Elektrobus-Test bei der KVG nach zehn Tagen beendet

07.09.2012 15:59 Uhr
E-Bus in Kassel
© Foto: KVG

„Angenehm überrascht“: So lautet die Bilanz von Dr. Thorsten Ebert, Vorstand Kasseler Verkehrs-Gesellschaft Aktiengesellschaft (KVG), nach dem zehntägigen Praxistest des Elektro-Midibusses Solaris Urbino 8,9 LE electric.

Der fast neun Meter lange Midibus fuhr von 28. August bis zum 6. September 2012 täglich auf einem Teil der Documenta-Linie d13 und wurde auch auf anderen KVG-Strecken getestet. Ein für das Fahrpersonal und die Passagiere angenehmes Reisen, eine flotte Beschleunigung und ein modernes, frisches Innendesign: Mit diesen Vorzügen hat der Elektro-Midibus von Solaris bei der KVG gepunktet. „Wir und unsere Fahrgäste haben einen sehr guten Eindruck von diesem Bus gewonnen“, bilanziert Oliver Kriegel, der gemeinsam mit seinem Kollegen Michael Schuß das Fahrzeug täglich über die etwa 67 Kilometer lange Strecke lenkte. Das Fahren habe viel Spaß gemacht: „Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten.“ Deutlich spürbar sei zudem die Strom-Rückspeisung beim Bremsen gewesen, durch den stufenlosen Antrieb war die Fahrweise ruhiger als bei einem Bus mit Getriebe und als sehr angenehm empfanden alle die geringe Geräuschkulisse im Innenraum: „Die Klimaanlage, die sonst nie auffällt, war plötzlich zu hören“, sagt Michel Schuß augenzwinkernd.

Trotz der vielen lobenden Worte: Der Bus zeigte auch Schwächen, die jedoch kurzfristig behoben wurden. Am dritten Testtag konnte er nicht auf seine Strecke geschickt werden. Neu eingespeiste Software hatte die Kommunikation zwischen der Strom-Ladesäule und den beiden Batterien gestört und so das vollständige Aufladen der 121 kWh-Stromspeicher verhindert. Der Lapsus lag somit nicht an dem Fahrzeug selbst, sondern an der Software der Ladetechnik. Ein anderes Problem war ein wiederkehrender kurzfristiger Leistungsabfall beim Antrieb. Behoben werden konnte der Fehler erst, nachdem der Fahrer den Bus ausschaltete. Nach dieser so genannten Abrüstung war das Problem sofort gelöst.

„Wir hatten nicht damit gerechnet, dass der Test insgesamt so gut verläuft“, sagt dazu Dr. Ebert. „Uns war bewusst, dass es sich hier um eine völlig neue und äußerst komplexe Technik handelt, die noch nicht vollständig ausgereift sein kann.“ Gerade deshalb seien solche Praxistests notwendig. „Beide Seiten, sowohl die Hersteller als auch die ÖPNV-Unternehmen, gewinnen so wertvolle Erkenntnisse über die Stärken und Schwächen dieser Produkte.“ Schließlich müsse ein Linienbus über lange Zeit täglich mehrere hundert Kilometer zuverlässig bewältigen, und dies bei jeglichen Witterungsverhältnissen. Die derzeit erhältlichen Elektrobusse, gleich welches Herstellers, können diese Kriterien nicht erfüllen, so die KVG.

Besonders gelte es, die Reichweite der Batterien zu erhöhen. Bei der KVG zum Beispiel müssen Linienbusse täglich Strecken von bis zu 350 Kilometer absolvieren. Bei dem Midibus ist die Reichweite der Batterien nach Angaben von Solaris jedoch auf etwa 100 Kilometer begrenzt. Drei Lösungswege wären laut KVG denkbar: Eine höhere Speicherkapazität der Batterien ohne das Fahrzeuggewicht deutlich anzuheben, sie müssten schnell aufgeladen oder gegen frische ausgetauscht werden können. Hinzu kommt das noch nicht akzeptable Preis-Leistungs-Verhältnis. „Ein Midi-Elektrobus ist mit rund einer halben Million Euro etwa doppelt so teuer wie ein zwölf Meter langer und mit Umweltschutztechnik wie AdBlue-Einspritzverfahren, TopoDyn-Schaltgetriebe und Rußpartikelfilter ausgestatteter Solobus, der die EEV-Norm erfüllt. Der Austausch der Batterien ist etwa alle fünf Jahre fällig. Dabei würden weitere Kosten im sechsstelligen Bereich entstehen. Für die E-Technik wären darüber hinaus Investitionen in den Werkstätten zwingend, etwa für gesonderte Hebeanlagen für die Batterien, sowie zusätzliches Elektro-Fachpersonal“, listet KVG-Fahrzeugchef Karsten Kamutzki die zentralen Investitionen auf.

Dem „Kleinen Linientest“ des Midi-Elektrobusses von Solaris soll im kommenden Frühjahr ein großer folgen. Zwei Jahre lang will die KVG einen Solo-Elektrobus im täglichen mehrstündigen Linienbetrieb und damit sozusagen auf Herz und Nieren prüfen. Das Fahrzeug soll auf Strecken mit sehr unterschiedlicher Topographie sowie bei Großveranstaltungen, darunter etwa während des Hessentages in Kassel im Juni 2013, eingesetzt werden. Dieser ausführliche Test soll im Rahmen eines Förderprojektes erfolgen, das derzeit gemeinsam mit dem Regionalmanagement Nordhessen, der Universität Kassel, den Städtischen Werken Kassel und weiteren Partnern vorbereitet wird. (ah)

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