Der Ruhm des 1958 in Antwerpen geborenen Künstlers basiert auf der konsequenten Umsetzung einer Ästhetik, die Menschen und ihre Umgebung figurativ abbildet, wobei der Künstler Farben jedoch nur äußerst sparsam einsetzt. So versteht er es, seine aus der Kolonialzeit oder dem Nationalsozialismus entstammende Motive in einen zuweilen verstörend neuen Kontext zu rücken.
Im Museum aan de Stroom (MAS) in Antwerpen gestattet Tuymans nun einen Blick auf eine Facette seines Werkes, die dem Künstler bis vor Kurzen selbst verborgen war: Rein zufällig hat er entdeckt, dass rund drei Viertel seiner Porträtarbeiten Brillenträger zeigen. Anlass für ihn, sich in seiner Heimatstadt unter dem Titel „Glasses“ mit dem Effekt zu befassen, den Brillen auf das Erscheinungsbild des Menschen ausüben. Dabei lautet seine These: Brillen verändern die Physiognomie radikal, aber die Menschen weigern sich, dies so zu empfinden.
Anlass der Ausstellung ist der fünfte Jahrestag der Eröffnung des MAS, der vom 14. bis 16. Mai groß gefeiert wird. Die Ausstellung selbst ist vom 13. Mai bis 18. September 2016 zu sehen. Mehr unter http://www.mas.be. (ah)