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MAN E-Bus erreicht 550 Kilometer mit einer Ladung

583 Stops zählte der Messcomputer nach 24 Stunden Fahrtzeit
© Foto: MAN

MAN hat mit einem E-Bus eine Reichweitenfahrt durchgeführt, um herauszufinden, wie weit man unter realen Bedingungen ohne Zwischenladen kommt.


Datum:
20.05.2021
Autor:
Sascha Böhnke
Lesezeit: 
3 min
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Reichweite spielt bei einem batterieelektrischen Stadtbus eine entscheidende Rolle. Ist sie doch ein nicht zu unterschätzender und oft limitierender Faktor, wenn es um die Beschaffung von Elektrobussen und ihren Einsatz auf der Linie geht. So führt eine im Vergleich zu mit Diesel angetriebenen Bussen meist deutlich geringere Reichweite oft dazu, dass Linien entweder neu geplant werden müssen, dass mit Zwischenladungen an der Strecke gearbeitet werden muss oder dass weniger Umläufe pro Einsatztag stattfinden können, mit der Folge, dass ein zweiter E-Bus benötigt wird. Auch Bushersteller MAN ist sich dieses Problems bewusst, wirbt aber bereits seit geraumer Zeit mit sehr üppigen Reichweiten, was bislang jedoch eher eine Aussage auf dem Papier war. Umso spannender war die Ankündigung, einen 12 Meter langen MAN Lion's City E auf Linie zu schicken, um herauszufinden, welche Distanz der Bus erreicht, der Batterien mit einer Gesamtkapazität von 480 kWh besitzt.

Mitarbeiter des TÜV Süd begleiteten und begutachteten die Fahrt, Versiegelungen der Klappen vor den Ladebuchsen sorgten zusätzlich für Manipulationssicherheit. Als Beobachter und Fahrer von zwei Runden war zudem der technische Redakteur der OMNIBUSREVUE dabei. Die Fahrt hatte den Namen „MAN eBus Efficiency Run“ und fand auf den Linien 176 und X80 der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) statt. Dabei handelt es sich um zwei Linien mit Vorstadtcharakter, welches in etwa einem Sort2-Kurs entspricht, erreicht wurden 1,1 Stops pro Kilometer. Am Ende waren es exakt 24 Stunden, in denen der vollelektrische Stadtbus seine Runden zwischen Karlsfelder Straße, Moosacher und Puchheimer Bahnhof drehte, am Steuer Fahrer unter anderem von MAN ProfiDrive.

Besonderen Wert legte das MAN-Team darauf, den Elektrobus unter möglichst realistischen Voraussetzungen zu testen. Deshalb fuhr der MAN Lion’s City E auch auf einer realen Strecke, stoppte an allen Haltestellen, öffnete seine Türen und schloss sie wieder. Zudem wurde mit Gewichten eine durchschnittliche Auslastung mit Fahrgästen simuliert. „Wir waren teilbeladen bei frühlingshaften Temperaturen auf einer relativ ebenen Stadt-/Überlandlinie unterwegs – das waren natürlich günstige Praxisbedingungen“, sagt Heinz Kiess, Leiter Produktmarketing Bus. Teilbeladen bedeutet: Das Fahrzeug, welches ein zulässiges Gesamtgewicht von 19,5 Tonnen besitzt, hat ein Leergewicht von 14.560 kg und war mit einem Testgewicht von 15.600 kg plus Mitfahrer unterwegs. Das klingt auf den ersten Blick nicht nach viel, macht jedoch Sinn, da eine vorausgegangene Linienanalyse genau diesen Wert über den kompletten Fahr-Zyklus gemittelt ergab. So fährt ein Bus mitten in der Nacht oft sehr spärlich bis leer besetzt, während es in Stoßzeiten auch mal eng an Bord werden kann. Der Testbus war jedoch stets identisch beladen, wodurch sich in der Summe eine stimmige Durchschnittsbeladung von etwas mehr als eine Tonne ergibt.

Dass diesers Fahrzeug auch bei anspruchsvollen Wetterbedingunen gute Werte erreicht, zeigte sich unter anderem vergangenes Jahr im spanischen Badajoz bei einem Testeinsatz. Bei herausfordernden Temperaturen von über 35 Grad absolvierte der Lion's City E eine volle 16-Stunden-Schicht und legte die komplette Linie eines ÖPNV-Betreibers mit einer Strecke von 284 Kilometer zurück. „Am Ende des Tages hatte der Bus sogar noch ausreichend Ladung übrig. Dies zeigt, dass unser eBus sogar auf Strecken eingesetzt werden kann, auf denen der Betrieb von Elektrofahrzeugen bisher undenkbar war“, so Manuel Fraile, Head of Sales Bus bei MAN Truck & Bus Iberia.

Der 12 Meter lange Lion's City hat eine Batteriekapazität von 480 kWh an Bord, von denen allerdings nur 80 Prozent oder rund 380 kWh genutzt werden, was die Bedeutung der erreichten Strecke von 550 Kilometern noch einmal unterstreicht. Die Batteriezellen stammen vom Mutterkonzern Volkswagen, die Batteriepakete werden final von Webasto produziert. Nach 24 Stunden Testfahrt zeigte der Messrechner übrigens einen Durchschnittsverbrauch von 66 kWh/100 km an, wovon 56,5 kWh/100 km auf den E-Antrieb entfallen, 9,5 kWh auf die Nebenverbraucher, zu denen auch Heizung und Lüftung zählen, die allerdings kaum zum Einsatz kamen. Hier dürfte es dann zu den entsprechenden Jahreszeiten natürlich noch zu deutlichen Mehrverbräuchen kommen.

Abschließend stellt MAN fest, dass bei einer Reichweite von 550 Kilometern ein Praxisbetrieb in 99 Prozent der Fälle ohne Zwischenladen möglich sein wird. Die Busse können im Depot geladen werden und benötigen keine zusätzliche Technik entlang der Linie. Selbst bei Reichweiten von nur 400 oder 300 Kilometern sollen so 98 Prozent bzw. 89 Prozent der von MAN Kunden bedienten Strecken abgedeckt werden können. Das zeige eine Analyse von 1.325 Routen, die die Experten von MAN Transport Solutions im Rahmen der eMobility-Beratung von im ÖPNV tätigen Unternehmen durchgeführt haben. Bereits 2018 hat MAN den Bereich MAN Transport Solutions gestartet, um seinen Kunden den Einstieg in die Elektromobilität mit Hilfe von Know-how und Dienstleistungen so einfach wie möglich zu machen.

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