerade die Verbesserungen beim Berufszugang für Busfahrerinnen und Busfahrer sind ein wichtiges Signal für unsere mittelständischen Unternehmen“, betonte Christiane Leonard.
Fahrpersonalmangel bleibt eine Herausforderung
Aus Sicht des bdo darf dieser Reformprozess nun nicht ins Stocken geraten. „Der Fahrpersonalmangel bleibt eine der größten Herausforderungen unserer Branche. Deshalb werden wir gemeinsam den eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzt. Insbesondere unser 2-in-1-Vorschlag bietet die Chance, Ausbildungswege zu vereinfachen, Doppelprüfungen abzubauen und den Einstieg in den Fahrerberuf deutlich attraktiver zu gestalten“, betonte Christiane Leonard.
"Wir brauchen keine Parallelwelten, sondern intelligente Mobilitätsangebote, die bestehende ÖPNV-Strukturen sinnvoll miteinander verbinden."
Christiane Leonard, bdo-Hauptgeschäftsführerin
Modernisierungskurs mit Steffen Bilger fortsetzen
Mit Steffen Bilger (CDU) übernimmt ein ausgewiesener und langjähriger Verkehrspolitiker die Leitung des Bundesverkehrsministeriums. Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages sowie seiner Erfahrung als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium kenne er die Herausforderungen der Mobilitätsbranche aus erster Hand, so der bdo. Man freute sich deshalb auf die künftige Zusammenarbeit und darauf, den „begonnenen Modernisierungskurs gemeinsam fortzusetzen“.
Autonomes Fahren als wichtige Aufgabe
Neben der Fahrergewinnung sieht der bdo im autonomen Fahren die zweite große Zukunftsaufgabe des Bundesverkehrsministeriums. Der Koalitionsvertrag formuliert das Ziel, Deutschland zum Leitmarkt für autonomes Fahren zu entwickeln. Dieses Ziel könne jedoch nur erreicht werden, wenn der bestehende öffentliche Nahverkehr und seine Betreiber von Anfang an eine zentrale Rolle spielen. „Autonomes Fahren wird nur dann erfolgreich sein, wenn es sich nahtlos in den bestehenden öffentlichen Verkehr integriert. Wir brauchen keine Parallelwelten, sondern intelligente Mobilitätsangebote, die bestehende ÖPNV-Strukturen sinnvoll miteinander verbinden“, sagte Christiane Leonard.
"Wer Deutschland zum Leitmarkt für autonomes Fahren machen möchte, darf nicht allein auf die großen Technologieunternehmen schauen. "
Christiane Leonard, bdo-Hauptgeschäftsführerin
Busunternehmen müssen wichtige Rolle spielen
Dabei komme dem privaten Busmittelstand eine Schlüsselrolle zu, so der bdo, der daran erinnert, dass rund 50 Prozent aller Busse im deutschen ÖPNV von privaten und mittelständischen Unternehmen betrieben werden. Diese Unternehmen verfügten über jahrzehntelange Erfahrung bei Betriebsplanung, Fahrgastmanagement, Leitstellenbetrieb und Fahrzeugdisposition. „Wer Deutschland zum Leitmarkt machen möchte, darf nicht allein auf die großen Technologieunternehmen schauen. Die Unternehmen, die den öffentlichen Verkehr heute erfolgreich betreiben, müssen von Beginn an Teil der Entwicklung sein“, so Christiane Leonard.
Praktische Erfahrung der Busunternehmen nutzen
Ein zentraler Handlungsbedarf beim Thema autonomen Fahren besteht aus Sicht des bdo weniger bei Anpassungen des PBefG, das bereits technologieoffen ausgestaltet ist, sondern im Bereich der Typgenehmigungen autonomer Fahrzeuge. Bislang werde der komplexe Genehmigungsprozess nahezu ausschließlich zwischen Herstellern und Behörden abgewickelt. Die praktische Erfahrung der Busunternehmen bleibe dabei weitgehend unberücksichtigt. Der bdo fordert daher die Verantwortung für Technik und Betrieb künftig enger mit den Unternehmen zu verzahnen. Nur so könne „die notwendige Betriebssicherheit gewährleistet und gleichzeitig die Wertschöpfung im deutschen Mittelstand gestärkt werden“.