Laut einer Studie im Auftrag von Greenpeace geben 15 Prozent der Bevölkerung in 33 europäischen Ländern an, keinen ausreichenden Zugang zum ÖPNV zu haben. Die Studie mit dem Namen „Access Denied“ („Zugang verweigert“) wurde vom Öko-Institut im Auftrag von Greenpeace Mittel- und Osteuropa erstellt. Laut Greenpeace zwingen die „fehlenden Alternativen bis zu 19 Prozent der Bevölkerung in europäischen Ländern zum Besitz eines Autos“. Dieser Anteil sei in Deutschland zwischen 2018 und 2024 mit zwei Prozent am stärksten gestiegen. In der Mehrzahl der Länder sei der Anteil im Betrachtungszeitraum gesunken. Für die Studie wurde bestehende Forschung zu Mobilitätsarmut in 33 europäischen Ländern ausgewertet und daraus elf Schlüsselindikatoren entwickelt, so Greenpeace.
Greenpeace sieht zu hohe Preise im ÖPNV
„Ein gut ausgebauter, bezahlbarer öffentlicher Verkehr macht den Alltag für viele günstiger, sichert gesellschaftliche Teilhabe und stärkt die Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen. Wenn die Bundesregierung jetzt über Entlastungen diskutiert, gehören Bus und Bahn ins Zentrum der Überlegungen“, erklärte Marissa Reiserer von Greenpeace. In Deutschland sagen laut der Studie mehr Menschen als in jedem anderen der untersuchten Länder, dass der „hohe Preis sie von der Nutzung des ÖPNV abhält“. Mit knapp sechs Prozent liege der Wert in Deutschland „fast dreimal so hoch wie im europäischen Durchschnitt“ – trotz des bundesweit gültigen Deutschlandtickets.
Schlechte Anbindung ländlicher Regionen
Nahezu die Hälfte der Menschen in Deutschland (48 Prozent) nutzen zumindest laut der Studie nie Bus und Bahn, elf Prozent nutzen ihn täglich. Ein maßgeblicher Grund dafür sei „die schlechte Anbindung vor allem ländlicher Regionen“, so Greenpeace, das als Konsequenz aus dieser Datenlage in erster Linie dann Preismaßnahmen fordert. „Statt für eine Gießkannen-Maßnahme wie den Tankrabatt Milliarden zu verpulvern, von denen mehr bei den Ölkonzernen als bei den wirklich betroffenen Menschen ankommen, sollte die Bundesregierung aus den Erfolgen des Neun-Euro-Ticket lernen. Ein günstiges Deutschlandticket, kombiniert mit einer Sozial-Variante und einem gezielten Ausbau, ist der beste Weg, um teure fossile Abhängigkeiten zu reduzieren und den Klimaschutz voranzubringen. Ein Mobilitätsbudget kann besonders belastete Haushalte zusätzlich gezielt entlasten“, sagte Marissa Reiserer.