Bedarfsverkehre: Flexible Lösungen, aber hohe Kosten

23.12.2025 11:43 Uhr | Lesezeit: 4 min
Bedarfsverkehr_Hofer_Landbus
Der Landkreis Hof setzt schon seit einigen Jahren auf den Landbus
© Foto: Landkreis Hof

Um im ländlichen Raum einen attraktiven ÖPNV anbieten zu können, setzen viele Landkreise inzwischen auf On-Demand-Verkehre, ein Problem ist aber deren Finanzierbarkeit.

On-Demand-Angebote für den öffentlichen Nahverkehr könnten die Lösung sein, um auch abgelegene Orte auf dem Land anzubinden an den ÖPNV, ohne dass Linienbusse meist nur spärlich gefüllt durch die Gegend fahren. Vielerorts laufen entsprechende Projekte – der Landkreis Hof zum Beispiel setzt schon seit einigen Jahren auf den sogenannten Landbus, der nun künftig im kompletten Kreis unterwegs sein wird. „Der Landkreis Hof geht beim Thema ÖPNV mit gutem Beispiel voran und stellt den Menschen vor Ort mit dem Hofer Landbus ein attraktives Angebot zur Verfügung, das in der Region nicht mehr wegzudenken ist. So kann eine zukunftsfähige Mobilität in Bayern gelingen“, sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) über das Angebot im Landkreis Hof.

Landbus steuert 2000 Haltepunkte an

Konkret gibt es bald knapp 2000 Haltepunkte im Landkreis, die der Landbus nach vorheriger Buchung per App oder Telefon anfährt. Die Fahrt kostet drei Euro, buchbar ist das Angebot täglich von 6 bis 23 Uhr. Nach Angaben des Landratsamts nutzen monatlich rund 11.000 Menschen den Landbus. Ausgelegt sei das System auf kurze und mittlere Strecken und verknüpfe sich mit Bus und Bahn. Der Landbus sei eine echte Erfolgsgeschichte, sagt Hofs Landrat Oliver Bär (CSU): „Die Nachfrage zeigt, dass die Menschen das Angebot annehmen und es ihren Alltag erleichtert.“


"Steigende Kosten, wachsende Anforderungen und eine unzureichende Finanzierung bringen die kommunalen Haushalte zunehmend an ihre Grenzen."

Thomas Karmasin, Präsident des Bayerischen Landkreistages


ÖPNV im Krisenbewältigungsmodus

Der ÖPNV sei in vielen bayerischen Landkreisen mittlerweile zum Sorgenkind geworden, besonders in Flächenlandkreisen mit ländlichen Strukturen, sagt Thomas Karmasin, Präsident des Bayerischen Landkreistages und Landrat von Fürstenfeldbruck: „Wir befinden uns vielerorts bereits im Krisenbewältigungsmodus. Steigende Kosten, wachsende Anforderungen und eine unzureichende Finanzierung bringen die kommunalen Haushalte zunehmend an ihre Grenzen.“ Viele Faktoren trieben die Kosten für den ÖPNV in die Höhe. In den vergangenen Jahren hätten die Landkreise das meist aus eigener Kraft geschultert. „Dies lässt sich – gerade in Zeiten extrem angespannter Haushalte - allerdings nicht beliebig fortsetzen.“

Angebote müssen langfristig finanzierbar sein

Der Landkreis Wunsiedel im Nordosten Bayerns setzt auf den Rufbusverkehr namens „fichtelBAXI“. Auch hier steigen die Fahrgastzahlen, ebenso beim On-Demand-Verkehr „fichtelflexi“, der die Stadtgebiete Selb und Schönwald abdeckt, wie eine Sprecherin mitteilte. „Der Landkreis ist geprägt von ländlichen Strukturen, teils großen Entfernungen zwischen den einzelnen Gemeinden und Ortsteilen sowie einer vergleichsweise geringen Einwohnerdichte.“ Die Herausforderung sei es, neben einem attraktiven Angebot auch ein Angebot zu schaffen, das langfristig finanzierbar bleibe. „Das erfordert eine sehr sorgfältige Abwägung, die enge Zusammenarbeit mit Verkehrsunternehmen, Kommunen und dem Freistaat sowie ein fortlaufendes Monitoring von Nachfrage, Kosten und Qualität.“

Algorithmen für eine bessere Auslastung

An der Hochschule Hof forscht man an der Zukunft des ÖPNV – unter anderem im Projekt „EMILIA - Optimierung des intermodalen Verkehrs im ländlichen Raum“. Die Idee des bedarfsgesteuerten Verkehrs gebe es schon länger, sagt Projektleiter Richard Göbel vom Institut für Informationssysteme (iisys) der Hochschule Hof. Inzwischen habe sie aber nochmals einen Sprung erfahren und werde in immer mehr Regionen eingesetzt. Grund dafür seien Optimierungsalgorithmen. Anfragen können schnell verarbeitet und vernünftige Routen geplant werden, so dass mehr als eine Person im Fahrzeug sitze.


"Das kann die Folge haben, dass sich die Landkreise das Angebot möglicherweise nicht mehr leisten können."

Projektleiter Richard Göbel vom Institut für Informationssysteme


Problem der On-Demand-Verkehre sind die Kosten

Aktuell sei bedarfsgesteuerter Verkehr aber oft noch auf kleinere Bereiche begrenzt. Die Frage sei nun: Wie lassen sich verschiedene Zellen mit einem Schnellbussystem untereinander verbinden? Und die Fahrzeit dürfe nicht wesentlich länger als eine Fahrt mit dem privaten Pkw sein. „Hier stellt sich ein komplexes Planungsproblem“, sagt Göbel. In dem Projekt würden entsprechende Tools dafür entwickelt. Eine Herausforderung bleibe aber - und zwar die Kosten, sagt Göbel. Wenn eine Linie im Linienverkehr besonders gefragt sei, könne man einen größeren Bus nehmen, die gestiegenen Kosten würden dann auf mehr Nutzer verteilt. Im bedarfsgesteuerten Verkehr führe eine erhöhte Nachfrage nicht zwangsweise dazu, dass es profitabler werde: Man brauche mehr Fahrer und mehr Fahrzeuge.

Hohe Personalkosten der Bedarfsverkehre

Und während beim Linien- oder U-Bahn-Verkehr die Personalkosten nur einen kleinen Teil ausmachen, liegen sie beim bedarfsgesteuerten Verkehr bei bis zu 60 Prozent. „Und das kann die Folge haben, dass sich die Landkreise das Angebot möglicherweise nicht mehr leisten können“, gibt der Wissenschaftler zu bedenken. Ein Lösungsansatz – und die Idee des Projekts – sei es, auf verschiedene Verkehrsmittel zu setzen bis hin zu autonomen Shuttles. Mit dem Projekt Shuttle-Modell-Region Oberfranken (SMO) habe man das Fahren ohne Fahrer bereits getestet. „Meiner Einschätzung nach wird es in Zukunft eine Mischflotte geben: Einige Strecken können mit selbstfahrenden Fahrzeugen zurückgelegt werden, auf anderen Strecken ist weiterhin ein Fahrer nötig“, sagte Göbel.

HASHTAG


#On-Demand-Verkehr

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