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Supertest MAN Lion‘s Coach: Ein gutes Reise-Team

© Foto: Sascha Böhnke

Den Lion‘s Coach hat MAN schon einige Zeit im Programm: Dennoch ist das Fahrzeug nach wie vor bei Unternehmern und auch Fahrern beliebt.


Datum:
29.12.2011
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Der Grund dafür ist die Reife, die der Bus im Laufe der Jahre erlangt hat, sein ausgezeichnetes Fahrwerk und ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Lion’s Coach ist mittlerweile der einzige noch verbliebene „echte“ MAN-Reisebus. Die höherpreisige Variante Lion’s Star wurde aufgegeben, die verkauften Stückzahlen waren wohl einfach zu gering, um sich den Luxus-Bus als Hobby noch leisten zu wollen. Die edlen Busse laufen längst unter dem Neoplan-Label. Doch den Lion’s Coach als Übriggebliebenen zu titulieren, wäre falsch, denn das Fahrzeug kann im Modelljahr 2011 gehörig überraschen. Das gilt nicht unbedingt beim Design, denn hier setzt der Bus nach wie vor auf seine bekannten Rundungen und die weit nach oben gezogene Frontscheibe. Seitlich nimmt der Lion’s Coach viel Schwung auf und verziert den Bogen ­hinter der B-Säule mit Chrom-Applikationen. Das sieht schick aus und verleiht dem ansons­ten recht nüchternen Aussehen ein wenig Pepp. An der Front vermisst man diese Frische jedoch, besonders im Bereich der Schein­werfer wird deutlich, dass die Entwicklung des Fahrzeuges schon zehn Jahre auf dem ­Buckel hat. Chrom findet sich auch im Heckbereich, dieses wirkt einfach, weiß aber auch ohne Schnickschnack zu gefallen. Nicht mehr ganz up to date sind auch die ­Abmessungen des Fahrzeuges, denn der Lion’s Coach ist derzeit einer der wenigen, die noch mit exakt zwölf Metern vorfahren. Hier haben andere Bushersteller längst nachgelängt, wie beispielsweise Setra in der Baureihe 400. Das Positive an etwas mehr Länge im Vorbau-Bereich ist nämlich mehr Platz für den Fahrer, den Beifahrer und die Fahrgäste. Dass es im Lion’s Coach vorn noch relativ eng ­zugeht, spürt man sofort beim Betreten des Fahrzeuges. Der Eingangsbereich wirkt recht schmal. Das gilt auch für den Fahrerarbeitsplatz, besonders Fahrer mit langen Beinen stoßen schnell an ihre Grenzen. Erfreulich auf­geräumt aber geht es dafür im Fahrgastraum zu. Als einer von wenigen Reisebussen verfügt der MAN Lion’s Coach über einen ebenen Boden. Das sorgt zum einen für ein üppiges Kofferraumvolumen – zehn Kubikmeter gehen voll in Ordnung – und zum anderen für alternative Bestuhlungsvarianten, die sich ohne größere Fahrzeugumbauten verwirklichen lassen. Die Innenstehhöhe beträgt dabei auch noch stattliche 1,95 Meter. Bestuhlt war der Testbus mit 44 Kiel-Avance Reisebussitzen. Auf diesen sitzt es sich vorzüglich, besonders, da es beim 4-Sterne-Abstand zu keinen Problemen mit dem Vordermann kommt. Die großzügige ­Bestuhlung hat allerdings auch ihren Grund, und der liegt im Leergewicht. Hier kann der Bus nämlich noch nicht mit aktuellen Mit­bewerbern mithalten, 13,2 Tonnen sind kein Pappenstiel. Da hilft es auch nicht viel, den Tank auf 400 Liter zu verkleinern oder Alu­felgen aufzuziehen. Eine wesentliche ­Gewichtsreduzierung lässt sich in der Regel nur durch umfangreichere Rohbaumaßnahmen erzielen, das wäre dann also ein Fall für den Nachfolger.

