Bei der Verkehrsministerkonferenz (VMK) am 21. und 22. Oktober 2026 in Hohenschwangau unter dem Vorsitz von Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) war ein Thema auch die Zukunft des autonomen Fahrens und Robotaxen. Dabei bekräftigt die VMK das Ziel von Bund und Ländern, Deutschland zu einem „Leitmarkt für autonomes und vernetztes Fahren zu entwickeln und hierfür Modellregionen mit dem Übergang in einen skalierbaren Regelbetrieb zu etablieren“.
Laut dem Beschluss der VMK sollte die Förderung des Bundes hierfür erheblich erhöht werden und neben den Fahrzeugkosten zukünftig auch weitere Elemente wie digitale und physische Infrastruktur, Leitstellen und Technische Aufsicht, Systemintegration, Hochlauf- und Übergangskosten berücksichtigen.
Erprobung von Robotaxen mit bundeseinheitlichen Vorgaben
Die VMK befürwortet auch die Erprobung von Robotaxen mit bundeseinheitlichen Vorgaben durch das von der Länderarbeitsgruppe vorgelegte Eckpunktepapier. Die Arbeitsgruppe soll die verkehrlichen, rechtlichen und wettbewerblichen Auswirkungen und Erfordernisse autonomer Verkehre fortlaufend evaluieren: Langfristiges Ziel soll laut VMK sein, Vorschläge für einen dauerhaften rechtlichen Rahmen zu entwickeln, der den sich weiterentwickelnden technischen Möglichkeiten sowie veränderten Mobilitätsbedürfnissen entspricht und staatliche Regulierungsmöglichkeiten nachhaltig absichert.
Die VMK hat einstimmig den Vorschlag für den Umgang mit Robotaxen beschlossen, dies sei auch wichtig, „weil diese Mobilitätsdienste schon sehr bald auf unseren Straßen zu sehen sein werden“, sagte NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne). „Es braucht jetzt zügig einen abgestimmten rechtlichen Rahmen, der die neuen Verkehre ermöglicht und gleichzeitig den Folgen gerecht wird, die sie für den Straßenverkehr sowie den ÖPNV und das Taxengewerbe haben werden.“
Bessere Mobilität im ländlichen Raum
„Autonomes Fahren bietet gerade für ländliche Regionen große Chancen. Es kann den öffentlichen Verkehr ergänzen, die Erreichbarkeit verbessern und helfen, dem zunehmenden Fahrpersonalmangel zu begegnen“, sagte Steffen Schütz, Thüringer Minister für Digitales und Infrastruktur. Damit aus Pilotprojekten verlässliche Mobilitätsangebote werden, brauche man „jetzt den Schritt in den Regelbetrieb. Ländliche und polyzentrische Räume dürfen bei der Entwicklung dieser Zukunftstechnologie nicht abgehängt werden. Auch neue, tragfähige Modellregionen und Länderverbünde müssen faire Chancen erhalten“, so Schütz.
Pilotprojekte in den Regelbetrieb überführen
Der Frage, wie man Pilotprojekte in den Regelbetrieb überführen kann, widmet sich auch eine neue Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland (PwC). Laut der Analyse warten Verkehrsunternehmen auf Fahrzeuge, die zugelassen, verfügbar und wirtschaftlich kalkulierbar sind. Hersteller warten auf belastbare Nachfrage, bevor sie in Serienproduktion und Zulassungsverfahren investieren. Das Ergebnis sei: „Beide Seiten warten aufeinander.“ Die öffentliche Förderung unterbreche dieses Henne-Ei-Problem bislang nicht: Pilotprojekte erhalten zwar Mittel, diese sind jedoch nicht für den Regelbetrieb vorgesehen. Die Folge: Der Markt bewegt sich nicht, die Anschubfinanzierung entfaltet nicht ihre Wirkung.
„Europa hat die Technologie, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Industrie für autonomen ÖPNV. Was bislang fehlt, ist ein Marktmodell, das den Schritt in den Regelbetrieb wirtschaftlich möglich macht. Und dafür gibt es jetzt die Gelegenheit“, sagte Maximilian Rohs,Director Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland
Deutschland verfügt mit dem Gesetz zum autonomen Fahren über einen weltweit fortschrittlichen Rechtsrahmen. Das Problem liegt laut PwC „weniger in der Regulierung, sondern vielmehr in der Komplexität der Zulassungs- und Genehmigungsverfahren“. Verkehrsunternehmen könnten unter diesen Bedingungen bisher keine verlässlichen Investitionsentscheidungen treffen.
Einstiegshürden für Verkehrsunternehmen senken
Die PwC-Analyse schlägt als konkrete Lösungsansatze „nutzungsbasierte Full-Service-Modelle“ vor, bei denen Fahrzeug, Betrieb, Wartung und Finanzierung als Komplettpaket angeboten werden. Diese könnten den Übergang in den Regelbetrieb vereinfachen. Solche Modelle würden die Einstiegshürde für Verkehrsunternehmen senken und für Hersteller die Nachfragesicherheit schaffen, die eine Serienproduktion erst wirtschaftlich macht.
Gebündelte Beschaffungsvorhaben mehrerer Verkehrsunternehmen könnten die „notwendigen Stückzahlen für eine Industrialisierung erzeugen – ein Hebel, der in Europa bislang kaum genutzt wird“, so die Analyse von PwC. Ergänzend könnten Leasing- und Betreibermodelle sowie staatliche, befristete Risikoabsicherungen den Markthochlauf unterstützen. Die Voraussetzungen seien sind weitgehend vorhanden, so PwC, das folgendes Fazit zieht: „Es braucht weniger neue Technologien als vielmehr die konsequente Weiterentwicklung von Markt- und Betriebsmodellen sowie Finanzierung und Regulierung.“