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BerlKönig der BVG: Ende ist Anfang

Rufbus-Angebote können hochattraktiv gestaltet und zum Erfolgsmodell werden. Die BerlKönig-Studie der BVG in Berlin hat diesbezüglich höchst positive Ergebnisse gezeitigt - Nachfolgeprojekte sind in Planung
© Foto: iStock/golero

Der digitale Rufbus „BerlKönig“ gehört seit September 2018 genauso zu den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) wie zum allgemeinen Bild der östlichen Berliner Innenstadt. Am 20. Juli endet das Forschungs- und Entwicklungsprojekt planmäßig nach vier Jahren. Das Fazit fällt positiv aus: obwohl das Projekt zu gut 50 Prozent in die Zeit der Corona-Pandemie fiel und das Angebot zuletzt bereits reduziert war, nutzten rund 1,85 Millionen Fahrgäste den BerlKönig.


Datum:
29.06.2022
Autor:
Judith Böhnke
Lesezeit:
7 min
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Die Projektpartner BVG und Via konnten wertvolle Erfahrungen zum Betrieb von On-Demand-Verkehren in Berlin sammeln. Zunächst sollte getestet werden, wie sich „On-Demand-Ridepoolings“ (ODR) – so der englische Fachbegriff – in Kooperation eines öffentlichen und eines privatwirtschaftlichen Unternehmens technologisch, betrieblich und bezüglich der Kundenakzeptanz und Inklusion erfolgreich realisieren lassen. „On-Demand-Ridepoolings“ sind dabei nichts geringeres als „Rufbus-Angebote“ – „ODR“ klingt zugegebenermaßen aber besser und mehr nach dem „jungen, hippen Fahrgast von morgen“. In Spitzenmonaten verzeichneten die BerlKönige rund 120.000 Kundenfahrten in der östlichen Berliner Innenstadt sowie in zwei angrenzenden Wohngebieten. Bis zu 185 (zum Teil barrierefreie) Fahrzeuge kamen dabei zum Einsatz. Über 4.000 Haltepunkte wurden angefahren. Die Preispositionierung lag zwischen einer ÖPNV- und einer Taxifahrt und beinhaltete einen Basispreis und einen kilometerabhängigen Zuschlag.

BerlKönig: Ziele des Projekts

Ein wesentliches Ziel des BerlKönig-Projekts war die Reduzierung der CO2- und NOx-Emissionen im Stadtverkehr. Um den Effekt zu messen, befragte die BVG von Projektbeginn an repräsentativ Fahrgäste danach, welches Verkehrsmittel sie ohne das BerlKönig-Angebot genutzt hätten. Die durch den BerlKönig generierten Verkehrskilometer und Emissionen wurden dann mit den ersetzten Verkehrskilometern und Emissionen verglichen. Im ersten Quartal 2020 beispielsweise sorgte der BerlKönig für eine CO2-Einsparung von 60 Prozent und eine NOx-Einsparung von sogar 80 Prozent. Diese Minderungen könnten noch gesteigert werden, wenn die BerlKönig-Fahrzeugflotte zu 100 Prozent elektrisch angetrieben werde und die Reichweite der Batterien verbessert sei, heißt es in der Zusammenfassung der Studie.

Grundsätzlich sollen Rufbus-Angebote den ÖPNV ergänzen und dazu führen, dass weniger Fahrten mit dem eigenen Pkw unternommen werden. Daher wurde in der BerlKönig-Studie auch untersucht, wie sich das Angebot auf den übrigen ÖPNV auswirkte. Im Ergebnis verfügten 45 Prozent aller BerlKönig-Nutzer über eine VBB-Monatskarte im Abonnement oder besaßen eine Jahreskarte – diese Fahrgäste nutzten den BerlKönig also nur „ergänzend“ zu ihrer ohnehin gegebenen ÖPNV-Nutzung. Autofahrer stiegen den Befragungen der BVG zufolge aber durchaus auf den BerlKönig um: 39 Prozent der Pkw-Besitzer im Testgebiet gaben an, ihren Pkw „viel weniger“ oder „etwas weniger“ zu nutzen. Ebenso waren 39 Prozent der Pkw-Besitzer der Meinung, dass man durch das ODR-Angebot kein eigenes Auto mehr bräuchte. 18 Prozent der Nutzer verzichteten auf Carsharing – nicht zuletzt, weil sie den BerlKönig nicht selbst fahren mussten.

