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Lehrermangel: Schlägt in Thüringen auf ÖPNV-Fahrpläne durch

Die Integration des Schülerverkehrs in den Linienverkehr führt in Thüringen dazu, dass immer häufiger "Notfall-Fahrten" in Rufbus-Manier erforderlich werden, weil wegen des Lehrermangels Unterricht ausfällt und die Schüler nicht stundenlang auf den regulären Bus warten können.
© Foto: iStock/:tupungato

In Thüringen schlägt der Lehrermangel in den Schulen bis in die Fahrpläne der ÖPNV-Unternehmen durch. Das hat der Geschäftsführer des Verbandes Mitteldeutscher Omnibusunternehmen (MDO), Tilman Wagenknecht, mitgeteilt.  


Datum:
21.11.2022
Autor:
dpa/Judith Böhnke
Lesezeit:
5 min
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Als Grund gab Wagenknecht die Integration des Schülerverkehrs in den Linienverkehr an. Durch den Lehrermangel komme es vielerorts in Thüringen zu „Notrufen“ in der Schülerbeförderung. Die Stundenpläne, Unterrichtsbeginne und auch das jeweilige Unterrichtsende wurden von den Schulen nicht selten auf die Fahrpläne der Busunternehmen abgestimmt. Wenn Unterrichtsstunden aufgrund von Lehrermangel aber ausfallen, müssen die Kinder und Jugendlichen bisweilen stundenlang auf den regulären „Abholbus“ warten. Das sei ihnen nicht zuzumuten.

Wenn Busse jedoch unvorhergesehen kurzfristig und wiederholt zur Schülerbeförderung einspringen müssten, könne das je nach der Ausstattung der Unternehmen Auswirkungen auf den Linienverkehr haben, so Wagenknecht. „Das ist die Kehrseite der Integration des Schülerverkehrs in den Linienverkehr.“ Nach Angaben von Verbandspräsident Mario König, der selbst ein Busunternehmen im Unstrut-Hainich-Kreis leitet, kommen Hilferufe von Schulen wegen Stundenausfalls zwar nicht täglich, aber „ein- bis zweimal pro Woche“ vor.

Nach Verbandsangaben sind in Thüringen etwa 2.000 Linienbusse im Einsatz. Ihre Zahl, aber auch das Netz, das sie bedienen, sei in den vergangenen Jahren stark optimiert worden, heißt es beim MDO. Über Elektroantrieb verfügten erst etwa 30 Fahrzeuge. Probleme bereite den Unternehmen neben anstehenden Investitionen in neue Elektrobusse auch ein latenter Mangel an Busfahrern.

Schätzungen des MDO zufolge nutzen in Thüringen bis zu zwei Drittel der Schüler den ÖPNV. Wegen der Uneinigkeiten rund um das 49-Euro-Ticket denke man in Thüringen über ein eigenes „Thüringer Junge-Leute-Ticket“ für 28 Euro nach, das eine Steigerung der ÖPNV-Angebote im ländlichen Raum begründen solle. Ob eine derartige Steigerung der Nachfrage aber automatisch eine (finanzierbare!) Angebotserhöhung nach sich zieht, wo die Unternehmen schon jetzt kaum die Nachfrage nach den „Fahrplan-Ausreißern“ aufgrund des Lehrermangels sicher bedienen, neue Busse kaufen und kaum Fahrpersonal finden können, bleibt fraglich. Als naheliegendste Lösung für die Schüler steht da wohl schlussendlich die Einrichtung von ehrenamtlichen „Schüler-Bürgerbussen“ im Raum, die allerdings Eltern und Großeltern wuppen müssten. Verkehrsunternehmen andernorts machen bereits mit derartigen Modellen für bestimmte Bevölkerungsgruppen auf sich aufmerksam.

Nach Angaben des Thüringer Bildungsministeriums gibt es im Land mehr als 251.000 Schülerinnen und Schüler an 967 allgemein- und berufsbildenden Schulen. Einer Prognose zufolge wird bis Jahresende zusätzlich mit bis zu 10.000 ukrainischen Schülern im Freistaat gerechnet, was den ohnehin gravierenden Lehrermangel noch verschärfe. Laut CDU-Fraktion sind für die erwarteten 10.000 Ukrainer mindestens 500 weitere Pädagogen nötig.  

Und Busfahrer. Und Busse. Und jemand, der das alles finanziert. Vor allem, wenn das Ticket nur mehr 49 Euro kostet. Oder 28. Weil sich der Fahrgast im Angesicht von Inflation und Energiekrise gar nicht mehr ÖPNV leisten kann …

(dpa/Judith Böhnke)

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