Neue Ausstellung in Oberschönfeld

24.10.2014 15:37 Uhr

Die Ausstellung „Göttliches Kind – Jesuskinder als Seelentröster und Wallfahrtsziel“ des Schwäbischen Volkskundemuseums Oberschönenfeld bietet von 30. November 2014 bis 1. Februar 2015 Einblicke in die Jesuskind-Verehrung vergangener Zeiten.

Davon zeugen kostbar eingekleidete Jesuleinfiguren aus bayerisch-schwäbischen Frauenklöstern, prachtvolle Fatschenkinder in Glasschreinen, vielfach gedruckte kleine Andachtsbilder und Objekte von Wallfahrten zu besonders verehrten wundertätigen Jesuskind-Figuren. Einzelne dieser Wallfahrtsziele sind weltberühmt, etwa das Prager Jesulein und das Salzburger Loreto-Kindl. Vor allem regional bekannt sind in Bayerisch-Schwaben etwa das Jesulein im Kloster Holzen und die „anberührte“ Kopie des Prager Jesuleins in der Abteikirche in Oberschönenfeld: Bis heute sind sie Ziel von einzelnen Gnadengesuchen.

Einen besonderen Platz nahm das Jesuskind in Frauenklöstern ein, wo es den Alltag der Klosterfrauen auf vielfältige Weise begleitete. Bis ins späte 18. Jahrhundert war es in einigen Orden üblich, dass junge Novizinnen von ihren Eltern beim Eintritt ins Kloster eine Jesuleinfigur geschenkt bekamen. Mitunter wurde diese sogar als Mitgift verpflichtend gefordert. Im „Gebet mit den Händen“ wurde sie von den Schwestern mit Kleidern und Accessoires ausgestattet und als persönliches Andachtsbild innig geliebt. Darüber hinaus hatte so manche Jesuskind-Figur eine ganz besondere Funktion im Konvent. So verwahrt die Zisterzienserinnenabtei Oberschönenfeld ein Jesulein, das früher von Zelle zu Zelle „wanderte“: Die Nonnen, Beichtväter und Gäste trugen ihm ihre Anliegen vor und hielten diese schriftlich fest.

Neben wertvollen Jesulein-Figuren, die teilweise erstmalig in der Öffentlichkeit zu sehen sind, bietet die Ausstellung Einblicke in die Herstellungsweise von Wachsjesulein. Model aus dem 19. Jahrhundert aus dem Kloster St. Ursula in Augsburg, wo noch um das Jahr 2000 Jesulein aus Wachs von Hand gegossen wurden, beeindrucken durch ihre Größe und detaillierte Ausformung. Bis heute sind solche Jesuskinder in Frauenklöstern präsent, besonders zur Weihnachtszeit. Als himmlischer Bräutigam und persönliches „Trösterlein“, das mit in den Konvent gebracht und in tiefster Andacht in der Klausur geherzt und umsorgt wurde, sind sie jedoch fast schon historisches Brauchrequisit geworden und vor allem älteren Klosterfrauen vertraut. Jüngere Nonnen bevorzugen heute andere Formen der meditativen Versenkung in Glaubensgeheimnisse.

Abwechslungsreiche Aktivstationen für Familien ergänzen die Ausstellung. Hier können sich Groß und Klein auf vielfältige Weise den Jesuskindern, ihren Geschichten, Attributen und ihrer kostbaren Erscheinung widmen und so der besonderen Ausstrahlung dieser Kindlein auf die Spur kommen. Mehr Infos unter http://www.schwaebisches-volkskundemuseum.de. (ah)

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