BerlKönig: Erfolgsfaktoren

Als wesentliche Erfolgsfaktoren nennen die Macher der Studie ein starkes Marketing mit konsequenter Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kunden, verbunden mit einer entsprechenden Kundenkommunikation. Der BerlKönig wurde in die BVG-Apps und in die und in die Jelbi-Mobilitätsstationen integriert. In der eigenen BerlKönig-App wurde eine multimodale Verkehrsträger-Anzeige (BerlKönig oder ÖPNV) geschaffen und später eine intermodale Reisekette (Kombination von BerlKönig und ÖPNV in einer Reise) entwickelt. Der Preis pro Fahrt – 4 Euro Grundpreis plus 1,50  Euro Kilometerpauschale wurde von den Kunden gut angenommen. Bis zum Lockdown 2020 steigerte sich der Anteil der „gebündelten Fahrten“ – also der Fahrten mit mehreren, unabhängig voneinander fahrenden Fahrgästen pro Fahrzeug – auf bis zu 87 Prozent. In Stoßzeiten waren sogar bis zu 98 Prozent der Fahrten „gebündelt“. 97 Prozent der Kunden attestierten dem BerlKönig über die Befragung in der App, dass sie mit dem Angebot „zufrieden“ seien.

Als wesentlich für den Projekterfolg sahen die Macher der Studie die hohe Verfügbarkeit des Angebots an, ein hochwertiges und auffälliges Branding der Fahrzeuge sowie barrierefreie Nutzungsmöglichkeiten. Von den anfangs 50, später 185 eingesetzten Fahrzeugen waren stets mindestens vier barrierefrei. Barrierefreie Fahrten konnten durchschnittlich 20 Minuten Wartezeit erfüllt werden – ein nicht rollstuhlgerechtes Fahrzeug konnte im Schnitt binnen zehn Minuten zur Verfügung gestellt werden. Das eingesetzte Fahrpersonal trug jedoch auch nicht unwesentlich zur Kundenzufriedenheit bei, wie die Auswertung der abgegebenen Kundeneinschätzungen zeigte.

BerlKönig: Wie geht es weiter?

Das BerlKönig-Projekt fand weltweit große Beachtung. So wurden BVG und Via mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter der Bundesteilhabepreis 2019 (Berlin), den UITP Award 2019 in der Kategorie Public and Urban Transport Strategy (Stockholm) und der TRANStech Partnership of the Year Award 2019 (London).

Aufgrund der positiven und vielversprechenden Studienergebnisse soll der BerlKönig Nachfolge haben. Die  Vorbereitungen für die beiden neuen On-Demand-Angebote der Berliner Verkehrsbetriebe, „BVG Rufbus“ und „Alternative Barrierefreie Beförderung (ABB)“ laufen bereits auf Hochtouren. Die Begriffe sind zunächst Arbeitstitel. Den Ridepooling-Algorithmus, die Fahrzeugflotte und das Fahrpersonal für die neuen Angebote stellt wiederum die Firma Via, die sich im Frühjahr bei einer entsprechenden Ausschreibung durchsetzte. Der geschlossene Vertrag läuft Ende 2025.

Details sind noch in der Abstimmung – ebenso das konkrete Startdatum der neuen Programme. Die Berliner können sich aber schon jetzt auf eine „Fortsetzung“ ihres BerlKönigs in anderem Gewand freuen.

Zusammenfassung der Studie

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