SBB-Hybridbusse: Positives Fazit nach einem Jahr

14.09.2011 16:21 Uhr
Hybrid-Citaro der SBB
©Foto: SBB

Rund 144.000 Kilometer ist die Tacho-Bilanz der fünf Hybridbusse im Fuhrpark der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB).

Die ersten drei der fünf wurden gestern vor einem Jahr, am 13. September 2010, an die SSB übergeben. Anfänglich waren die Busse als Verstärker von Linien eingeplant. Es folgten Halbtagseinsätze auf betriebshofnahen Linien. Nach und nach wurden die Anforderungen erhöht. Seit Februar 2011 werden die Hybridbusse eingesetzt wie die normalen Dieselbusse. Mit den Bussen beteiligte sich die SSB an dem Projekt „Elektromobilitätsregion Stuttgart“. Seit Juni 2011 ist dieses Forschungsprojekt zwar abgeschlossen, für die SSB bleiben die fünf Hybridbusse ein Versuchsprojekt. Auch werden die Busse immer wieder durch den Hersteller teilweise auch im Werk Mannheim sowohl in der Hard- wie auch Software verändert. Nach einem Jahr Hybridbusbetrieb zieht die SSB ein gutes Fazit. Die Hybridbusse hätten von Anfang an eine hohe Zuverlässigkeit gezeigt. „Für eine abschließende Bewertung ist es aber noch zu früh“, sagt Markus Wiedemann, Leiter der Buswerkstätten. Auffällig in Stuttgart seien die hohen Rückspeiseströme. Die besten Verbrauchswerte erreiche der Bus auf Strecken mit vielen Bremsungen, vielen kurzen Beschleunigungen und wenig anhaltenden Steigungen. Einsätze auf Linien mit längeren Steigungsstrecken und wenig Stopps wie Beispiel auf der Linie 92 in Stuttgart hätten geringere Einsparungen gezeigt. Wichtig sei, die Busse dort einzusetzen, wo sie ihre Stärken der Rückgewinnung der Bremsenergie ausspielen könnten. Beim aktuell optimalen Einsatz könne bis zu 20 Prozent des täglichen Energieverbrauchs – verglichen mit einem herkömmlichen Dieselbus modernster EEV-Technologie mit Vollklimatisierung und Ecolife-Getriebe – durch die Bremsenergie geliefert werden. Der Verbrauch des Hybridbusses auf 100 Kilometer liege bei durchschnittlich 48 Litern im Vergleich zu etwa 58 bis 60 Litern bei den modernsten Dieselbussen im Bestand. Die SSB erwartet aber nach der nun anstehenden Hard- und Softwareaktualisierung bei optimalem Einsatz über 20 Prozent Einsparung zu erreichen. Die Fahrerinnen und Fahrer lobten die guten Fahreigenschaften und die zügige Beschleunigung. Als komfortabel werde geschätzt, dass beispielsweise die Klimaanlage motordrehzahlunabhängig arbeite – also auch an Endhaltestellen funktioniere. Bei der SSB wurden 20 von insgesamt 100 Werkstattbeschäftigten zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT) am Citaro BlueTec Hybrid geschult. Die Schulung dauerte eine Woche und fand bewusst im Betrieb und an den SSB-Fahrzeugen statt. Danach ist diesen Kollegen erlaubt, Arbeiten an der Hochvoltanlage (per Definition ab 61 Volt) durchzuführen, diese beispielsweise spannungsfrei zu schalten. Sie können also genau festgelegte Arbeitsgängen zur Diagnose und zum Komponententausch durchführen. Darin nicht enthalten sind Arbeiten an den Speicherbatterien, sie werden nur vom Hersteller vorgenommen. Auch repariert die SSB keine Elektromotoren, im Gegensatz zu den Dieselmotoren. Die Hybridbusse haben inzwischen auch die Lehrlingsausbildung verändert. In Zusammenarbeit mit der IHK wurde die Ausbildung der Kfz-Mechatroniker erweitert. Die Ausbildung für diesen Beruf enthält jetzt auch die Grundqualifikation einer Elektrofachkraft. (ah)

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