24.01.2020Kommentar der Woche

Nein, das ist keine gute Woche für den Bus. Bei mindestens vier Unfällen, in die ein Bus verwickelt war, bzw. diese verursacht hat, sind Todesopfer sowie zahlreiche Schwer- und Leichtverletzte zu beklagen.

In wenigstens drei der Fälle lag es höchstwahrscheinlich an der Unaufmerksamkeit oder den Fehleinschätzungen der Fahrer, dass diese Tragödien geschahen. Ebenfalls allen Unfällen gemeinsam: Es waren Linien- bzw. Überlandlinienbusse. Das ist umso tragischer, da hier die Fahrgäste, bei denen es sich zum Teil um Schüler handelte, größtenteils über keine Rückhaltesysteme wie Sicherheitsgurte verfügten. In Berlin waren nicht Fahrgäste, sondern eine Radfahrerin das Opfer. Wie auch immer in all diesen Fällen am Ende die Schuldfrage ausfallen wird: Die dramatischen Vorfälle zeigen überdeutlich, mit welcher fast übermenschlichen Verantwortung Busfahrer tagtäglich umgehen müssen. Das betrifft eben nicht nur die Verantwortung für andere Verkehrsteilnehmer, sondern auch die Verantwortung für die eigenen Fahrgäste.

Ob nun Sicherheits- und Assistenzsysteme die Unfälle hätten verhindern können, ist an dieser Stelle erst einmal nebensächlich. Denn Fehler können und werden auch bei teilautomatisierten Fahraktionen geschehen. Und dann gibt es auch noch Situationen, in denen die Fahrphysik stärker ist als jedes automatische Bremssystem: Nämlich, wenn eine eisglatte Fahrbahn zu schnell befahren wird und der Reibwert gegen Null tendiert. Umso wichtiger sind regelmäßige Schulungen des Fahrpersonals, in denen sowohl fahrpraktisch mit dem eigenen Bus wieder und immer wieder geübt wird, als auch das Bewusstsein für diesen Beruf geschärft wird, bei dem Sekundenbruchteile sprichwörtlich über Leben und Tod entscheiden.

Niemand betritt Busse mit einem unguten Gefühl, niemand braucht Sorge um seinen Nachwuchs zu haben, wenn dieser mit dem Bus in die Schule gebracht wird. Damit das so bleibt, müssen wir alle unserer Verantwortung gerecht werden. Und damit meine ich ausdrücklich nicht nur die Fahrer!

Sascha Böhnke
OMNIBUSREVUE



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