27.05.2019Aufgefrischt im neuen Jahr

Anfang April hat Iveco seine aktuelle Daily-Baureihe in Turin präsentiert. Dabei handelt es sich zwar nicht um eine Neuentwicklung, dennoch wurden dem Transporter, der auch als Minibus in verschiedenen Varianten erhältlich ist, zahlreiche Frischzellen eingeimpft. Damit ist der Daily nun auch technisch auf aktuellem Niveau angekommen.

Äußerlich hat sich beim Daily 2019 nicht allzu viel geändert. Wer allerdings genauer hinschaut, erkennt, dass der Kühlergrill vergrößert wurde und damit eine effizientere Kühlung des Motors ermöglicht. Im unteren Teil des Kühlergrills befindet sich nun der Radar­sensor – Experten wissen es sofort – damit hat der Daily nun auch den gesetzlich vorgeschriebenen Bremsassistenten an Bord. Neu ist ebenfalls die Stoßstange. Sie besteht aus drei Einzelteilen, was es im Falle eines Unfalles und entsprechender Beschädigung einfacher und vor allem preiswerter macht, wenn ein Ersatz benötigt wird. Insgesamt wirkt die Front nun etwas gefälliger und weicher, der Daily kommt optisch etwas filigraner vorgefahren. Neuigkeiten gibt es auch in Sachen Licht. So sind die Frontscheinwerfer nun in Voll-LED-Technik ausgeführt, Abblend- und Fernlicht erstrahlen ab sofort in einem ermüdungsfreien Licht. Ein wenig unverständlich bleibt, weshalb man bei Iveco nicht ganz konsequent vorgegangen ist und sämtliche Hecklichter noch mit konventionellen Glühleuchten ausgestattet hat. Beim Antrieb setzt Iveco entweder auf Diesel oder auf Gas. Bei Letzterem handelt es sich um einen Drei-Liter-Motor, der 136 PS bei einem maximalen Drehmoment von 350 Nm leistet. Der Gasmotor entspricht dem Euro-6/D-Standard, er kommt mit 76 Prozent weniger Partikelemissionen und zwölf Prozent weniger Stickstoffemissionen aus als ein Dieselmotor.

Die größten Änderungen befinden sich bei der neuesten Daily-Generation im Innenraum. Bereits beim Einsteigen fällt auf – es gibt keinen Handbremshebel mehr. Der ist zugunsten einer elektrischen Feststellbremse entfallen. Auch bei der Lenkung hat sich etwas getan, das Lenkrad wurde kleiner und damit deutlich handlicher gestaltet, sodass man beim Fahren fast schon Pkw-Feeling spürt. Zudem handelt es sich nun um eine elektro-hydraulische Lenkung, durch den Einsatz eines Elektromotors hat nun auch ein aktiver Spurhalteassistent Einzug gehalten. Er registriert ab Tempo 60, wenn der Fahrer – ohne zu blinken – eine Fahrbahnmarkierung überfährt, und bringt den Kleinbus wieder zurück in die Spur. Völlig elegant geschieht das nicht, der Bus neigt dann ein wenig zum Hin- und Herpendeln, doch das System macht, was es soll: Es verhindert ein ungewolltes Abdriften aus der Spur. Gleichzeitig gibt es nun bei der Lenkung eine sogenannte „City-Option“. Betätigt der Fahrer einen entsprechenden Schalter auf der Mittelkonsole, werden die elektrischen Lenkkräfte deutlich verstärkt, wodurch der Fahrer entsprechend weniger Kraft beim Lenken aufwenden muss. Das ist gut beim Rangieren, doch ehrlicherweise sollte erwähnt werden, dass es zwar ein angenehmes Feature ist, welches jedoch nicht unbedingt auf der „Haben-Muss“-Liste steht. Das betrifft schon eher den Seitenwind-Assistenten. Fährt der Daily beispielsweise aus einem windgeschützten Tunnel heraus und wird von seitlichen Windböen getroffen, werden blitzschnell die Räder auf der dem Wind zugewandten Seite abgebremst, wodurch ein seitliches Ausbrechen verhindert werden soll. Eine durchaus sinnvolle Sache. Der nun verbaute und gesetzlich vorgeschriebene Notbremsassistent AEBS mit City Brake PRO sorgt bis etwa 50 Stundenkilometer dafür, dass im Fall eines drohenden Aufpralls eine Kollision gänzlich vermieden werden kann. Er erfasst eigenständig die Möglichkeit für eine bevorstehende Kollision und bremst entsprechend, falls der Fahrer nicht eingreift. Mit der City Brake PRO geht es noch einen Schritt weiter. Damit werden Unfälle bei langsamem Tempo (fünf km/h) verhindert.

Außerdem greift der neue Daily auf Technologien zurück, die das Stresslevel der Fahrer senken sollen. Bei städtischen Einsätzen, bei denen man oft im dichten Verkehr unterwegs ist, sorgt die Funktion „Queue Assist“ durch Überwachung des vorausfahrenden Fahrzeugs und die automatische Bedienung von Gaspedal und Bremsen in einer Kolonne für komfortables Fahren. So soll sich der Start-Stopp-Verkehr nicht mehr so nervenaufreibend darstellen.  Neu sind weiterhin Features wie „Hill Descent Control“, eine Art Bremsomat-Funktion, sowie „Traction Plus“, das eine feste Bodenhaftung auf rutschigem Unterg und wie Sand, Schlamm oder Schnee garantieren soll.

Geschaltet wird beim neuen Daily mit der ZF-Automatik „Hi-matic“. Dabei handelt es sich um ein automatisiertes Achtgang-Schaltgetriebe, welches sich während der Testfahrt als äußerst zurückhaltend präsentierte. Schaltvorgänge waren nicht zu spüren und auch die Schaltlogik präsentierte sich auf höchstem Niveau. Die Anzeigen wurden recht farbenfroh gestaltet, insgesamt hat man eher das Gefühl, in einem Pkw als in einem Transporter zu sitzen. Mittig befindet sich jetzt das sogenannte “Hi-Connect Infotainment System”. Es verfügt sowohl über Sprachsteuerung als auch über die Einbindung von Android Auto oder Apple Car Play. In Sachen Konnektivität ist der Daily auf aktuellem Niveau angelangt. Zumal hier neben DAB-Radio auch eine Rückfahrkamera sowie eine Navigation von Tom Tom enthalten ist. 

Der Fahrgastraum wurde bei den Materialien und den verwendeten Farben ein wenig modernisiert. So macht das Innere nun einen deutlich helleren Eindruck, was allerdings das Thema Enge konzept- beziehungsweise bauartbedingt nicht wirklich zufriedenstellend lösen kann. Schade auch, dass die Sicht nach vorn durch die standardmäßige Daily-Frontscheibe nur Mittelmaß darstellt. Gerade auf Reisen wollen die Fahrgäste mehr sehen als nur den Innenraum, doch zur Not helfen hier TFT-Bildschirme, die geschickt verbaut wurden. Dafür setzt der Hersteller beim Heck auf Eigenständigkeit und  ersetzt die beiden Türen durch ein gefälliges Heck in Omnibus-Optik.

(sab)



 

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