Deutschlandticket: BMV sieht weiteres Potenzial

16.04.2026 08:45 Uhr | Lesezeit: 4 min
Schnieder_Patrick_Bundesverkehrsminister
„Das Deutschlandticket wirkt“, sagte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder
© Foto: BMV

Das Bundesverkehrsministerium zeigt sich mit der bisherigen Wirkung des Deutschlandtickets zufrieden, der VDV hingegen zeigt sich vom Vorgehen des Ministeriums überrascht und übt deutliche Kritik.

Das Bundesverkehrsministerium (BMV) hat einen Zwischenbericht zur Evaluation des Deutschlandtickets 2024-2026 vorgelegt, dessen Ergebnisse Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder zu der Aussage bewogen haben: „Das Deutschlandticket wirkt.“ Das Deutschlandticket entlaste die Bürger, stärke den öffentlichen Verkehr und reduziere CO2-Emissionen. Gleichzeitig bestehe weiteres Potenzial, zusätzliche Nutzer zu gewinnen, sagte Schnieder, der betonte: „Entscheidend sind Verlässlichkeit, ein attraktives Preisniveau und ein gutes Angebot. Bund und Länder haben die Finanzierung bis 2030 gesichert. Nun gilt es, die positiven Effekte weiter auszubauen.“

Zwischenbericht sieht rund 14,5 Millionen Nutzer

Erstellt wurde die Studie unter Leitung der Infas – Institut für angewandte Sozialwissenschaft, sie basiert auf dem Arbeits- und Erhebungsstand bis Ende September 2025. Grundlage sind eigene qualitative und quantitative Primärerhebungen, Sekundäranalysen sowie verschiedene Statistiken zum Deutschlandticket. Der Bericht bestätige die breite Nutzung des Deutschlandtickets, so das BMV. Aktuell nutzen demnach rund 14,5 Millionen Menschen das Angebot, das entspricht etwa einem Fünftel der Bevölkerung. Die Nachfrage ist besonders in Metropolen hoch, zugleich spielt das Ticket auch in ländlicheren Räumen eine relevante Rolle. Zudem habe man Gelegenheitsnutzer stärker an den öffentlichen Verkehr binden können.

Potenzial von bis zu 5,8 Millionen weiteren D-Tickets

Die Gutachter sehen zusätzliches Potenzial von bis zu 5,8 Millionen weiteren Deutschlandtickets. Dieses könne insbesondere durch die Reaktivierung früherer Nutzer sowie durch konsequentes Marketing erschlossen werden. Trotz einer im Jahr 2025 stagnierenden Nutzerbasis infolge von Preisdiskussionen wird eine signifikante Verlagerung vom privaten Pkw zum öffentlichen Verkehr festgestellt. Die Evaluation hebt zudem hervor, dass das Deutschlandticket die Mobilität insbesondere von Menschen mit geringerem Einkommen verbessert und die gesellschaftliche Teilhabe stärkt. Gleichzeitig wurde ein Digitalisierungsschub im Vertrieb beobachtet. Für den langfristigen Erfolg nennen die Gutachter insbesondere Verlässlichkeit, moderate Preisentwicklung, Angebotsqualität und aktive Vermarktung.

VDV vermutet ein „Ablenkungsmanöver“

Deutliche Kritik kommt vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). „Wir bedauern, dass diese Ergebnisse ohne Vorankündigung an die Länder und an die Branche über die Presse veröffentlicht wurden“, sagte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff. „Der Zeitpunkt dieser Veröffentlichung, direkt nach dem Entlastungsgipfel der Bundesregierung, erscheint wie ein Ablenkungsmanöver. Denn man hat zwar einen Tankrabatt beschlossen, aber keine Entlastungsmaßnahmen für die 24 Millionen Fahrgäste, die durch ihre ÖPNV-Nutzung täglich aktiv dazu beitragen, dass in Deutschland erheblich weniger Diesel und Benzin verbraucht werden.“

Wirtschaftlicher Druck auf die Verkehrsunternehmen

Die Ergebnisse der vorgestellten Evaluation seien „mehr als sechs Monate alt und aus unserer Sicht an entscheidender Stelle unzutreffend“, sagte Wolff: „Das angebliche Potenzial an zusätzlichen Kundinnen und Kunden beim Deutschlandticket stellen wir in den Verkaufszahlen nicht fest. Vielmehr ist es so, dass aufgrund des immensen wirtschaftlichen Drucks auf die Verkehrsunternehmen das ÖPNV-Angebot bundesweit teilweise reduziert wird. Das ist widersinnig zum Gedanken des Deutschlandtickets. Ohne, dass endlich auch der Bund Maßnahmen ergreift, werden die Verkaufszahlen eingefroren bleiben.“

Marketing für das Deutschlandticket

Der VDV zeigte sich zudem „sehr überrascht“, dass das Bundesverkehrsministerium nun ein konsequentes Marketing für das Deutschlandticket ins Spiel bringe. „Dies hat die Branche, die jährlich einen siebenstelligen Betrag für die Vermarktung des Tickets aufwendet, immer wieder Bund und Ländern vorgeschlagen. Der Bund ist jedoch, ebenso wie bei der gemeinsamen Marktforschung, bereits vor über einem Jahr aktiv aus einer bundesweiten Kampagne ausgestiegen und hat diese damit de facto beendet“, sagte Wolff.

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