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Pandemie: Forscher wollen Empfehlungen für die Praxis erarbeiten

Welche der bisherigen Corona-Regeln im ÖPNV sind sinnvoll und braucht es weitere, andere Regeln - mit diesen Fragen beschäftigen sich Forscher in Kassel
© Foto: Aleksandra Suzi/stock.adobe.com

Ein Forschungsprojekt in Kassel befasst sich mit dem Infektionsrisiko in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie der Frage der Kommunikation zwischen Unternehmen und Fahrgästen.


Datum:
10.03.2022
Autor:
dpa/ Thomas Burgert
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Auch knapp zwei Jahre nach dem ersten Corona-Lockdown sind Busse und Bahnen noch nicht wieder voll besetzt, während die Verkehrsunternehmen betonen, dass die Infektionsgefahr in öffentlichen Verkehrsmitteln gering ist – was auch zahlreiche Studien bereits gut belegen. Was die Lüftung im Bus bewirken kann und wie Fahrgäste bestmöglich informiert werden können, erforschen derzeit Wissenschaftler der Universität Kassel. Die Menschen sollten ein gutes und sicheres Gefühl beim Mitfahren haben, sagte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Natalie Schneider.

Ein Thema der Forscher ist die Ausbreitung von Aerosolen, also der Übertragungsweg von Viren. Dies soll anhand von Computer-Simulationen erforscht werden, wie Schneider erklärte. Ziel seien Empfehlungen für die Praxis zu Lüftungssystemen oder anderen Schutzmaßnahmen wie Trennscheiben oder Abstand. Bisherige Ergebnisse deuteten auf einen guten Effekt der Lüftung hin. Vor allem FFP2-Masken seien zudem sehr wirksam, um sich vor Ansteckung zu schützen, fügte Schneider hinzu. Untersucht werden soll auch, was es bringt, wenn niemand im Bus oder in der Bahn spricht.

Verkehrsunternehmen müssen auf subjektiv empfundene Ängste eingehen

Zudem widmen sich die Forscher dem Thema Kommunikation mit den Fahrgästen. Bei Befragungen in Kassel habe etwa jeder Dritte (330 von insgesamt 927) angegeben, wegen der Pandemie nicht mehr mitzufahren. Weitere 174 Befragte berichteten, sie hätten ihre Fahrten reduziert. Dies zeige, dass die Verkehrsunternehmen in ihrer Kommunikation auf subjektiv empfundene Ängste eingehen müssten – und zwar nicht nur mit Plakaten in den Fahrzeugen, um auch diejenigen zu erreichen, die nicht mitfahren, betonte Schneider. Weitere Befragungen sind geplant, um Änderungen zu erfassen.

Ebenfalls ein Thema des mit rund 1,3 Millionen Euro vom Bund geförderten Forschungsvorhabens sind die Auswirkungen gestaffelter Schulanfangszeiten. Hier wollen die Wissenschaftler die sinnvollste Maßnahme herausarbeiten und beispielsweise die Frage beantworten, ob mehr Fahrzeuge oder gestaffelte Anfangszeiten mehr bringen im Kampf gegen die Virenausbreitung.

Die Forschungen laufen noch knapp zwei Jahre. Sie beinhalten auch die Frage, wie der ÖPNV in Pandemie-Zeiten finanziert werden kann – trotz Home-Office, das viele Fahrtgründe wegfallen lässt. Auf rund vier Milliarden Euro bilanzierte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) Anfang März die bundesweiten Corona-Verluste für das vergangene Jahr.

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