29.03.2019Der Große bei Probus

Bis zu 37 Sitzplätze passen in den neuen R/XL des Kleinbusanbieters Probus im pfälzischen Herxheim. Damit befindet man sich eigentlich schon in der Domäne der kurzen Großbusse. Hat dennoch das hier vorgestellte Konzept seine Daseinsberechtigung? Die OMNIBUSREVUE wollte es herausfinden und ist diesen Bus gefahren.

Zu den neuen Stars bei Probus gehört der R/XL. Bei ihm handelt es sich um den großen Bruder des RL, der bis vor einiger Zeit noch unter der Bezeichnung Rapido vertrieben wurde. Wesent­licher Unterschied: Der R/XL basiert auf dem Iveco Eurocargo ML, es steckt also solide Lkw-Technik unter dem Bus-Kleid. Gefertigt wird der Bus wie auch der RL bei AS-Domzale in Slowenien. Bereits seit vielen Jahren funktioniert diese Zusammenarbeit ausgezeichnet, neben der großen Erfahrung im Mini- und Midibussektor ist Flexibilität eine der Stärken der slowenischen Busbauer. Und die spürt man auch beim neuesten Probus-Familienmitglied. Äußerlich lässt sich das Fahrzeug als typischer Midi bezeichnen. Auf Experimente wurde verzichtet, die Gesamtform wirkt konventionell zweckbetont. Herausragendes Merkmal ist die sehr große Frontscheibe, was eine gute Sicht verspricht. Ob das im Inneren gehalten werden kann, soll später geklärt werden. Die schmalen Scheinwerfer stammen vom Daily, auf die Eurocargo-Scheinwerfer wurde verzichtet, sie hätten der Front ein zu klobiges Aussehen verpasst. Rund um den Bus sind zahlreiche Klappen angeordnet, sie bestehen aus Aluminium. Die Seitenwände darüber werden aus verzinktem Blech gefertigt, Front und Heck sind Kunststoff-Formteile. Der Busaufbau im Bereich des Bodens wird in Edelstahl gefertigt, das soll der Korrosion vorbeugen.

Ein Problem bei kleinen Bussen stellt stets das verfügbare Kofferraumvolumen dar. Nicht so beim R/XL. Der kommt nämlich auf 5,5 Kubikmeter. Gut, wird der Bus mit der Maximalbestuhlung, die im Extremfall bei 37 +1 + 1 liegt, geordert, kann das eng werden, doch wenn der Bus mit komfortablem 3-Sterne-Sitzabstand und Heck-WC bestellt wird, was eine Fahrgastsitzanzahl von 31 ergibt, dann lässt es sich damit gut arbeiten. Die Kofferräume sind dabei quasi fast um das gesamte Fahrzeug herum verteilt, also auf beiden Seiten, sowie der Hauptkofferraum im Heck. Dieser lässt sich sowohl über eine große Klappe hinten als auch eine etwas kleinere Öffnung seitlich links befüllen. Durchlademöglichkeiten an den seitlichen Kofferräumen bestehen nicht. Da das zulässige Gesamtgewicht bei knapp über zehn Tonnen liegt, dürfte Zuladung ohnehin kein gewichtiges Thema sein. Gut gelöst ist die Unterbringung von AdBlue-Tank, Zentralelektrik und Standheizung. Das alles befindet sich seitlich links recht übersichtlich in einem Fach. Standardmäßig passen 200 Liter in den Tank, der aber auf Wunsch auf 400 Liter erweitert werden kann. Und hier kommt sie, eine der riesigen Stärken des R/XL: der Verbrauch. Bereits mit 200 Litern Tankinhalt kommt der Bus laut Probus im ungünstigsten Fall rund 1.000 Kilo­meter weit. In der Praxis sollen die Verbräuche noch einmal deutlich darunter liegen.