MAN Lion's Coach

Bildergalerie

© Foto: Sascha Böhnke

Ausgereiftes Fahrwerk, bewährter Antrieb

Die Anmutung des Innenraums ist nüchtern. MAN hat beim Lion’s Coach das Design auf das allernötigste beschränkt, was aber prinzipiell nicht weiter schlimm ist. Bei der Beleuchtung setzt man auf in den Handlauf der ­offenen Gepäckablagen integrierte Lichter, die sowohl den Fahrgastraum als auch die Gepäckfächer indirekt beleuchten. Gut gefallen hat uns zudem die Einstiegsbeleuchtung. Hier befindet sich in jeder Stufe eine LED-Leiste. Nicht ganz so modern geht es in Sachen Beleuchtung im Außenbereich zu. Hier fehlt beispielsweise ein Kurvenlicht und auch ­Xenon-Scheinwerfer waren beim Testbus ­Fehlanzeige. Dennoch machen auch die H7-Scheinwerfer ihre Sache gut und leuchten den Bereich vor dem Fahrzeug ordentlich aus. Ausgezeichnet ist die Beleuchtung der Armaturen. Sie ist blendfrei und dennoch sehr hell und weist schnell den Weg zum richtigen Schalter. Der Innenraum spiegelt sich zwar in der Frontscheibe wieder, zum Glück aber nicht im Sichtbereich des Fahrers. Unter der Schale des Lion’s Coach steckt solider Busbau. Das Gerippe besteht aus geschweißten Stahlprofilen, die im Dachbereich in Ringspantentechnik ausgeführt sind, was die Überrollfestigkeit erhöht. Leider ist das Gerippe nur konventionell gegen Korrosion geschützt, eine KTL-Lackierung ist nicht zu haben. Der Aufbau ist sehr steif ausgeführt, Schlaglöcher werden tadellos abgeführt. Auch bei schnellen Kurvenfahrten bleibt der Bus stabil. Lange ­Bodenwellen quittiert das Fahrzeug sehr gutmütig, ohne sich dabei zu sehr aufzuschaukeln. Das Fahrwerk des Lion’s Coach zählt aber seit langem zu den besten seiner Klasse. Die MAN-Vorderachse ist extrem ausgereift. In Verbindung mit der sauber abgestimmten ­Lenkung behält der Fahrer stets ein sicheres Gefühl beim Steuern. Angetrieben wird der Bus vom bewährten und zeitgemäßen Triebwerk MAN D 2676 in der 440 PS-Ausführung. Das ist mehr als ordentlich und so stemmt sich der Bus mit einer ­erfreulichen Leichtigkeit die Berge nach oben. Dass das Aggregat dabei kein Säufer ist, zeigen unsere Messwerte. Hier bewegt der Bus sich mit seinen 28,4 Litern Durchschnittsverbrauch auf einem sehr günstigen Level. Dieser Wert wurde bisher nur einmal unterboten. Mit ein Grund für den geringen Verbrauch ist sicherlich auch die recht lang übersetzte Hinterachse, besonders auf Autobahnabschnitten fuhr der Bus in einer Art „Sparmodus“. Verbräuche zwischen 21 und 23 Liter auf 100 Kilometer bei Tempo 100 sind ausgezeichnet für ein auf knapp 18 Tonnen ausgeladenen Bus. Der Motor besitzt den Abgasstandard EEV, ist also noch mal einen Tick sauberer als Euro 5, kommt aber dennoch ohne den Zusatzstoff AdBlue aus. Vor diesem Hintergrund gewinnt der güns­tige Verbrauchswert noch einmal an ­Bedeutung. Man darf an dieser Stelle schon mal gespannt sein, wie sich das Thema Verbrauch mit den künftigen Euro 6-Motoren darstellt. Gut gefallen hat uns die Laufruhe des Motors, verantwortlich dafür ist das optional bestellbare Zweimassenschwungrad, was auf jeden Fall eine gute ­Investition ist.
© Foto: Sascha Böhnke

