Moderner Riese

© Foto: Sascha Böhnke

Der Neoplan Skyliner zählt nach wie vor zu den attraktivsten Doppeldeckern, die derzeit zu bekommen sind. Die neueste Ausführung ist zwar schon seit wenigen Jahren am Markt, doch stetige Weiterentwicklungen sorgen ­dafür, dass der Bus sowohl technisch als auch optisch Maßstäbe setzt.


Datum:
26.05.2020
Autor:
Sascha Böhnke
Lesezeit: 
10 min

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Der Neoplan Skyliner hat viele Freunde. Das liegt sicherlich nicht nur an seiner außergewöhnlichen Optik, die im Zuge einer neuen Generation vor einigen Jahren für Begeisterung unter Design-Fetischisten sorgte, es liegt in erster Linie an seinem durchdachten Gesamtkonzept, welches Unternehmer, Fahrgäste und nicht zuletzt Fahrer überzeugt. Neoplan und Praxistauglichkeit – diese beiden Begriffe gehören wohl unbestritten zusammen. Der gefahrene Bus besitzt einen vorderen Aufgang auf der rechten Fahrzeugseite. Das sorgt für einen beschleunigten Einstieg und bietet dem Fahrer ein wenig mehr Privatsphäre. Der Begleitsitz ist in diesem Fall drehbar angebracht. Um vorn in das Unterdeck zu gelangen, muss man sich etwas am Sitz vorbeischlängeln, doch da das ohnehin nicht so häufig vorkommen dürfte, lässt sich das verschmerzen.

In Sachen Sitze können Fahrgäste ab diesem Sommer auf den neuen Kiel-Avance-Sitzen Platz nehmen. Die sind leichter, aber genauso bequem wie bisher. Schaut der Reisende nach oben, erwartet ihn eine kleine Überraschung, denn Neoplan hat die Service-Sets verjüngt. Vorbei die Zeiten der bekannten Walzen-Lüfter, die neuen Sets sind mit LED-Technik und einer modernen, schlanken Formensprache im Heute angekommen. Davon wird übrigens auch der Neoplan Tourliner profitieren.

Ein echter Höhepunkt ist der Küchenbereich. Der wurde vom Bus Modification Center in Plauen veredelt respektive völlig neu gestaltet. Herausgekommen ist eine praktische Küche mit jeder Menge guter Ideen. Dazu zählt auch eine ausfahrbare Arbeitsplatte – wer die engen Platzverhältnisse von Bus-Küchen kennt, weiß, wie wichtig so etwas ist. Im Oberdeck gefällt die helle, lichte Anmutung, die von den durchgängig eingesetzten Glaselementen ungemein profitiert. Im vorderen Bereich wurde das Innere etwas entrümpelt. Die oberen Gepäckablagen reichen nun auf der rechten Seite, also dort, wo vorn der Aufstieg ist, nur noch bis eben dorthin.

Neues farbiges Zentraldiyplay
© Foto: Sascha Böhnke

Der Fahrerarbeitsplatz ...

... wurde in der Länge etwas vergrößert. Das ist gut, wenn man lange Beine hat. Neu ist der Deckenbereich über dem Fahrer. Die nun verwendeten Materialien wirken passend. Gut ist grundsätzlich, dass Fahrer- und Begleiterbereich sich auf Wunsch mit einer Pendel­tür zum Unterdeck hin abtrennen lassen.
Recht ungewöhnlich ist zunächst der Verzicht auf die konventionellen Spiegel. Stattdessen besitzt der Demo-Bus ein Kamera-Monitor-System. Am Testtag herrschte gutes Wetter, entsprechend gut war die Darstellung in den Monitoren. Ja, auch bei diesem Bus ist ein Spiegel, der die Front abdeckt, keine Pflicht, gut wäre es trotzdem, wie das Rangieren auf dem engen Parkplatz einer Gaststätte zeigte. Eine Rundumsicht sollte eigentlich bei Spiegelersatzsystemen Standard sein.

Die Kraftstrang-Abstimmung ist im Skyliner ausgezeichnet gelungen. Die Gangwechsel sind kaum zu spüren und wenn es beispielsweise in den Bergen darauf ankommt, erfolgen diese äußerst zügig. Überhaupt sind die 510 Pferdestärken respektive die 2.600 Newtonmeter, die bereits kurz über 900 Umdrehungen pro Minute anliegen, eine kraftvolle Ansage. Damit dürfte dann der Bus auch ausgeladen auf 27,5 Tonnen gut voranzutreiben sein. Dass man in einem Doppeldecker sitzt, spürt man als Fahrer übrigens kaum, das CDS-Dämpfersystem von ZF reagiert blitzschnell auf Lastwechsel und verhindert recht wirkungsvoll ein Schwanken des Fahrzeugs.


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Dass man in einem Doppeldecker sitzt, spürt man als Fahrer kaum, das CDS-Dämpfersystem arbeitet blitzschnell


Verbaut war mit Mobileye ...

... ein Überwachungssystem, welches kamerabasiert sowohl die Seiten abdeckt, um mögliche Personen beim Abbiegen zu entdecken, als auch in der Front Geschwindigkeitsschilder erkennt und Abstand sowie Geschwindigkeit vorausfahrender Fahrzeuge auf einem kleinen runden Display anzeigt. Sofern Mobileye eine Person neben oder seitlich vor dem sich bewegenden Bus erkennt, erfolgt eine tatsächlich deutlich wahrnehmbare visuelle und optische Warnung.

Die Monitore liefern ein klares Bild
© Foto: Sascha Böhnke

Ein interessantes Detail ...

... im Außenbereich des Busses stellen die Mehrgelenkscharniere dar, die nun bei sämtlichen Klappen verbaut wurden. Dadurch konnte der Öffnungswinkel vergrößert werden, was eine Arbeitserleichterung bedeutet. Die Tür auf der rechten Seite zum Kofferraum öffnet nun nach hinten. Überhaupt zählt der Kofferraum im Skyliner zu den größten bei den Doppeldeckern. Ein wenig umständlich ist der Behälter für das Scheiben­wisch­wasser zu erreichen, doch wie heißt es so schön: Niemand ist perfekt. Doch die Gewissheit, nah dran zu sein am Doppelstockbus, der die Ansprüche aller Beteiligten so gut wie möglich erfüllt, das ist doch auch ein gutes Gefühl.

Unser Urteil

Mit dem aufgefrischten Skyliner hat Neoplan erneut gezeigt, dass die Belange von Fahrern, Fahrgästen und natürlich Unternehmern an erster Stelle stehen. Ausgerüstet mit den modernsten Assistenz- und Sicherheitssystemen bewegt sich der Bus auf der Höhe der Zeit. Der Fahrgastraum besticht durch seine Großzügigkeit, das ist keine Selbstverständlichkeit bei den beengten Vier-Meter-Höhenverhältnissen. Auf den neuen Kiel-Sitzen lassen sich Langstrecken bestens aushalten, die neuen Service-Sets sind eine echte Bereicherung sowohl in Sachen Design als auch Handhabung. Je öfter man mit einem Spiegelersatzsystem unterwegs ist, desto mehr gewöhnt man sich daran. Dennoch wäre eine Art Bird-View-System eine gute Sache. Insgesamt ist der Skyliner ein durchdachter Bus.

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