Die Fernbusannbieter sind derzeit bunt gemischt: Junge Start-Up-Unternehmen, etablierte Busunternehmen, ausländische Marken und last but not least startet im November die Deutsche Post gemeinsam mit dem ADAC. Auch Global-Player wie Aldi und TUI, die den Vertrieb einiger Anbieter ergänzen, kommen zunehmend hinzu.
Wie der Mittelstand bei einem Fernlinienverkehr unter einer gemeinsamen Dachmarke mitmischen kann, erörterte Dr. Ulrich Basteck, Geschäftsführer Wörlitz Tourist, der sich der MFB MeinFernbus GmbH angeschlossen hat. „Eine bekannte Marke verkauft sich besser, als ein gutes Produkt“, so seine Meinung. Ein Fernbussystem selbst zu etablieren, brauche 100 Busse, 250 Fahrer und mehr. Das könne ein kleiner Mittelständler nicht stemmen. André Schwämmlein, Geschäftsführer FlixBus GmbH, machte deutlich, dass der Fernlinienbus auch für den Reiseveranstalter Zukunft hat und für kleine Gruppen buchbar ist. Er sieht den Fernbus bei den Gruppenreisen vor allem im Wettbewerb mit dem ICE. Auch FlixBus konzentriert sich bei der Akquise von Busunternehmern auf den engagierten Mittelstand: „Wir suchen keine Subunternehmer, sondern Partner, die etwas bewegen wollen.“
Wie die Touristik von einem liberalisierten Fernbusmarkt profitieren kann, erörterte Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin Dresden Marketing. Der Fernlinienbus bringe mit seiner überwiegend jungen Zielgruppe Chancen für die Städte. Um diese zu nutzen, seien aber stadtnahe Busterminals erforderlich. Sie bot an, seitens des Stadtmarketings die Unternehmen bei den Verhandlungen mit der Verwaltung zu unterstützen. Die Probleme der noch fehlenden Infrastruktur und welche Herausforderungen an die Destinationen damit verbunden sind, erläuterte Adolf Haltern, Inhaber Busstop Mannheim. Für ihn ist es ein Unding, dass die Reise im Komfortbus mit WLAN et cetera oft genug in einer schmuddeligen Umgebung startet oder endet.
Das auch der Fernlinienbusverkehr auf Kundenbindung und Kooperationen setzt, ist für Christoph Marquardt, Geschäftsführer PublicExpress, ohne Alternative. PublicExpress, seit Jahren im Fernlinien-Busverkehr erfolgreich, hat sein Netz neben den Linien in Nord-Deutschland nun auch auf den Süden der Republik ausgedehnt. Dabei setzt das Unternehmen, trotz allgemein nachlassender Markenloyalität, auf eine langfristige Strategie der Qualität. 73 Prozent der Neukunden kämen auf Empfehlung von Freunden und Bekannten. Junge Familien, Alleinerziehende und Senioren werden mit gezielten Angeboten angesprochen. Hinzu kommen Mehrwertprogramme, bei denen die Publiccard bei Kooperationspartnern Rabatte und Sonderleistungen garantiert.
Martin Rammensee, Geschäftsführer des Internetportals Busliniensuche.de, macht die starke Fragmentierung des Marktes Sorge. Die Kunden bräuchten mehr Orientierung bei ihrer Suche. Außerdem regte er an, darüber nachzudenken, welche Zielgruppen angesprochen werden. Fernlinienbuskunden geben circa 20,00 Euro für die Reise aus, so dass der Vertrieb von darüber hinaus gehenden, teureren touristischen Produkten durch das Kostendenken der Kunden stark erschwert ist. Er regte an, darüber nachzudenken, ob die Tatsache, dass das Fernbuspublikum überwiegend jung und studentisch geprägt sei, eine Folge des Angebotes oder eine Folge des Marktauftrittes der Anbieter sei.
Ob aber letztendlich alles nur eine Frage des Preises ist, und wie ein „Revenue Management“ bei deutschen Fernlinienbussen gestaltet sein muss, erklärten Werner Tauss, Werner Tauss Consulting, und Dr. Mark Friesen, Quinta Consulting. Im Vergleich zur Bahn würden die Tickets zu billig angeboten und es könne darüber nachgedacht werden, ob Zusatzleistungen, wie zum Beispiel WLAN, als zusätzliche Kosten exklusiv berechnet werden sollten. Zudem sollten Sonderpreisstrategien nicht zu häufig gefahren werden und frühen Buchungen vorbehalten sein. „Die negativen Folgen der niedrigen Preise könnte eine Monopolisierung zum Leidwesen vieler finanziell schwächeren Unternehmen sein“, warnte Tauss davor, Marktanteile durch einen zu niedrigen Preis zu generieren. (ah)