Forschung zum Mobilitätsverhalten

28.10.2008 09:07 Uhr
Forschung zum Mobilitätsverhalten

Individuelles Mobilitätsverhalten steht im Mittelpunkt eines Forschungsprojekt der Technischen Universität Berlin.

„Mobilitätsverhalten, Generationenerfahrung und individuelle Biographie“, heißt ein Forschungsprojekt der Technischen Universität Berlin, welches das individuelle Mobilitätsverhalten in den Mittelpunkt stellt. Die Berliner unter der Leitung von Dr. Hans-Liudger Dienel kooperieren dabei mit dem Verkehrsplaner Prof. Kay W. Axhausen von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und werden durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert. „Für jede Generation gibt es bestimmte Prägephasen, die häufig durch Umbrüche, etwa einen Umzug oder die Hochzeit, bestimmt werden“, so Dr. Dienel. Verhaltensweisen, die sich Menschen in diesen Phasen aneignen, würden dann oft ein Leben lang beibehalten. Würde man etwa einem Neuberliner im ersten halben Jahr eine kostenlose Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr schenken, sei es nicht unwahrscheinlich, dass dieser auch weiterhin hauptsächlich mit Bus und Bahn durch die Hauptstadt fährt, gibt Dienel ein vereinfachtes Beispiel. „Früher hat man den Bedarf für den Verkehr erhoben und entsprechend geplant. Künftig wird man den Verkehr inszenieren – etwa, in dem durch eine geeignete Bildungspolitik die Bedürfnisse der Bürger gelenkt werden“, erläutert er. Während der Projektlaufzeit wurden 110 Menschen zwischen 18 und 80 Jahren in Berlin und Brandenburg interviewt und deren Lebenswege aufgezeichnet. So können die Forscher einerseits Rückschlüsse auf die Reisegewohnheiten und deren Wurzeln in der Familie ziehen, andererseits aktuelle Vorlieben bei der Wahl von Verkehrsmitteln – etwa für den Weg zur Arbeit oder in der Freizeit – beurteilen. Während der Auswertung, die noch andauert, konnten die Forscher verschiedene Haupttypen mit ihren individuellen Reise-Vorlieben identifizieren. Für die mittlere Generation, die Geburtsjahrgänge 1955 bis 1965, ist es zum Beispiel ausgesprochen wichtig, mobil zu sein und durch Reisen den eigenen Horizont zu erweitern. Die jüngere Generation der ab 1970 Geborenen reist dagegen zwar immer noch gern, legt allerdings mehr Wert auf Komfort und Erholung als auf die Ausbildung der Persönlichkeit während des Reisens. Die Ergebnisse sollen Anhaltspunkte dafür liefern, inwieweit das Mobilitätsverhalten in der Biographie wurzelt oder das Resultat einer Prägung innerhalb einer Generation sein kann.

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