Dazu lohnt ein kurzer Blick auf den Motor. Bei dem handelt es sich um einen Iveco Tector 7, das ist ein Reihensechszylinder mit einem Hubraum von 6,7 Litern. Der R/XL hat die schwächste Variante in Form von 162 kW, das sind 220 PS, verbaut, das maximale Drehmoment beträgt 800 Nm. Klingt alles nicht umwerfend, lässt sich aber fahren. Zwar war der Bus während der Probefahrt unbeladen, doch der grundsätzliche Eindruck verspricht, dass der Bus auch dann, wenn es etwas hügeliger wird, nicht an Steigungen verhungern dürfte. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass das maximale Drehmoment bereits ab 1.250 Umdrehungen anliegt und die Achse in Verbindung mit dem automatisierten Sechsgang-Schaltgetriebe ZF-AS Tronic recht kurz abgestimmt ist. Das sorgt aber auch für etwas höhere Drehzahlen bei Tempo 100, etwas, woran man sich erst einmal gewöhnen muss.

Und da sind wir auch schon beim Thema Fahren. Nein, der R/XL bietet nicht den Fahrkomfort eines Zwölf-Meter-Busses. Und das liegt an mehreren Faktoren. So handelt es sich beim Eurocargo-Chassis eben nicht um eine Bus-Entwicklung, sondern um eine Basis, die im Güternahverkehr ihre Stärken ausspielen will. Das spürt man auch an der Lenkung, die ein klein wenig schwammig wirkt, die Starrachse tut ihr Übriges, sodass häufige Lenkkorrekturen notwendig sind. Dennoch kommt nie ein unsicheres Gefühl am Lenkrad auf, bereits nach wenigen Metern hat der versierte Fahrer den Bogen raus und erfreut sich an den geringen Fahrzeugabmessungen. 9,5 Meter lang und 2,45 Meter breit – damit lassen sich auch kleinste Ortsdurchfahrten problemlos meistern. Die Schaltung arbeitet ausgezeichnet, Schaltvorgänge sind so gut wie nicht zu spüren. Das Geräuschniveau kann als recht gut bezeichnet werden, bei Fahrten in Ortschaften oder auf der Landstraße bleibt der Motor dezent im Hintergrund, lediglich bei Tempo 100 wird es in der Front etwas lauter. Den Fahrgästen aber kann das relativ egal sein, bereits kurz hinter der Front sinkt der Schallpegel ordentlich ab. Im Übrigen hat Probus das Thema Frontmotor beim R/XL extrem geschickt gelöst. Dadurch, dass der Boden im Fahrgastraum ein wenig angehoben wurde, verschwindet der Motor komplett darunter. Das Ergebnis ist ein absolut flacher Bereich ohne jegliche Einschränkungen oder Stolperfallen. Das liegt auch teilweise daran, dass die gesamte Front etwas nach vorn verschoben wurde, als Fahrer sitzt man also ein Stück zurückgesetzt. Dadurch ergibt sich dann aber auch die Tatsache, dass der Bereich direkt vor dem Bus nicht eingesehen werden kann, Rampenspiegel würden hier schlicht nichts bringen.

Sehr modern geht es im Inneren zu. Ein großes Heck-WC lässt keine Wünsche offen – sensationell! Die Fahrgäste nehmen auf türkischen Sege-Sitzen Platz, diese wirken nicht nur modern, sie bieten auch guten Seitenhalt. Damit ist der Bus sowohl für Reisen als auch für den Kombi­verkehr bestens geeignet. Die Sicht zur Seite ist zwar bauartbedingt nicht ganz so großzügig wie in einem Großbus, doch sie geht immer noch in Ordnung. Dafür ist die Sicht nach vorn bestens. Insgesamt wirkt der Fahrgastraum schon fast gemütlich bei gleichzeitiger sehr moderner Anmutung. Zwischen 170.000 und 195.000 Euro kostet der Bus. Und damit sind wir dann auch schon beim nächsten Grund, weshalb der R/XL mehr als nur eine Alternative im Midi-Segment darstellt. (sab)



 

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