Der Omnibus – sicherer als sein Ruf

20.12.2011 12:51 Uhr
Busunfall
© Foto: dapd/Volker Hartmann

Eine von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) durchgeführte Analyse von Busunfällen in Deutschland hat gezeigt: Der Omnibus ist ein relativ sicheres Verkehrsmittel ohne gravierende Schwachstellen.

Umgekippte und ausgebrannte Busse mit vielen Verletzten oder Getöteten bestimmen laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft das Bild in der Öffentlichkeit, wenn es um das Thema Busunfälle geht. Tatsächlich ist der Omnibus jedoch ein relativ sicheres Verkehrsmittel ohne gravierende Schwachstellen, wie jetzt eine von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) durchgeführte Analyse von Busunfällen in Deutschland zeigt. Dabei standen zwei Fragen im Vordergrund: Wie ist das Schadengeschehen bei Busunfällen im Allgemeinen und wie können moderne Fahrerassistenzsysteme Busunfälle verhindern oder abschwächen? Dafür wurden insgesamt 213 Busunfälle untersucht, bei denen mindestens eine Person verletzt wurde und mindestens ein Schadenaufwand von 15.000 Euro zu verzeichnen war. Davon waren 101 Unfälle mit anderen Fahrzeugen wie Pkw oder Lkw, 10 Alleinunfälle und 42 Kollisionen mit ungeschützten Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern, Fahrradfahrern und motorisierten Zweiradfahrern. Besonderes Merkmal der Alleinunfälle: Hier wurden die meisten Insassen je Crash verletzt, viele von ihnen jedoch nur leicht. Die schwersten Unfallfolgen hatten die Kollisionen von Bussen mit Lkw, so das Ergebnis der Analyse. Dabei wurden fast 30 Prozent der Insassen schwer verletzt oder getötet, während es bei den Alleinunfällen nur rund zwölf Prozent und bei den Bus/Auto-Unfällen nur rund sechs Prozent waren. Bei knapp 50 Unfällen war es erst gar nicht zu einem Crash im herkömmlichen Sinne gekommen. Die Insassen verletzten sich zum Teil schwer aufgrund von Fahrmanövern (starkes Bremsen, Ausweichen) oder beim Ein- und Aussteigen. Verletzungen bei diesen so genannten „Non Crash Events“ waren bei Linienbussen fast ausschließlich während der Fahrt aufgetreten (81 Prozent), bei Reisebussen dagegen überwiegend beim Ein- und Aussteigen (64 Prozent). Weiteres Ergebnis der Studie: Das Risiko, eine schwere Verletzung zu erleiden, ist bei den Non Crash Events drei Mal höher als bei „normalen“ Unfällen. Und: auch die durchschnittliche Schadenhöhe ist bei beiden Unfallarten gleich hoch, im Schnitt rund 60.000 Euro. Die UDV hat auch das Nutzenpotenzial für Fahrerassistenzsysteme bei Bussen berechnet: Dabei wurde erstmals auch unterschieden zwischen Linienbussen und Reisebussen. Während das Elektronische Stabilitäts-Programm (ESP) beispielsweise bei Reisebussen rund jeden 9. Unfall positiv beeinflussen könnte, ist es bei Stadtbussen nur jeder 125. Den größten Nutzen versprechen Notbremssysteme. Mit ihnen kann jeder sechste schwere Unfall vermieden oder abgeschwächt werden. Aber nur dann, wenn er auch stehende Fahrzeuge erkennt. In der Europäischen Union sind Notbremsassistenten für neue Busmodelle ab November 2013 zwar vorgeschrieben, jedoch sind die technischen Anforderungen noch unklar. UDV-Leiter Siegfried Brockmann fordert jetzt von der EU Festlegungen im Sinne der Untersuchungsergebnisse: „Notbremssysteme müssen auch stehende Fahrzeuge erkennen können. Bei Reisebussen würde ein solches System gegenüber einer einfachen Notbremse viermal häufiger Unfälle vermeiden oder in der Schwere vermindern.“ Insgesamt könnten die untersuchten Fahrerassistenzsysteme im Idealfall 24 Prozent der Linienbusunfälle und fast 47 Prozent der Reisebusunfälle positiv beeinflussen.

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