Im Cockpit hat feinste Technik Einzug gehalten

Geschaltet haben wir per TipMatic Coach, dahinter verbirgt sich das automatisierte 12-GangSchaltgetriebe ZF AS-Tronic, welches von MAN umfangreich an ihre Busse adaptiert wurde. Das, was dabei herausgekommen ist, kann sich sehen, beziehungsweise schalten lassen. Die Schaltvorgänge geschehen zügig und ohne Komfort­einbußen. Lediglich in haarigen Bergsituationen sollte der Fahrer kurzfristig manuell eingreifen, was prinzipiell auch kein Problem ist, auch wenn uns die Schaltung per Lenkstockhebel nicht ganz so gut gefallen hat wie beispielsweise eine Lösung à la Scania oder Volvo. Nach wie vor gewöhnungsbedürftig ist auch die Retarderbedienung. Bei ihr fehlt nämlich jegliche haptische Rückbestätigung. Ist man sich als Fahrer nicht sicher, in welcher Retarderstufe man sich gerade ­befindet, hilft nur ein umständlicher Blick ins Zentral­display, auf welchem die Bremsstufe relativ klein ­angezeigt wird. Im Zweifelsfall hilft auch ein Druck auf das Ende des Brems-Tempomat-Schalt-Kombihebels und der Retarder wird gänzlich deaktiviert beziehungsweise aktiviert. Zu den hervorragendsten Neuerungen im aktuellen Lion’s Coach zählt sein Cockpit. Hier hat feinste Technik Einzug gehalten, gepaart mit einer topaktuellen Optik. Um das geteilte Zentraldisplay sind verschiedene Zeigerinstrumente gruppiert, die dem Ganzen ein wenig Pkw-Flair verleihen. Allerdings besitzt der Fahrerarbeitsplatz fast ein wenig zu viele Schalter und Knöpfe, die der Chauffeur im Überblick behalten muss. Besonders Gelegenheitsfahrer könnten sich ein wenig schwer tun. Sehr umfangreich ist auch das Multimedia-Center, rechts angeordnet. Im Vergleich zu den bisher üblichen Radio-/Navi-Lösungen mutet es fast schon futuristisch modern an. Gelungen ist auch die Position des digitalen Tachografen. Er befindet sich nämlich links neben der Zentraleinheit fast in Augenhöhe. Dadurch werden zum einen die täglich mehrfach nötigen Bedienvorgänge erleichtert, auf der anderen Seite sind die Anzeigen vor den neugierigen Blicken der Fahrgäste geschützt. In Sachen Sicherheit muss sich der MAN Lion’s Coach nicht verstecken, auch wenn er über einige Features, wie sie die Konkurrenz mitbringt, nicht verfügt. Dazu zählt beispiels­weise prinzipiell ein aktiver Bremsassistent, der im Falle von Unaufmerksamkeit den Bus zum Stehen oder wenigstens zum wirkungsvollen Abbremsen bringt. Dieser ist nicht ­erhältlich, im Gegensatz zum Abstandsregeltempomat oder einem Spurassistent. Leider waren diese beiden Systeme in der Team ­Edition nicht verbaut. Dafür aber funktioniert das ESP tadellos und ein Bremsassistent baut im Fall einer Schnellbremsung in Sekundenbruchteilen den vollen Bremsdruck auf. Schon immer hat uns zudem eine ganz spezielle Funktion in MAN-Bussen gut gefallen, die auch im gefahrenen Bus nicht fehlte: Die sogenannte Bremsomat-Funktion. Bei einer Bergabfahrt reicht ein einmaliger kurzer Tritt auf die Fußbremse und der Bus hält die aktuelle Geschwindigkeit. Diese Funktion ist mit dem Getriebe gekoppelt und lässt sich intuitiv bedienen. Dennoch wird MAN bei zukünftigen Fahr­zeugen nicht umhin kommen, das Thema ­Sicherheit noch weiter zu intensivieren. Insgesamt ist der aktuelle MAN Lion‘s Coach immer noch eine sehr gute Wahl. Die Technik ist ausgereift und hat in etlichen Bereichen Erneuerungen erfahren. Mit seinem Preis von 245.000 Euro fährt der Bus zudem in einer Preisregion vor, die äußerst interessant für die besonders wirtschaftlich denkenden Unternehmer ist. Ob dieser Vorteil auch noch beim Wiederverkauf vorhanden ist, muss sich ­zeigen, ein Bus für so gut wie alle Fälle ist der Lion's Coach auf jeden Fall! (sab)
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