Die Übernahme der Schau aus Sachsen mit dem Titel „Zeit Auszeit“ stellt hintersinnige Fragen: nach der Bedeutung der (mit Menschenmaß gemessenen) Zeit, nach Vergänglichkeit und Lebenssinn, nach der Maßeinheit, mit der ein Tag, ein Jahr, ein Leben gemessen wird; auch nach Zeitvertreib und Kurzweil, nach Momenten des Glücks, des Übergangs, der Ewigkeit. Kaum eines der prächtigen, bis über einen halben Meter hohen Exemplare kommt ohne allegorische Figuren und Metaphern aus.
Die ausgesuchten Uhren aus Meissener Porzellan datieren zurück bis ins Barock und Rokoko. Fast alle der namhaften Porzellankünstler, die für die Meissener Manufaktur arbeiteten, versuchten sich an dem Genre. Früheste Beispiele stammen von Johann Friedrich Eberlein (1740), Johann Joachim Kaendler (1746), Friedrich Elias Meyer (1750-60). Die Porzellangehäuse zeigen den Stilwandel und damit den Wandel des Lebensgefühls über den Klassizismus (Ludwig Eduard Martin) bis zum Jugendstil (Konrad Hentschel) und zu den 1980er Jahren mit einer Kreation von Peter Strang. Was zunächst Privileg adliger Häuser war, wurde zunehmend auch zum angesagten Wohnaccessoire der bürgerlichen Haushalte. Dass die Modelle in ihrer eigentlichen Formgebung in vielen Fällen weit über 150 Jahre lang reproduziert wurden, spricht von deren künstlerischer Gültigkeit und der ihnen anhaftenden handwerklichen Faszination.
Das Porzellanikon möchte zum Innehalten anregen, zum Nachdenken und zum Zeit- Verschwenden bei ganz persönlichen Betrachtungen. Mit einer Ausstellungsarchitektur, die ausgestattet ist mit vielen Zitaten zum Phänomen der Zeit und deren unaufhaltsamen Fortschreiten und mit einer mystisch angehauchten Atmosphäre. Inspiriert ist das alles von einem Phänomen, über das es heißt: „Die Zeit ist eine großartige Lehrerin, die leider alle ihre Schülerinnen und Schüler das Leben kostet.“ Oder auch – ein wenig versöhnlicher: „Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben. Sondern zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“ (ah)