Branchenumfrage: Jeder dritte Betrieb musste Angebot einschränken

24.08.2026 11:10 Uhr | Lesezeit: 1 min
Busfahrer während der Fahrt am Lenkrad eines Busses
Zahlreiche Busunternehmen haben einen steigenden Personalbedarf, gleichzeitig kämpfen sie mit einer hohen Fluktuation beim Fahrpersonal. Der Eintritt in den Ruhestand ist ein häufiger Grund dafür
© Foto: picture alliance/dpa/Rolf Vennenbernd

Der Fahrpersonalmangel bleibt eines der größten Probleme der Busbranche. Laut einer bundesweiten Umfrage von Hochschule München und bdo musste mehr als jedes dritte Busunternehmen seinen Betrieb im vergangenen Jahr zeitweise einschränken. Warum viele Betriebe zudem eine weitere Verschärfung der Situation erwarten.

Der Mangel an Busfahrerinnen und Busfahrern belastet die Branche weiterhin erheblich. Das zeigen die vorläufigen Ergebnisse einer bundesweiten Befragung der Hochschule München unter Leitung von Prof. Dr. Sina Hardaker, die gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) durchgeführt wurde. Von April bis Mai 2026 beteiligten sich 301 Unternehmen an der Erhebung.
Fahrpersonalmangel zählt neben steigenden Energiepreisen zu den meistgenannten Belastungsfaktoren für die betriebliche Entwicklung. Auch andere Personalengpässe, etwa in Werkstatt oder Verwaltung, werden von vielen Unternehmen als Problem gesehen.

Auswirkungen auf den Betriebsalltag

34 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, ihren Betrieb 2025 zeitweise wegen Personalmangels eingeschränkt zu haben. Zu den häufigsten Folgen zählen Einschränkungen im Gelegenheitsverkehr, der verstärkte Einsatz von Überstunden sowie der Verzicht auf Angebotserweiterungen oder neue Linien. Zudem berichten Unternehmen von Problemen bei der Urlaubsplanung, dem Einsatz von Subunternehmen und Qualitätsverlusten im Betriebsablauf.

Zugleich bewertet rund zwei Drittel der Betriebe den Fahrpersonalmangel als starke Herausforderung oder sogar als existenzielle Bedrohung für das eigene Unternehmen.

Renteneintritte verschärfen die Lage

Die Umfrage zeigt außerdem, dass viele Unternehmen mit einer hohen Fluktuation konfrontiert sind. Besonders häufig verlassen Fahrerinnen und Fahrer die Betriebe aufgrund von Kündigungen oder wegen des Eintritts in den Ruhestand. Dies dürfte angesichts des demografischen Wandels den Druck auf die Unternehmen weiter erhöhen.

Gleichzeitig berichten zahlreiche Betriebe von einem steigenden Personalbedarf. Viele Unternehmen benötigen heute mehr Fahrpersonal als noch vor wenigen Jahren.

Branche fordert leichteren Berufszugang

Bei den Lösungsansätzen zeichnet sich ein eindeutiges Bild ab. Die höchste Priorität räumen die Unternehmen einem erleichterten Zugang zum Beruf ein, etwa durch Vereinfachungen bei Führerschein und Qualifikation. Ebenfalls häufig genannt werden bessere Arbeitsbedingungen, höhere Vergütung, Bürokratieabbau sowie eine stärkere Nachwuchsgewinnung im Inland. 

Viele Unternehmen setzen bereits auf Gehaltserhöhungen, flexiblere Arbeitszeitmodelle oder Weiterbildungsangebote, bewerten die Wirksamkeit ihrer bisherigen Maßnahmen jedoch oft nur als teilweise erfolgreich.

Rekrutierung im Ausland gewinnt an Bedeutung

Die internationale Personalgewinnung gewinnt der Studie zufolge an Bedeutung. 38 Prozent der Unternehmen beschäftigen bereits Fahrerinnen und Fahrer aus Ländern außerhalb der EU, weitere vier Prozent planen dies. Darüber hinaus haben 36 Prozent der Betriebe Fahrpersonal aus anderen EU-Mitgliedstaaten rekrutiert oder entsprechende Strategien verfolgt.

Als größte Hürden nennen die Unternehmen Sprachbarrieren, bürokratische Verfahren sowie die Anerkennung von Führerscheinen und Qualifikationen. Dennoch sind viele Betriebe überzeugt, dass der Fachkräftebedarf langfristig nicht allein über den deutschen Arbeitsmarkt gedeckt werden kann.

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