Zu Beginn des 20. Jahrhunderts versuchten unzählige Fabrikanten ihr Glück mit der Herstellung von Musikautomaten, in welche sie richtige Instrumente einbauten. Durch Knopfdruck oder den Einwurf von Münzen konnte man die Musik zum Spielen bringen. Gastwirte und Besitzer von Tanzsälen nutzten diese sogenannten Orchestrien gerne und sparten so die Kosten für Musiker, die bis dahin zum Tanz aufgespielt hatten. Das neu restaurierte „The Happy Jazz-Band“-Orchestrion im Tanzsaal des Museums für Musikautomaten lässt die Musik der Goldenen Zwanzigerjahre auferstehen. Die auf gelochten Papierrollen festgehaltenen Rhythmen − von Foxtrott über Twist und Samba bis hin zu Marschmusik − lassen den Füssen keine Ruhe. Das Orchestrion wurde von der Firma Popper & Co. in Leipzig zu Beginn der 1920er Jahre hergestellt und gehört in die Reihe der Popper Welt-Pianos „Konzertist“. Seinen treffend gewählten Namen „The Happy Jazz-Band“ betonen zusätzlich die drei munteren, auf der grossen Trommel aufgemalten Jazzer.
Die ganze „Jazzband“ ist oberen Teil des selbstspielenden Instruments untergebracht: Ausgerüstet mit großer und kleiner Trommel, Becken, Triangel und Kastagnette lässt das Orchestrion, dank einer mechanischen Vorrichtung am Klavier, selbst Mandolinenklänge ertönen. Das Klavier konnte wie üblich über die Tastatur, alternativ aber auch mit Hilfe von Musikrollen gespielt werden. Das Museum konnte dieses fröhliche und zum Tanzen verführende Orchestrion 2012 aus Schweizer Privatbesitz erwerben. Zu sehen und zu hören ist das Orchestrion „The Happy Jazz-Band“ ab sofort täglich von Dienstag bis Sonntag auf der Führung durch die permanente Ausstellung. Die einstündigen Führungen beginnen jeweils um 12.20, 14.40 und um 16.00 Uhr. Nähere Auskünfte zum Museum für Musikautomaten Seewen SO finden Sie auch auf der Webseite unter http://www.musikautomaten.ch. (ah)